Bad Hersfeld: Pandemie-Lager für rund 200 Kliniken geplant
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Bad Hersfeld: Pandemie-Lager für rund 200 Kliniken geplant

Initiator ist die Firma AHS

Pandemie-Lager in Bad Hersfeld soll Jahresbedarf von 200 Kliniken abdecken

  • vonKarl Schönholtz
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In Bad Hersfeld wird aktuell ein Pandemie-Depot eingerichtet, in dem der Jahresbedarf von rund 200 Kliniken für medizinische Schutzausrüstung bevorratet werden soll.

  • In Bad Hersfeld soll ein Pandemie-Depot eingerichtet werden.
  • Dort soll Schutzausrüstung auf knapp 9000 Quadratmetern gelagert werden.
  • Rund 200 Kliniken sollen damit ausgestattet werden können.

In Bad Hersfeld soll es ein Pandemie-Depot mit Schutzausrüstung geben. Initiator ist das Düsseldorfer Unternehmen AHS Alto Hospital Service, das in der Kreisstadt schon seit mehreren Jahren ein Zentrallager unterhält. Aufgebaut wird das Lager in bislang ungenutzten Hallen auf dem ehemaligen Hoechst-Gelände. In der letzten Stufe sollen dann knapp 9000 Quadratmeter Fläche mit Hochregalen für verschiedene Masken-Typen, laminierte Kittel und andere Schutzbekleidung belegt sein.

„Wir sind hier mittlerweile Marktführer“, sagt AHS-Gründer Peter Albrecht, der ausBad Hersfeld stammt. Unter der Eigenmarke „Clinicline“ ist AHS als großer Einkäufer für insgesamt etwa 500 Krankenhäuser tätig, darunter auch das Klinikum Bad Hersfeld und das Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg.

Pandemie-Depot in Bad Hersfeld: Nachfrage von AHS explodierte wegen Corona

„Im Moment komme ich mir vor, als ob ich in der Wüste eine Wasserstelle hätte und es kommt eine Karawane nach der anderen vorbei“, beschreibt Albrecht die durch die Corona-Pandemie explodierte Nachfrage. Dass AHS dennoch keine Wucherpreise aufruft, auf diese Feststellung legt er großen Wert.

Peter Albrecht, Gründer und Seniorchef des AHS Alto Hospital Service.

Begonnen hat AHS vor mehr als 30 Jahren laut Albrecht als „Aldi im Medizinproduktebereich“ und machte sich mit der Marke der Berliner Charité einen Namen. Schon vor sechs Jahren wurde in Bad Hersfeld an der Landecker Straße ein erstes Lager eingerichtet. Bald darauf folgte der Umzug in größere Räumlichkeiten an der Berliner Straße.

Albrecht versteht sein Unternehmen als „sales driven company“, die vor allem in den Warenbestand investiert. Der Vertrieb läuft statt über einen teuren Außendienst erfolgreich über ein eigenes Call-Center. Mit dem Spruch, dass „zwischen Elefantenbeinen noch genügend Gras wächst“, veranschaulicht Peter Albrecht seine unternehmerische Nischenstrategie. Seit Neuestem betreibt AHS Ableger in der Schweiz und in Österreich. 

Pandemie-Depot in Bad Hersfeld: AHS ist Partner seit 30 Jahren

AHS Alto Hospital Service ist ein seit mehr als 30 Jahren etablierter und erfolgreicher Dienstleister für Krankenhäuser, Kliniken und zahlreiche weitere Kundengruppen. Das Sortiment reicht von steriler und unsteriler OP-Einmalkleidung, Produkten zur Patienten- und Kundenbindung bis hin zu technischen Artikeln wie Kopfhörer, Kopfhörerzubehör und Kopfhörerautomaten. Die Firma hat ihren Sitz in Düsseldorf und unterhält ein Logistikzentrum in Bad Hersfeld.

Pandemie-Depot in Bad Hersfeld: Drei Fragen an AHS-Gründer Peter Albrecht

Peter Albrecht (74), Gründer und Seniorchef des AHS Alto Hospital Service mit Sitz in Düsseldorf, ist Hersfelder und unterhält in seiner Heimatstadt schon seit vielen Jahren ein Zentrallager. Aktuell plant er hier ein Pandemie-Depot für 200 Kliniken. 

Herr Albrecht, hat die Entscheidung für Bad Hersfeld etwas Nostalgisches oder ist sie sachlich begründet? 

Tatsächlich trifft beides zu. Bad Hersfeld ist meine Heimatstadt. Hier bin ich zur Schule gegangen und habe heute noch enge Verbindungen zu Weggefährten, die mich – bis heute –- freundschaftlich, aber auch unternehmerisch begleiten. Zum anderen hat die Standortentscheidung pro Bad Hersfeld auch eine strategische Komponente. Wenn man so will, „mittiger“ in Deutschland als hier geht ja gar nicht. Das ist mit Blick auf Distribution, Logistik und Transportkosten, wie sie für ein national lieferfähiges Pandemie-Depot nicht ganz unwichtig sind, ein wichtiger Aspekt unserer Planung. Hinzu kommt, dass mein Unternehmen hier seine Wurzeln hat und an der Berliner Straße mit der HCR, dem Homecare Center Hersfeld, ein großes Zentrallager betreibt. Wir versorgen über eine leistungsfähige Einkaufsgenossenschaft das Klinikum Hersfeld-Rotenburg. 

Wie oft haben Sie Gelegenheit, zurück nach Bad Hersfeld zu kommen? 

Mindestens einmal pro Monat und dann – je nach Agenda, die meine Mitarbeiter im Betrieb für mich vorgesehen haben –- für ein, zwei manchmal drei Tage. Das möchte ich mir aber auch nicht nehmen lassen, denn quasi inoffiziell sehe ich mich gern als überzeugter Botschafter der Stadt. Hersfeld ist immer einen Besuch wert – nicht nur zur Festspielzeit. Insoweit verbringe ich hier auch gern mal nur eine Wochenende, ganz ohne berufliche Termine. Dann bleibt auch Zeit für einen Kaffee oder Bier mit Freunden. 

Was wünschen Sie sich als Geschäftsmann für Bad Hersfeld in punkto Stadtentwicklung und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen? 

Ich muss mit einem Blick zurück meine Antwort beginnen. Alt-Bürgermeister Hartmut Henning Boehmer hat unendlich viel für diese Stadt geleistet – sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Er hat durchaus einen der Grundsteine dafür gelegt, dass die Stadt prosperiert. Zu verbessern gibt es natürlich auch immer etwas. Als Unternehmer bin ich immer an schnellen, unbürokratischen Entscheidungen interessiert. Das klappt aber im Allgemeinen gut mit den Ansprechpartnern im Rathaus. Jetzt schauen wir mal alle zusammen, dass wir gut durch die Corona-Krise kommen.

Von Karl Schönholtz

Alle News zum Coronavirus im Kreis Hersfeld-Rotenburg finden Sie in unserem Ticker. 

Wegen der Corona-Krise wurden die Bad Hersfelder Festspiele abgesat, berichtet hersfelder-zeitung.de*.

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