Im Keller ihres Elternhauses arbeiten (v. l.) Jakob und Elia Rauber aus Lahnau im Eislabor an neuen Sorten. Bei den Zutaten achten die Brüder vor allem auf Nachhaltigkeit und Regionalität.
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Im Keller ihres Elternhauses arbeiten (v. l.) Jakob und Elia Rauber aus Lahnau im Eislabor an neuen Sorten. Bei den Zutaten achten die Brüder vor allem auf Nachhaltigkeit und Regionalität.

Spezielles Eis

Handkäs-Eis? Brüder erfüllen sich Traum von eigener Eisdiele in Mittelhessen

  • vonKatharina Gerung
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Eis war schon immer ihr Ding, jetzt machen sie es hauptberuflich: Jakob und Elia Rauber kreieren eigene Sorten. Am Donnerstag eröffnen die Brüder ihre erste Eisdiele.

Lahnau - Schwarze Kacheln in Backstein-Optik, Wände aus Beton und Lampen, die auch in einer Lagerhalle hängen könnten. Die kleine Eisdiele im Herzen von Lahnau hat Berliner Szenen-Viertel-Charme. Die hohen Fenster sind noch zugeklebt, einzig ein großes Plakat weist neugierige Passanten auf das hin, was sie bald dahinter erwartet. "Eiszeit. Wir öffnen am 27. Februar."

Basilikum-Zitrone, Minze-Schokolade, Trüffel-Crisp: Hinter der Theke stehen in schwungvoller Schrift fantasievolle Eissorten auf einer schwarzen Tafel. Fast so, wie in einem Coffee-Shop. Darüberhinaus verschiedene hausgemachte Soßen und Toppings. Neben Klassikern und eher ausgefallenen Sorten fällt der Blick schnell auf ein ganz besonderes Highlight: Handkäs mit Musik. Das mittelhessische Nationalgericht in Eisform? Jakob Rauber lacht: "Ja, wir machen tatsächlich Eis daraus", sagt der Geschäftsführer, "wir wollten uns eine Sorte überlegen, um in Erinnerung zu bleiben." Der Plan: Entweder die Leute fänden die Idee abartig oder abartig gut. Im besten Fall seien aber sowohl das Eis als auch seine Macher Gesprächsthema.

Lahnau: Start in der eigenen Küche

Vor etwa zwei Jahren entschieden sich Jakob Rauber und sein Bruder Elia für den Sprung ins kalte Wasser. Damals war Elias 18 Jahre alt und gerade mit dem Abitur fertig. Sein 22-jähriger Bruder schloss fast zeitgleich sein BWL-Studium ab. Für beide kam eine Phase des Neuanfangs, die eine Entscheidung fällig machte: "Entweder wir machen unser Hobby nun ganz oder gar nicht mehr."

Die Rauber-Brüder essen schon ihr Leben lang gerne Eis. Damit verbinden sie nicht nur warme Sommertage, sonder auch eine Familienaktivität. "Unser Vater hat irgendwann einmal so eine ganz gewöhnliche Eismaschine gekauft, damit fing alles an", erzählt Jakob Rauber. In der heimischen Küche wurde ausprobiert und genascht - "mein Bruder hat schon mit 12 alleine Eis gemacht", sagt der 24-Jährige stolz. Auf privaten Feiern von Freunden und Familie wurde das Rauber-Eis ein gefragtes Dessert und die Geschäftsidee stand somit in den Startlöchern. Mit dem Kauf einer alten Eismaschine aus der Industrie nahm das süße Hobby dann ein Ausmaß an, welches eine reine Freizeitaktivität deutlich überschritt.

Eiszeit: Nur natürliche Zutaten

"Unser Eis war damals richtig gut", sagt Rauber, "es hat uns fast schon überrascht, dass das mit so wenigen Zutaten möglich ist." Keine Emulgatoren, keine Aromen, keine Stabilisatoren. Die Zutaten der Eiszeit-Sorten sind meist an einer Hand abzuzählen. Die Brüder achten auf Nachhaltigkeit und wo es geht, auch auf Regionalität: "Unsere Milchprodukte kommen aus dem Vogelsberg", erklärt der Lahnauer und zeigt auf leere Flaschen und Kannen. "Die Verpackungen gehen zurück und werden wieder aufgefüllt, so dass wir hier auch kaum Verpackungsmüll haben."

Wenn der junge Geschäftsführer über sein kleines Unternehmen spricht, kling er wie ein erfahrener Profi. "Das BWL-Studium hat natürlich viel geholfen", sagt er und lacht, "das meiste lernt man aber wirklich, indem man es einfach macht." So viel Mut hat sich bezahlt gemacht: Neben einem Catering-Service beliefern die Raubers mittlerweile mehrere Gastronomien und beispielsweise auch Seniorenheime. Seit Kurzem gibt es ihr Eis auch in ausgewählten regionalen Supermärkten. Sieben Angestellte hatten sie bereits, für den Verkauf in ihrer Eisdiele sollen noch sechs weitere dazu kommen.

Lahnau: Bis nachts im Büro

"Und was machst du jetzt so nach dem Studium?" - auf seine Antwort "Eis" erntet Rauber oft verwirrte Blicke und Gegenfragen wie: "Ja und hauptberuflich?" Selbst seine Oma sei lange der Meinung gewesen, er solle doch etwas "Richtiges" machen. Rauber nimmt das gelassen und mit Humor: "Es ist eben nicht gleich auf den ersten Blick ersichtlich, wie viel Arbeit hier hinter steckt."

Dabei hat es die Liste der Dinge, um die sich der Lahnauer nun kümmern muss, in sich. Steuern, Brandschutzverordnungen, Anträge - "gestern war ich bis zwei Uhr nachts am Laptop", sagt Rauber und wirkt plötzlich etwas müde, "es sind oft die kleinen Dinge, die einen unglaublich lange aufhalten".

Lahnau: Brüder leben ihren Traum

Eis mache er inzwischen nur noch selten - dafür ist hauptsächlich sein Bruder zuständig. "Wir haben uns das ganz gut aufgeteilt", sagt Jakob Rauber. Elia ist Hauptverantwortlicher der Produktion, und er selbst strukturiert die allgemeinen Geschäftsabläufe. Ob er sich das so vorgestellt hat? Rauber lacht: "Es ist sehr viel Arbeit, aber ich wollte immer etwas Eigenes machen. Und trotz all dem Stress: Es ist immer noch ein sehr, sehr toller Beruf!"

Ihr Kindheitstraum ist für die Rauber-Brüder zum Beruf geworden. Was den beiden mit am meisten gefällt, ist, dass sie sich bei ihrer Arbeit frei entfalten können. So kommen Eiskreationen wie "Handkäs mit Musik" zustanden. Eine Vanille-Basis übrigens, mit kleinen Handkäs-Stücken und einer süßen Zwiebelsoße. Jede Woche soll es eine neue spezielle Sorte geben.

Info: Öffnungszeiten bei "Eiszeit"

Bereits am vergangenen Wochenende gab es im "Eiszeit" einen kleinen Testlauf. "Der lief sehr gut und wir sind zufrieden", sagt Jakob Rauber, einer der Geschäftsführer. Ab Donnerstag, 27. Februar, hat das Eiscafé in der Naunheimer Straße 2 in Waldgirmes dann montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr und am Wochenende schon ab 13 Uhr geöffnet.

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