Heftiger Streit unter Großaktionären

  • vonDPA
    schließen

Bad Neustadt/Gießen- Um den zum Verkauf stehenden Klinikbetreiber Rhön ist erneut ein heftiger Streit unter Großaktionären entbrannt. Der hessische Pharma- und Medizinbedarfsanbieter B. Braun Melsungen bringt sich gegen die geplante Übernahme des Klinikbetreibers durch den Wettbewerber Asklepios in Stellung. Zum Rhön-Konzern gehört auch das Universitätsklinikum Gießen-Marburg, Asklepios betreibt unter anderem eine Klinik in Lich.

Großaktionär B. Braun will den Verkauf mit einer neuen Satzung verhindern, den Aufsichtsrat neu sortieren und zudem über eine Sonderdividende viel Geld aus dem Unternehmen ziehen. Asklepios kündigt heftigen Widerstand dagegen an. B. Braun will seine Ziele über eine außerordentliche Hauptversammlung erreichen, wie Rhön-Klinikum am Samstag in Bad Neustadt an der Saale mitteilte. Zudem fordert B. Braun eine hohe Gewinnausschüttung in Form einer Vorabdividende. Außerdem sollen bei der Hauptversammlung Beschlüsse künftig nur noch mit mehr als 75 Prozent der abgegebenen Stimmen beziehungsweise des vertretenen Grundkapitals möglich sein. Da B. Braun mehr als ein Viertel der Anteile an Rhön hält, könnte das Unternehmen bei einer Hauptversammlung alle Entscheidungen blockieren. Zugleich fordert der Großaktionär die Abberufung vieler Aufsichtsratsmitglieder, darunter Firmengründer Eugen Münch.

Nachdem Asklepios zunächst die Forderungen in einer Stellungnahme zurückgewiesen hatte, forderte das Unternehmen am Montag selbst ein außerordentliches Treffen der Aktionäre, bei dem B.-Braun-Vertreter im Aufsichtsrat abberufen werden sollen. Der Wunsch nach einem außerordentlichen Aktionärstreffen sei dabei "vor dem Einberufungsverlangen des Kontrahenten B. Braun zu behandeln", so Asklepios. Der Rhön-Klinikum-Vorstand werde ein Einberufungsverlangen von Asklepios ebenfalls sorgfältig prüfen, hieß es von Rhön dazu. Sollte die außerordentliche Aktionärsversammlung wie von B. Braun gewünscht einberufen werden, droht der Zeitplan von Asklepios bei der Übernahme in Verzug zu geraten. Eigentlich wollte Asklepios die Übernahme im zweiten Quartal abschließen.

Übernahme 2012 verhindert

Dabei hatten B. Braun und Asklepios einst gegen eine Konsolidierung auf dem deutschen Krankenhausmarkt mobilgemacht: Im Jahr 2012 wollte Fresenius, mit Tochter Helios größter Krankenhausbetreiber Deutschlands, die Rhön-Klinikum AG schlucken. Flugs deckten sich Asklepios und B. Braun mit Aktienpaketen ein, die verhinderten, dass Fresenius bei einer Übernahme hätte durchregieren können. Aus der Fusion wurde nichts, Fresenius kaufte Rhön allerdings 2013 für gut drei Milliarden Euro 43 Krankenhäuser und 15 Versorgungszentren ab. Die Neustädter konzentrieren sich seitdem auf fünf Standorte, darunter Gießen und Marburg mit dem Universitätsklinikum.

An dem verkleinerten Konzern waren B. Braun und Asklepios in etwa gleich beteiligt - eine Pattsituation, die Rhön-Gründer Münch nicht gefiel, und die er mit einem Coup auflöste. Der 75-Jährige verbündete sich mit Asklepios-Gründer und Alleingesellschafter Bernard große Broermann (76). Ihr Gemeinschaftsunternehmen hält nach eigenen Angaben mittlerweile knapp über 50 Prozent der Rhön-Anteile. Die neue Innigkeit ließ die Melsunger außen vor: Aus den Interessensgefährten B. Braun und Asklepios wurden ziemlich beste Feinde.

Platzhirsch in der deutschen Krankenhausbranche ist Fresenius Helios mit einem Deutschland-Umsatz von 5,9 Milliarden Euro 2019. Rhön und Asklepios brächten es zusammen auf etwa 3,7 Milliarden Euro Umsatz. dpa/Barbara Will

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare