Zu Herzen gehende Gala mit den "Domspatzen"

Wetzlar (wv). Es war ein Schmankerl der besonderen Art für die Sinne: Für knapp zwei Stunden war die Wetzlarer Stadthalle am Sonntag eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit. Dabei wollte die Weihnachtsgala nicht nur auf das Fest einstimmen.

Wetzlar (wv). Es war ein Schmankerl der besonderen Art für die Sinne: Für knapp zwei Stunden war die Wetzlarer Stadthalle am Sonntag eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit. Dabei wollte die Weihnachtsgala nicht nur auf das Fest einstimmen. In genialer Weise gelang es, die biblische Handlung der Geburt Christi mit der alpenländischen Landschaft und Kultur zu verbinden und den über 1100 Besuchern nahezubringen. Glockenreine Knabenstimmen, triumphale Bläser, ein Christian Wolff, der mit warmer, heimeliger Stimme die Weihnachtsgeschichte von Heinrich Waggerl erzählte, und das meditative Harfenspiel waren Garanten dafür, dass die "Alpenländische Weihnacht" auch die Herzen der Besucher berührte.

Das Programm ist thematisch unterteilt, und reicht von der Verkündigung über die Herbergssuche bis zu den Hirten an der Krippe. Eine homogene Verschmelzung von Wort und Musik, die keine Zwischenräume zulässt. So wünscht sich Fernsehschauspieler Wolff, als er auf der Bühne Platz nimmt und den Adventkranz entzündet, vom Publikum keinen Applaus. Der hätte den wunderbaren Dialog nur unnötig unterbrochen.

Die Aufführung ist durch ihren äußeren Rahmen sehr stimmig: Der Schauspieler und das Blechbläser-Sextett "Ensemble Classique" tragen Trachtenanzüge, Solisten Eva Deborah Keller sitzt in einem festlichen Dirndl an der Tiroler Harfe. Und die 50 Domspatzen (Leitung: Karl-Heinz Liebl) kommen im feinen Wams daher.

Die perfekt spielenden Bläser kündeten mit feierlicher Musik die Ankunft des Retters an und leiteten zum ersten Auftritt der strahlenden Knabenstimmen über, die mit dem in lateinischer Sprache vertonten "Adeste Fideles" (Nun freut euch, ihr Christen) für einen glanzvollen Auftakt sorgen.

Dann steht der langjährige Star der Serie "Forsthaus Falkeneck" im Scheinwerferlicht. Begleitet vom Spiel der Harfe beginnt er seine Lesung. Christian Wolff gibt Waggerls Impressionen zu dem Geschehen in der Christnacht bildhaft und emotional wieder, verbindet Nachdenkliches mit Schelmerei. Seine typische Erzählweise, stets gewürzt mit feine Humor, spricht das Publikum an und bringt ihm so das Wunder der heiligen Nacht in beeindruckender Weise nahe. Man hört ihm schweigend, ja ergriffen zu. Wenn da nicht noch die Regensburger Domspatzen gewesen wären. Sicher war der Schau-spieler nicht böse: Star der Unesco-Weihnachtsgala ist der Knabenchor mit seinen klaren Stimmen.

975 gegründet, gilt er weitweit als der Beste seiner Altersklasse. Die geschulten Jungen singen wie Engel - leicht, sanft, feinfühlig. Schöner können Lieder wie "Maria durch ein Dornwald ging", "Es wird scho glei dumpa" oder der "Andachtsjodler" kaum klingen. Dabei agierten die "Domspatzen" mit einer Strahlkraft, die tiefe Empfindungen hervorrief. Dies gilt auch für die Solisten mit ihrer hellen Sopranstimme. Prächtig und tonsicher, dass es eine Freude ist, begleiten die Bläser den Chor bei Händels Weihnachtsklassiker "Tochter Zion". Um die Herzen der Zuhörer zu öffnen, braucht es manchmal nicht viel: So das Knaben-Solo beim Kärtner Lied "Gegrüßet seist du, Maria", das tief berührte. Es war nicht der einzige Moment, wo es den Besuchern in den Händen juckte - aber geklatscht werden durfte erst am Ende des Konzerts, so hatte es sich Christian Wolff schließlich gewünscht. Umso frenetischer ist der Beifall zum Ende des fantastischen Konzerts. Die begeisterten Besucher erhoben sich von den Plätzen und hofften mit ihren Ovationen auf eine Zugabe. Sie hatten Erfolg: Mit drei bekannten Weihnachtsliedern verabschiedeten sich die Künstler.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare