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Prozessauftakt

Großer Medienrummel in Gießen: Der Mordfall Johanna im Überblick

  • Florian Dörr
    VonFlorian Dörr
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Heute beginnt in Gießen einer der größten Prozesse des Jahres: Der Angeklagte soll die damals nur 8-jährige Johanna entführt, missbraucht, getötet haben. Das Wichtigste zum Prozessauftakt.

Großer Medienrummel vor dem Landgericht Gießen: Fast 20 Jahre, nachdem die kleine Johanna missbraucht und getötet wurde, steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Auch viele interessierte Bürger sind vor Ort. »Das ist kein Tatort, wie im Fernsehen. Das ist die kalte Realität«, sagt stellvertretend eine Frau aus Buseck. Die Verteidigung hat angekündigt, dass der Angeklagte aussagen will. Allerdings nicht für heute. Zum Auftakt ist nach bisherigem Stand die Anklageverlesung geplant. Die Mutter von Johanna ist vor Ort. Es sei kein guter Tag für sie. Sie hofft auf einen »schnellen und revisionssicheren« Prozess. Die Hintergründe zu Fall, Verdächtigem, Spuren und Hintergründen im Überblick.

1. Der Fall

Johanna wäre heute Mitte 20. Doch im September 1999 endet ihr Leben grausam im Alter von nur acht Jahren. Sie hatte sich mit Freunden zum Spielen getroffen. Doch kehrt nicht zurück: Das Mädchen aus Ranstadt in der Wetterau wird in ein Auto gezerrt, missbraucht, getötet und die Leiche in einem Wald bei Alsfeld im Vogelsberg abgelegt. Ihr Fahrrad finden Zeugen 1999 an einem Sportplatz nur wenige hundert Meter entfernt vom Haus ihrer Eltern. Ein Spaziergänger entdeckt schließlich im April 2000 die Leichen des Mädchens. Was folgt?

2. Der Verdächtige

Angeklagt ist nun, knapp 20 Jahre später, ein heute 42 Jahre alter Mann aus Friedrichsdorf im Hochtaunuskreis. Rick J. soll bereits im Gefängnis gesessen haben, war wegen Verkehrs- und Drogendelikten verurteilt worden. Der Mann ist ledig und hat keine Kinder. Rick J. gilt als Einzelgänger. Nach dem guten Abitur studierte er Biochemie bis zum Zwischenexamen. Nach der Tat wird der Mann, der damals Anfang 20 ist, bereits im Rahmen von Massentests auf Zusammenhänge mit dem Verschwinden Johannas kontrolliert. Ohne Übereinstimmung. Grund ist offenbar ein Fehler beim Übertragen des Fingerabdrucks. 

3. Die Spur

Im August 2016 bei Nidda, nicht weit entfernt von Ranstadt, ertappen Zeugen den nun Angeklagten mit einer Jugendlichen in dem Maisfeld. Sie rufen die Polizei, die Ermittler werden stutzig: Der Verdächtige hatte die Jugendliche mit einem Klebeband gefesselt. Ein Stück eines solchen Bandes hatten sie an Johannas Fundort entdeckt und darauf Fragmente eines Fingerabdrucks sichergestellt. Die Beamten sind elektrisiert. Sie richten erst eine Arbeitsgruppe und später die Sonderkommission »Johanna« ein. Etwa 30 Mitarbeiter sind mit dem Fall beschäftigt, Spezialisten verschiedener Fachgebiete unterstützen sie. Rund 200 Akten werden digitalisiert und erneut geprüft. Nach einer Durchsuchung der Wohnung des damals 41-Jährigen sichten die Beamten mehrere Millionen Datenträger, auf denen auch Kinderpornos sind. Die Fingerabdrücke von Rick J. werden erneut mit den Spuren von damals abgeglichen. Nun, mit einem digitalen Verfahren, gibt es einen Treffer. 

4. Der Prozess

Fast 19 Jahre nach dem Tod der kleinen Johanna kommt ihr mutmaßlicher Mörder nun vor Gericht. Der Prozess startet am 20. April vor dem Landgericht Gießen. Bislang hat die Schwurgerichtskammer 13 Verhandlungstage vorgesehen. Läuft alles wie geplant, könnte im August das Urteil gesprochen werden. Es gibt rund 70 potenzielle Zeugen. Vor Gericht wird die Familie des Mädchens als Nebenkläger auftreten. Rick J. hat laut Medienberichten eingeräumt, Johanna mit Äther betäubt, in den Kofferraum seines Wagens gelegt und entführt zu haben. Auch sexuelle Absichten gibt er zu, eine vorsätzliche Tötung bestreitet er vehement. Es habe sich um einen Unfall gehandelt.  

5. Die Chronologie

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