Brachten das Hessenland in die Charts: Die Rodgau Monotones. FOTO: PM
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Brachten das Hessenland in die Charts: Die Rodgau Monotones. FOTO: PM

Hessen auf der Bühne

  • Sabine Glinke
    vonSabine Glinke
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"Erbarme, die Hesse komme!" hieß es 1984. Der Song der Rodgau Monotones steht wie kein anderer für Kultur aus Hessen - auf Hessisch. Ein Einzelfall? Mitnichten, wie ein Blick auf die heimische Kulturszene zeigt.

Auch in der hiesigen Region sind die Rodgau Monotones, denen ihre Heimatstadt den Namen gab, seit jeher gern gesehene Gäste, die für volle Hallen und Plätze sorgen - liebevolle Bekenntnisse zur hessischen Heimat mit geschwenkten Hessen-Fähnchen inklusive.

Und so wie die Rodgau Monotones durch die Region ziehen - 2008 setzen sie bei "Gleiberg rocks" auf Burg Gleiberg in Wettenberg einen Meilenstein der Festivalgeschichte mit erstmals ausverkauftem Haus -, gibt es auch zahlreiche andere kulturelle Projekte, die sich der hessischen Tradition und Kultur widmen.

Ziemlich hessisch babbelt auf der Bühne der Comedian Martin Schneider - auch bekannt als "de Maddin", der in der Nähe von Marburg lebt. Markenzeichen ist sein breiter Mund, gepaart mit dem hessischen Dialekt. Keiner spricht Worte wie "Aschebeschär" oder "Eischhörnschen" derart markant wie de Maddin "med seim Schlabbmaul".

Am engsten mit der Region verbunden und am bekanntesten ist der Kabarettist und Autor Dietrich Faber. Geboren in Gießen, aufgewachsen in Langgöns, arbeitet er seit 1996 hauptberuflich als Kabarettist und bildete zusammen mit Martin Guth bis 2013 das Duo FaberhaftGuth - eine feste Größe in der deutschsprachigen Kabarettlandschaft.

Botschafter aus und für Mittelhessen

2011 erschien sein Debütroman "Toter geht’s nicht" im renommierten Rowohlt Verlag. Das Buch bildete den Auftakt der erfolgreichen Krimikomödienreihe rund um den Vogelsberger Kommissar Henning Bröhmann. Die Reihe schaffte es regelmäßig auf die "Spiegel"-Bestsellerliste und brachte so den Menschen ein ganzes Stück hessische Kultur näher. Denn Bröhmann ist eben ein echter Vogelsberger. Noch "echter" sind zahlreiche Figuren, die aus den Büchern entstanden und mittlerweile Teil der erfolgreichen Comedy- und Lese-Shows von Faber sind. Da ist zum Beispiel der "Orgel-Willi", der so herrlich hessisch babbelt, oder Manni Kreutzer, der mit "Manni und the Overhesse" mittlerweile seine eigene Band hat, mit der er auf Tour geht und sein "Manni-Fest" aus der "mittelhessischen Prärie" auf die Bühne bringt. Nicht umsonst ist Dietrich Faber auch als "Mittelhessen-Botschafter" des Regionalmanagements Mittelhessen auserkoren. Mit viel Humor schafft er es, die Eigenarten der Hessen mit einem liebevollen Augenzwinkern rüberzubringen.

Und auch die Wetterau hat quasi einen "Mundart"-Botschafter: Aus dem Karbener Stadtteil Burg-Gräfenrode kommt der gebürtige Hanauer Tom Meusert, der ebenfalls die Mundart und hessische Dichtkunst auf die Bühnen im ganzen Bundesland bringt, wenn er nicht gerade als Regisseur beim örtlichen Bauerntheater beschäftigt ist.

Sucht man nach weiteren hessischen Einflüssen im Kulturbereich, muss man schon über den Tellerrand in die Rhein-Main-Metropole Frankfurt schauen. Schon 2015 beklagte Henni Nachtsheim vom wohl bekanntesten hessischen Comedy-Duo Badesalz (der übrigens auch mal bei den Rodgau Monotones mitgespielt hat und diese für Badesalz verließ) den fehlenden Nachwuchs in diesem Fach. Und tatsächlich scheinen Nachtsheim - der ebenso wie Dietrich Faber Kolumnen für diese Zeitung schreibt - und sein Partner Gerd Knebel mit Badesalz sowie die Kollegen Lars Niedereichholz und Ande Werner von Mundstuhl ziemlich allein auf weiter Flur.

Befragt man die allwissende Internet-Suchmaschine Google zu dem Thema, stößt man aber noch auf ein paar Einzelkämpfer und einige Veranstalter, die das Thema "Echt hessisch" zum Motto machen. So ist zum Beispiel die erfolgreiche Livemusik-Feierreihe "Hessenparty" in der Wetzlarer Eventwerkstatt zu nennen - coronabedingt aber erst einmal auf Eis gelegt. Dort sorgten in der Vergangenheit Gruppen wie die Quietschboys und besagte Rodgau Monotones für Stimmung. Hessen-Caipi gibt’s trotzdem, schließlich ist ja auch der "Ebbelwoi" ein echtes Stück hessische Kultur. Angesichts dieser gelungenen Event-Idee ist es schade, dass der wohl hessischste aller Spielstättennamen schon an die legendäre Batschkapp in Frankfurt vergeben ist. Mittlerweile von Eschersheim nach Seckbach gezogen, geben sich in der "Kapp" seit 1976 - außerhalb von Zeiten mit Corona-Beschränkungen - Künstler aus der ganzen Welt die Klinke in die Hand. Und auch für viele Mittelhessen ist die "Kapp" zum zweiten Wohnzimmer geworden.

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