Begleitet von massiven Protesten der Waldbesetzer haben Rodungsarbeiten für den Ausbau der Autobahn 49 begonnen. Die Polizei war im Herrenwald bei Stadtallendorf mit mehreren Hundertschaften im Einsatz und nahm einige Blockierer fest. FOTO: JOL

25 KILOMETER LANGE STAUS

Großeinsatz im Wald angelaufen

Begleitet von Hunderten Polizisten haben am Donnerstag die ersten Rodungsarbeiten für den Weiterbau der Autobahn 49 begonnen. Die Beamten räumten am Morgen im Herrenwald bei Stadtallendorf die ersten Hütten von Baumbesetzern. Die Bilanz des Tages: sechs Festnahmen. Doch der Protest der Autobahngegner ebbt nicht ab.

Der "Tag X" im Dannenröder Wald ist da - wenn auch im benachbarten Herrenwald bei Stadtallendorf. An der Bundesstraße 454 zwischen dem Industriestandort und Neustadt starteten am Donnerstag pünktlich die Rodungsarbeiten für den Weiterbau der Autobahn. Mit einer Holzerntemaschine und Kettensägen arbeiteten sich Forst-arbeiter unter massivem Polizeischutz durch ein Waldstück nördlich der Bundesstraße. Dort hatten Aktivisten erst vor einigen Tagen in kleines Baumcamp mit drei höheren Baumhäusern und einer Plattform in etwa vier Metern Höhe errichtet. Die Einsatzkräfte machten den Waldweg zum Camp mit einem Unimog frei, der mit einem Räumschild ausgestattet ist. Eine Blockade mit rund 20 Autobahngegnern beendeten die Beamten um die Mittagszeit zügig. Dabei trugen und schleiften sie die Umweltschützer an den Wegesrand und kesselten sie ein. Später brachten die Beamten Hebebühnen zum Baumcamp, um die Aktivisten aus luftiger Höhe herunterzuholen.

Dabei achteten die Beamten darauf, dass sie kein Risiko für Aktivisten und die Spezialkräfte der Polizei eingehen. So wurden die Plattformen auf den höheren Bäumen mit der Hilfe von zwei Hebebühnen geräumt, damit kein Mensch abstürzt. Bis zum Abend hatte die Polizei dann zwei Baumhäuser beseitigt.

Für die Rodungsaktion war der ganze Bereich weiträumig abgesperrt worden. So war die Bundesstraße am Ortsausgang Stadtallendorf und am Ortsausgang Neustadt nicht mehr passierbar. Die Beamten an den Kontrollstellen verwiesen darauf, dass durch das Fällen der Bäume auch Gefahren für Vorbeikommende bestehen.

Das Waldstück, in dem gerodet wird, wurde von Hunderten Polizeibeamten aus Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen weiträumig abgesperrt. Auch ein breiter Streifen Wiesen und Acker wurde zur Sicherheitszone erklärt.

Mehrere Dutzend Medienvertreter beobachten die Szenerie. Eine Sprecherin des Bündnisses "Aktion Schlagloch" sprach von einem "guten Zeichen, das die Aktivisten zu Beginn der Rodungen gegeben haben". Mit Blockaden und Besetzung werde der Widerstand gegen den Autobahnbau deutlich. Am Ende des Tages gab es sechs Festnahmen, zudem sprach die Polizei 13 Platzverweise aus. Am heutigen Freitag sollen die Arbeiten weitergehen.

Die Proteste gegen den Weiterbau der Autobahn und das Fällen der Bäume sollen dagegen am Wochenende noch deutlich größer ausfallen als bisher. Ein Höhepunkt, so heißt es von den Gegnern, werde die Demonstration in Dannenrod am kommenden Sonntag, 4. Oktober. Dazu haben unter anderem "Fridays for Future", "Campact" und andere Gruppen aufgerufen.

Mit dem Ergebnis des ersten Rodungstags zeigte sich die Planungsgesellschaft DEGES sehr zufrieden. "Wir wollten mit den Fällarbeiten beginnen und das hat geklappt", sagte ein Sprecher. Die Arbeiten hätten weitgehend ungehindert durchgeführt werden können. Gerodet wird derzeit auf einer Fläche von sechs Hektar, die Arbeiter werden damit noch einige Tage beschäftigt sein.

Doch auch außerhalb des betroffenen Waldgebietes haben A 49-Gegner am Donnerstag ihren Unmut kundgetan. So seilten sich um die Mittagszeit an der Pfefferhöhe bei Alsfeld zwei Aktivisten von einer Autobahnbrücke über der A 5 ab. Greenpeace hatte zudem vor dem Landtag in Wiesbaden zu einer Demonstration aufgerufen. Dazu hatte die Organisation einen sechs Meter langen Baumstamm aus dem Dannenröder Wald mitgebracht. "Die A49 muss gestoppt werden", sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann. "Die Folgen der Klimakrise und das rasante Artensterben sind für uns alle zu bedrohlich, um gesunde Wälder für weitere Autobahnen abzuholzen."

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir müsse erst offene Fragen zu den ökologischen Schäden durch den geplanten Bau klären, sagte Tiemann.

Auch im Landtag war die A 49 Thema. Vertreter von SPD und CDU sprachen sich für den Weiterbau aus, der für Nord- und Mittelhessen sehr bedeutsam sei. Der Vogelsberger CDU-Abgeordnete Michael Ruhl sagte: "Wir werden die A 49 fertigstellen."

Mit einer Protestaktion an der Pfefferhöhe bei Alsfeld haben Autobahngegner am Donnerstag für 25 Kilometer lange Staus auf der A 5 gesorgt, wie die Polizei mitteilte. Die Aktivisten hatten sich vormittags mit einem Klettergeschirr an das Geländer der Brücke über die Autobahn gehängt. Gegen 11.45 Uhr wurde die Polizei alarmiert. Eine Streife stellte fest, dass die Aktivisten in den Verkehrsraum ragen, was zu gefährlichen Unfällen führen kann.

Mithilfe der Autobahnmeisterei wurde kurzzeitig die Autobahn gesperrt, um den Verkehrsstrom an der Brücke vorbeizuleiten. Dann wurden Lkw und Pkw langsam vorbeigeschleust. Erst später wurde die Autobahn noch einmal gesperrt. Ein sogenanntes Höhen-Interventionsteam der Polizei holte mithilfe der Drehleiter der Feuerwehr Alsfeld die A 49-Gegner gegen 15 Uhr herunter. Zur Sicherheit legte man ein Sprungkissen unter. Langsam löste sich der Stau auf Autobahn und Bundesstraße wieder auf. jol

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