Fracht statt Passagiere: In dem Airbus A330, der eigentlich Menschen befördert, überprüfen Lufthansa-Mitarbeiter, ob die Fracht fest verzurrt ist. Der Nervenkrieg um das geschädigte Unternehmen wird derweil härter. Sogar von einer möglichen Insolvenz ist nun die Rede. FOTO: DPA
+
Fracht statt Passagiere: In dem Airbus A330, der eigentlich Menschen befördert, überprüfen Lufthansa-Mitarbeiter, ob die Fracht fest verzurrt ist. Der Nervenkrieg um das geschädigte Unternehmen wird derweil härter. Sogar von einer möglichen Insolvenz ist nun die Rede. FOTO: DPA

Handel fordert Zugeständnisse

  • vonDPA
    schließen

Nach und nach werden die strengen Regeln im Kampf gegen die Corona- Pandemie gelockert. Neue Beschlüsse der Landesregierung gelten teilweise bereits ab kommendem Freitag. Der Handel fordert weitere Zugeständnisse.

Unter strengen Auflagen wegen der Corona-Pandemie werden Pflegeheimbesuche und Gottesdienste in Hessen wieder erlaubt. Man habe entschieden, dass ab 1. Mai wieder Gottesdienste und Trauerfeiern möglich seien, Besuche in Pflegeheimen ab dem 4. Mai, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Auch in weiteren Bereichen zeichnet sich Bewegung ab.

Schulen:Kultusminister Alexander Lorz (CDU) setzt auf einen Mix aus Unterricht in der Schule und Lernen zu Hause bis zu den Sommerferien. Ein vollumfänglicher Präsenzunterricht bis zu den Ferien sei zwar ausgeschlossen, sagte Lorz am Dienstag. Erklärtes Ziel aller Bundesländer sei aber, alle Schüler noch vor den Sommerferien in irgendeiner Weise in die Schule zu bringen. Die Kultusminister haben vorgeschlagen, dass alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können. Bund und Länder beraten an diesem Donnerstag über das Papier.

Handel:Die Landesregierung beschränkte zudem die Möglichkeit, an Sonntagen einzukaufen, auf die Zeit von 13 bis 18 Uhr. Der Einzelhandel fordert weitere Lockerungen der verhängten Auflagen. "Die vergangene Woche hat gezeigt, dass der Handel verantwortungsbewusst mit Öffnungsmöglichkeiten umgeht", erklärte Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen.

"Aus diesem Grund sollten nun auch alle Geschäfte ihre Verkaufsflächen komplett öffnen können und diese nicht auf 800 Quadratmeter beschränken müssen." Diese Woche wird eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes (VGH) dazu erwartet. Ein entsprechendes Verfahren der Firma Karstadt/Kaufhof sei anhängig, erklärte ein VGH-Sprecher (Aktenzeichen 8 B 1039/20.N).

Andere Gerichtsverfahren:Gleichzeitig wehren sich immer mehr Firmen und Bürger gegen Beschränkungen. "Beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) sind bisher insgesamt 37 Verfahren, davon 26 Eilverfahren eingegangen, die ›Corona-Bestimmungen‹ betreffen", sagte ein VGH-Sprecher auf Anfrage. Schwerpunkte seien die Schließung von Geschäften, Sport und Freizeitaktivitäten wie Fitnessstudios, das Verbot von Gottesdiensten sowie von Versammlungen.

Infektionszahlen:Die Zahl bestätigter Coronavirus-Fälle in Hessen stieg zuletzt um 57 auf 8057, wie das Sozialministerium in Wiesbaden (Stand Dienstag, 14 Uhr) mitteilte. Im Land gibt es demnach nun 336 Todesfälle, die mit dem Erreger in Verbindung gebracht werden - zehn mehr als am Tag zuvor. Es werden in der Statistik nur solche Fälle erfasst, die von den Kommunen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in eine elektronische Datenbank eingepflegt werden.

Luftverkehr:Am Frankfurter Flughafen setzte sich der Einbruch der Zahlen fort. Vom 20. bis 26. April zählte Betreiber Fraport an Deutschlands größtem Airport 45 270 Fluggäste und damit 96,8 Prozent weniger als in der gleichen Kalenderwoche ein Jahr zuvor, wie er in Frankfurt mitteilte.

Der Nervenkrieg um milliardenschwere Staatshilfen für die coronageschädigte Lufthansa wird unterdessen härter. Während am Dienstagmorgen erste Meldungen über eine angebliche Einigung die Runde machten, denkt die Führung des DAX-Konzerns laut über eine mögliche Insolvenz nach, die nach dem Vorbild der Condor in Eigenverwaltung abgewickelt werden könnte.

Autokinos:Aufwind verschafft die Corona-Krise einer ganz anderen Branche. Eine Woche nach der Wiedereröffnung von Deutschlands ältestem Autokino Gravenbruch werden in dieser Woche in Kassel und Taunusstein weitere eröffnet.

"Die Kinobranche an sich boomt natürlich nicht, wir als Teil davon haben aber momentan Hochsaison und einen Riesenzulauf, weil wir die einzige Freizeitaktivität in ganz Deutschland sind. Es boomt in Deutschland, die Autokinos schießen aus dem Boden wie Pilze", sagte Theaterleiter Heiko Desch vom Autokino Gravenbruch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare