Viele Landkreise suchen personelle Unterstützung für die Pflegeheime. Zahlreiche Krankheitsfälle führen vielerorts zu Engpässen, die anders nicht aufgefangen werden können. FOTO: DPA

Helfer für Pflegeheime gesucht

Zahlreiche hessische Pflegeheime haben derzeit mit Corona-Ausbrüchen zu kämpfen. Weil krankheits- oder quarantänebedingt immer wieder Mitarbeiter ausfallen, wird zur Überbrückung teils händeringend Unterstützung gesucht.

Die Corona-Pandemie führt wegen zahlreicher Krankheitsfälle in Pflegeheimen teils zu personellen Engpässen. Mehrere Landkreise suchen mittlerweile Freiwillige, um Einrichtungen zu unterstützen, in denen sich Mitarbeiter infiziert haben, erkrankt oder in Quarantäne sind. So startete der Landkreis Hersfeld-Rotenburg in der vergangenen Woche einen erneuten »dringlichen« Aufruf, weil eine Einrichtung in Bad Hersfeld Unterstützung brauche. »Gesucht werden Personen, die bereit sind, in dem betroffenen Heim auszuhelfen, sowie Fachpersonal aus dem Pflegebereich«, hieß es in der Mitteilung.

Auf den Aufruf hin hätten sich binnen knapp einer Woche acht Personen gemeldet, darunter auch examinierte Krankenpflegekräfte, sagte ein Sprecher des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Auch im Landkreis Gießen sind Freiwillige hochwillkommen. Um Hilfsbedarf und -angebote besser koordinieren zu können, hat der Landkreis einen Pflegepool ins Leben gerufen und dafür gezielt unter anderem die Justus-Liebig-Universität, die Arbeitsagentur sowie Vereine angesprochen, wie eine Sprecherin des Landkreises sagte.

Interessierte Bürger könnten sich melden und über ein Formular online registrieren lassen, sagte die Sprecherin weiter. Bis Mittwoch dieser Woche hätten sich darüber 520 Personen gemeldet. Ebenfalls über den Pool hatte der Landkreis auch 35 Studenten dafür gewonnen, ältere und hilfsbedürftige Menschen bei Fragen rund um ihre Corona-Impftermine zu unterstützen.

Das hessische Sozialministerium weist auf weitere Möglichkeiten hin, bei Bedarf Pflegekräfte zu rekrutieren - etwa durch personelle Verschiebungen in Einrichtungen mit Personalmangel, durch Hilfe von ambulanten Pflegediensten sowie durch die Rekrutierung von Leiharbeitnehmern über Personaldienstleister. In einzelnen Einrichtungen komme zudem die Bundeswehr unterstützend neben weiteren Hilfsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk oder dem Deutschen Roten Kreuz zum Einsatz. Weitere Möglichkeiten böten die Vermittlungsplattform »pflegereserve.de« sowie ein Pool, über den das Land registrierte Medizinstudenten als Unterstützung an Einrichtungen vermittele.

Engpässe vermutlich bis Ostern

Aus Sicht des Regierungspräsidiums Gießen ist es zudem vor allem auch einem überdurchschnittlichen Engagement nicht erkrankter Mitarbeiter zu verdanken, dass die Versorgung in den von größeren Corona-Ausbrüchen betroffen Einrichtungen gewährleistet werde. Die Einrichtungen würden durch die zuständigen Betreuungs- und Pflegeaufsichtsbehörden engmaschig begleitet, hieß es von der Behörde. Auch Maßnahmen wie eine vom Robert-Koch-Institut empfohlene »Arbeitsquarantäne« könnten dazu beitragen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Demnach wäre es sogar möglich, dass Mitarbeiter, die zwar positiv getestet, aber dennoch arbeitsfähig sind, infizierte Bewohner versorgen, wie das RP Gießen erläuterte.

Ein solches Vorgehen ist für die Liga der Freien Wohlfahrtspflege allerdings lediglich die letzte denkbare Maßnahme, wenn keine anderen Alternativen mehr infrage kommen, wie Michael Schmidt vom Vorstand der Liga klarstellte. Grundsätzlich sehe man das Infektionsgeschehen und die damit verbundene Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen mit Sorge. Schon vor der Pandemie sei die Personalsituation in vielen Einrichtungen auch wegen fehlender Fachkräfte angespannt gewesen, sagte Schmidt. Er geht davon aus, dass noch bis Ostern mit coronabedingten Engpässen gerechnet werden muss. Freiwillige Helfer seien deshalb gern gesehen und sollten für ihren Einsatz auch angemessen bezahlt werden, so Schmidt. Das Geld dafür sei dank des bundesweiten Schutzschirms Pflege vorhanden, aus dem die Mittel refinanziert werden könnten. dpa

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