Blick in die Produktion bei Stada in Bad Vilbel. FOTO: PM
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Blick in die Produktion bei Stada in Bad Vilbel. FOTO: PM

Von Hessen aus in die ganze Welt

  • vonGerd Chmeliczek
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Unser vielfältiges Bundesland ist Thema der Serie "Hessisch". Wetten, dass viele Europäer, Asiaten und Amerikaner es gar nicht wissen, wenn ihr Fleckenmittel, ihr Bier, ihr Medikament gegen Kopfschmerzen und das Lieblingsspiel aus Hessen stammen? Wir haben eine kleine Auswahl von Produkten "Made in Hessen" zusammengestellt, die weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt sind.

Und sofort sind wir mittendrin im Reigen der Erfolgsprodukte: Aus Egelsbach stammt eines der bekanntesten Fleckenmittel. Dr. Beckmannwird in 80 Ländern vertrieben. Die Produkte werden an die unterschiedlichen Gewohnheiten angepasst. So ist in den USA ein Mittel gegen Ketchupflecken im Sortiment, in Asien eines gegen Soja- flecken.

Auch das nächste Unternehmen aus der Region hat einige Erfolgsprodukte im Portfolio: Stadamit Sitz in Bad Vilbel produziert rezeptfreie Arzneien sowie Nachahmerarzneien und Spezialpharmazeutika. In Bad Vilbel stellt Stada rund 80 Produkte für 49 Länder her. Von Tropfen über Salben bis hin zu Pillen und Kapseln ist alles vertreten. Bekannte Medikamente sind etwa Torasemid, Kamistad, Hoggar Night, Allopurinol, Grippostad oder Magnetrans. Das sind Mittel gegen Erkältung, bei Schlaf- oder Hautproblemen, ebenso Herz-Kreislauf-Medikamente, Tabletten gegen Bluthochdruck oder Gicht, Magen-Darm-Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Die Corona-Krise wirkte sich unterschiedlich auf den Konzern und sein Geschäft aus: Während Stada im Frühjahr von Hamsterkäufen etwa bei Immunpräparaten und Schmerz-arzneien profitierte und zeitweise auf Rekordniveau produzierte, sah es im zweiten Quartal etwas anders aus: In Ländern wie Russland, wo Verbraucher in der Regel ihre Medikamente selbst bezahlen müssen, sank die Nachfrage deutlich. Dort suchten weniger Menschen Apotheken, Ärzte und Krankenhäuser auf, erklärte Stada. Der Konzern wurde 2017 von den Finanzinvestoren Bain und Cinven übernommen

Auch einen Weltmarktführer findet man in heimischen Gefilden: Die Firma OptoTechaus Wettenberg-Launsbach steht an der Spitze, wenn es um Optikmaschinen geht. 80 Prozent der von OptoTech hergestellten Produkte gehen in den Export. Sie werden unter anderem verwendet in der Präzisionsoptik, der Brillenoptik und der Messtechnik, der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnologie und der Halbleiterindustrie. Kunden sind beispielsweise Google, Zeiss, Leica, Samsung oder Nikon. OptoTech beschäftigt knapp 350 Mitarbeiter an sechs Fertigungsstandorten weltweit und wurde im vergangenen Jahr in die Schunk-Gruppe eingegliedert.

Ein netter Spieleabend im Kreise der Familie? Da ist es sehr wahrscheinlich, dass der Spieleverlag Pegasusaus Friedberg für Kurzweil sorgt: Andreas Finkernagel und Karsten Esser machten aus einem kleinen Laden in der Friedberger Altstadt ein internationales Schwergewicht in der Spielebranche. Aus 200 Produkten in den Anfangstagen sind mittlerweile über 9000 geworden, aus dem 34-Quadratmeter-Laden in der Altstadt ein Neubau auf einem 7500 Quadratmeter großen Grundstück im Friedberger Gewerbegebiet Süd. Mit einem Paukenschlag machte das Unternehmen 2014 nachhaltig auf sich aufmerksam: Die Eigenproduktionen "Camel up" und "Istanbul" landeten ganz oben auf dem Treppchen - als "Spiel des Jahres" und "Kennerspiel des Jahres". Ein Doppelerfolg, den bis dato noch kein Verlag eingefahren hatte. Durch die Corona-Krise habe man digitale Formate entwickelt, die man beibehalten wolle, sagt PR-Manager Peter Berneiser. So zum Beispiel die "Pegasus Design Days", bei denen sich an zwei Tagen 181 Spiele-Autoren mit 343 Ideen online vorgestellt hätten. Zudem unterstütze man den Fachhandel. Jüngster Coup: "Foto Fish", das von Pegasus vertrieben wird, wurde von der "Spiel des Jahres"-Jury unter die besten drei Kinderspiele des Jahrgangs 2020 gewählt.

Brauereien befinden sich derzeit in einer schwierigen Lage. Die Corona-Krise hat der Branche das erste Halbjahr gründlich verdorben. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Licher Privatbrauereinicht nur in der Region ein fester Begriff ist. "Aus dem Herzen der Natur" lautet der Werbeslogan, der weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt geworden ist. Die Licher Privatbrauerei wurde 1854 von Johann Heinrich Jhring gegründet. Seit 2004 gehört sie zur Bitburger Gruppe. Die Brauerei sieht sich nach eigenen Angaben durch ihre Verbundenheit zur heimischen Region und Natur geprägt. Jüngstes Beispiel seien die neuen Etiketten des Pilsners. Mit dem neuen Schriftzug "Licher Privatbrauerei Jhring-Melchior" habe das Etikett einen noch stärkeren Bezug zu den Ursprüngen der mehr als 160 Jahre alten hessischen Traditionsmarke, erklärt Geschäftsführer Holger Pfeiffer. Zudem sei mit dem "Hessenmädchen" wieder das älteste Markensymbol der Brauerei auf dem Pilsner-Etikett vertreten.

"Eine Verpackung sollte mehr sparen, als sie kostet", lautete der Leitsatz von TetraPak-Gründer Ruben Rausing. 1951 wurde die erste Verpackung in der bekannten Tetraederform entwickelt. Tetra Pak Deutschland hat seinen Verwaltungssitz in Hochheim. Die Produktion erfolgt seit 1969 im benachbarten Limburg. Die Verpackungen werden in 160 Länder auf der ganzen Welt exportiert.

Zum Abschluss wenden wir uns einem Unternehmen zu, dessen Produkte in vielen Haushalten zum täglichen Leben einfach dazugehören. Die Hassia-Gruppein Bad Vilbel zählt zu den großen Mineralbrunnen Deutschlands. Im Geschäftsjahr 2019 verkaufte man 820 Millionen Liter (2018: 852 Mio. Liter) alkoholfreie Getränke sowie Apfelwein. Bad Vilbeler Urquelle, Rosbacher, Bizzl, Blauer Bock, Rapp’s oder Bionade - das ist nur eine kleine Auswahl der Marken, die unter dem Hassia-Dach vereint sind. Bei der Veröffentlichung der jüngsten Geschäftszahlen im Februar dieses Jahres kündigte Hassia an, verstärkt auf Glasflaschen zu setzen, da die Aufmerksamkeit der Verbraucher beim Thema Umwelt- und Klimaschutz zu zweistelligen Zuwachsraten bei umweltfreundlichen Glas-Mehrweg-Gebinden geführt habe, hatte Firmenchef Dirk Hinkel erklärt.

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