Schweinepest

Hessen auf den Ernstfall vorbereitet

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  • Gerd Chmeliczek
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Für einen eventuellen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest ist man auch in Wetzlar gut gewappnet. Dort nämlich befindet sich das hessische Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial.

Im Wetzlarer Gewerbepark Spilburg befindet sich das hessische Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine wichtige Einrichtung, die sicherstellen soll, dass schnell gehandelt werden kann, sollte der Fall der Fälle wirklich eintreten. Rund 12 000 Artikel finden sich in dem speziellen Lager – von Fahrzeugschleusen über Schutzbekleidung bis hin zu Material und Vorrichtungen zur Tötung von Tieren.

"Wenn der Ernstfall eintritt, muss man schnell leistungsfähig sein, erklärte Regier-ungspräsident Dr. Christoph Ullrich am Montag bei einem Ortstermin. Eine Idee des Gießener Regierungspräsidiums (RP) sei das Zentrallager für ganz Hessen gewesen, das es seit 2001 gebe – zentral gelegen und nah an der Autobahn.

Auf verschiedene Seuchen-Ausbrüche vorbereitet

Vorbereitet sei man auf den Ausbruch von Maul- und Klauenseuche sowie der Schweine- und der Geflügelpest, ergänzte Dr. Wolfgang Kulow, Dezernatsleiter Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim RP. Insgesamt sechs RP-Mitarbeiter, darunter auch Tierärzte, kümmern sich um das Lager und stellen sicher, dass die kommunalen Veterinärbehörden im Ernstfall Unterstützung erhalten. Man könne nicht dann erst anfangen, Schutzanzüge zu besorgen, sagte Kulow. "Wenn es losgeht, dann wird sehr schnell sehr viel Material gebraucht", ergänzt der Dezernatsleiter. Die betroffenen Kreise ordern im Fall des Ausbruchs einer Tierseuche die benötigten Materialien beim Zentrallager und holen diese dann auch in Wetzlar ab.

RP: Kein Anlass zur Hysterie

Ausgegeben werden zum Beispiel Packsets für Umgebungsuntersuchungen, quasi ein Erste-Hilfe-Kasten für Tierseuchen. Enthalten sind unter anderem Schutzanzüge, Unterlagen für Betriebsbesuche sowie Materialien zur Untersuchung der Tiere. Dazu kommt zusätzlich noch ein Spezial-Set, je nach Art der Seuche. Von großen Ausbrüchen einer Tierseuche sei man seit Gründung des Zentrallagers bislang verschont geblieben, zuletzt habe man bei der Geflügelpest Materialien herausgegeben, sagte Kulow. Personal vor Ort stellt man nicht. Dafür ist dann unter anderem die Task Force des Landes zuständig.

Materialien zur Tötung vorrätig

Die RP-Mitarbeiter sind daher nicht nur für das Lager zuständig. Sie nehmen innerhalb der Behörde auch noch andere Aufgaben wahr. Die Afrikanische Schweinepest nähere sich zwar Deutschland, zur Hysterie bestehe aber kein Anlass, sagte RP Ullrich. Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich, für infizierte Schweine und Wildschweine verläuft sie meist tödlich Krankheitsfälle gibt es unter anderem in Tschechien. Ein Ausbruch der Seuche in Deutschland mit den laut EU-Verordnung drohenden Handelsrestriktionen könnte große Schäden verursachen.

Vorsicht mit Essensresten

Ullrich erinnerte daran, dass jeder seinen Teil dazu beitragen könne, dass die Krankheit nicht ausbricht. So kann diese über Lebensmittel übertragen werden, die zum Beispiel an Autobahnraststätten weggeworfen und von Wildschweinen gefressen werden. Essensreste seien grundsätzlich so zu entsorgen, dass Tiere nicht an sie herankommen, erklärt der RP. Kommt es zum Äußersten hält das Lager auch Materialien zur Tötung von Tieren bereit. "Das ist der letzte Schritt. Wer so etwas einmal miterlebt hat, der wird es nicht mehr vergessen", sagte Kulow, der in anderen Bundesländern bei entsprechenden Maßnahmen dabei war. Das sei eine große psychische Belastung für alle Beteiligten, erklärt der Dezernatsleiter, der hofft, dass das Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial auch in Zukunft von großen Seuchen-Ausbrüchen verschont bleibt. Vorbereitet ist man aber in Wetzlar darauf.

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