Die großen deutschen Handelskonzerne sind sich über eine einheitliche Kennzeichnung der Haltungsbedingungen von Schlachttieren einig. Tierschützer sehen da immer noch erheblichen Nachholbedarf. (Foto: dpa)
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Die großen deutschen Handelskonzerne sind sich über eine einheitliche Kennzeichnung der Haltungsbedingungen von Schlachttieren einig. Tierschützer sehen da immer noch erheblichen Nachholbedarf. (Foto: dpa)

Serie Ernährung

Haltungsbedingungen noch immer in der Kritik

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Und das ist nach wie vor viel Fleisch. Das soll möglichst preiswert sein – aber dennoch qualitätsvoll. Und die Tiere sollen es zu Lebzeiten gut haben.

Schnitzel, Steak, Bratwürstchen, Lammkoteletts, Putenstreifen oder halbe Hähnchen – Fleisch in vielen Variation gehört in Deutschland nach wie vor zu den beliebtesten Bestandteilen des Speiseplans. Preis und Qualität sind dabei wichtige Entscheidungskriterien. Zunehmend aber auch die Frage: Wie wurden Kühe, Schweine und Geflügel gehalten, ehe sie in die Fleischproduktion kamen? Auf engstem Raum oder mit viel Auslauf? Im dunklen Stall oder unter freiem Himmel? Gepflegt oder vernachlässigt bis hin zur Tierquälerei?

Keine Illusionen macht sich in dieser Hinsicht der Landestierschutzverband: "Dass die Haltungsbedingungen der sogenannten Nutztiere als gut beschrieben werden könnenn, wird meine Generation wohl nicht mehr erleben", sagt Daniela Müller (49), die den Verband auch am runden Tisch Tierwohl des hessischen Landwirtschaftsministeriums vertritt. "Ihren Grundbedürfnissen wird in unseren Gesetzen und Verordnungen so wenig Rechnung getragen, dass es einem als Tierschützer die Tränen in die Augen treibt."

Schon viel verbessert

Müller nennt als Beispiele neben der betäubungslosen Kastration von Ferkeln die Kastenstandhaltung von Sauen, die "bis zu fünf Monate im Jahr fixiert werden dürfen". Nur Stehen oder Liegen sei ihnen möglich. Umdrehen und Bewegen seien in den auch in Hessen zu kleinen Kastenständen nicht möglich, erklärt Müller.

Das sieht Bernd Weber, Sprecher des hessischen Bauernverbandes (HBV), anders. Die trächtigen Sauen würden maximal vier Wochen in einem Kastenstand gehalten, bevor die Ferkel geboren würden. "Da entsteht oft ein falscher Eindruck, das ist ja nicht lebenslang", sagt Weber. Mehr Platz bedeute in diesem Fall auch höhere Verletzungsgefahr.

Am Ende muss es sich für den Landwirt rechnen

Bernd Weber, Sprecher des hessischen Bauernverbandes

Weber weist darauf hin, dass sich in der Vergangenheit schon viel verbessert habe. Gruppenhaltung, hellere Ställe, Spielzeug für Schweine, Klimasteuerung und rotierende Massagebürsten für den Kuhkomfort: "Das Tierwohl steht bei uns an oberster Stelle, das ist eine Herzensangelegenheit der Landwirte." Mehr Platz sei prinzipiell keine Frage. Allerdings: "Am Ende muss es sich für den Landwirt rechnen." Der Verbraucher müsse dann auch bereit sein, höhere Preise an der Ladentheke zu bezahlen.

Siegel machen Hoffnung

Bei allen Verbesserungen gibt es jedoch immer wieder auch die "schwarzen Schafe", die gegen Tierschutzbestimmungen verstoßen. Vor knapp drei Jahren beispielsweise sorgte ein Fall in Buseck-Beuern für hessenweites Aufsehen. Abgemagerte Kühe und Kadaver: Den Fall von rund 350 verwahrlosten Tieren hatte das Deutsche Tierschutzbüro öffentlich gemacht. Der Landwirt musste seinen Bestand zum Jahresende auflösen.

"Das ist imageschädigend, das schadet dem Berufsstand. Das können wir nicht tolerieren", unterstreicht Weber. Der Verband bemühe sich, die Mitglieder zum Beispiel über die Zeitschrift "Hessenbauer" über Standards zu informieren. Das Thema spreche man auch bei Landwirten an, die gegen den Tierschutz verstoßen. Sanktionsmöglichkeiten – bis auf den Verbandsausschluss – habe der HBV allerdings nicht.

Pessimistischer sehen es die Tierschützer: "Die Schwachstelle liegt in der Umsetzung der Gesetze. Veterinärbehörden sind trotz ihrer Garantenstellung personell und finanziell weder in der Lage, regelmäßige Kontrollen bei Erzeugerbetrieben und Schlachthöfen durchzuführen, noch den vermehrt eingehenden Anzeigen auf Tierschutzverstöße nachzugehen"meint Müller. Es sei es ihnen nicht möglich, die Vorgaben der Politik in den Betrieben durchzusetzen.

Hoffnungen machen den Tierschützern beispielsweise die unterschiedlichen Aktionen für ein Tierwohlsiegel. Unter anderem eine Initiative, der sich auch die bedeutendsten Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel angeschlossen gaben. Aber auch in der Bundespolitik bewegt sich in dieser Hinsicht etwas. So hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ein freiwilliges staatliches Label angekündigt. Es sei zu hoffen, dass man hier zu einer Vereinheitlichung komme, mahnt Bauernverbandssprecher Weber.

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