Vor dem Hauptbahnhof werden künftig die Straßenbahnen mehr Platz bekommen. FOTO: CHRISTOPH BOECKHELER
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Vor dem Hauptbahnhof werden künftig die Straßenbahnen mehr Platz bekommen. FOTO: CHRISTOPH BOECKHELER

Große Veränderungen in Sicht

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Der Frankfurter Hauptbahnhof steht vor einem der einschneidendsten Eingriffe in seiner Geschichte. Die Deutsche Bahn plant am 12. Oktober den Spatenstich für den Umbau des größten Frankfurter Bahnhofs.

Vor Corona gingen hier eine halbe Million Fahrgäste am Tag ein und aus. Der Frankfurter Hauptbahnhof ist nach dem Hamburger Hauptbahnhof der zweitgrößte Bahnhof in Deutschland. Das erste, was die Reisenden vom Umbau sehen werden, ist die Entkernung der weitläufigen B-Ebene. An ihrer Stelle führen künftig schmalere Gänge unter dem Vorplatz des Hauptbahnhofs in den Bahnhof hinein. Die Geschäfte erhalten mehr Platz.

Die unterirdische Halle wird mit LED beleuchtet. Die Fliesen, wie sie 2016 vorgestellt wurden, sind grau. Fünf Treppenabgänge zur B-Ebene - auf dem Vorplatz, an der Münchener Straße, der Karlstraße, der Mannheimer Straße, der Poststraße - will die Bahn schließen, um die Drogenabhängigen, die sich bisweilen dort aufhalten, zu verdrängen.

Die B-Ebene führt künftig vom Vorplatz an den Zugängen zur S- und U-Bahn vorbei bis zu den Fernzügen. So sollen sich die Reisenden besser im Gebäude verteilen. In der Empfangshalle soll ein neuer "Lichthof" entstehen - das bedeutet: In die Eingangshalle kommt ein großes Loch, durch das man auf die B-Ebene schauen kann. Treppen und Rolltreppen und ein Aufzug führen hinauf und hinab.

Die Deutsche Bahn hatte für den Umbau zunächst den Zeitraum von 2016 bis 2020 angesetzt. Dann verzögerte sich der Baubeginn immer weiter, weil das Eisenbahn-Bundesamt gefordert hatte, den Brandschutz nachzubessern. Dies ist mittlerweile geschehen. Die Baugenehmigung liegt seit 2019 vor.

Nach der B-Ebene ist der Vorplatz dran

Die Bahn rechnete zuletzt mit Kosten in Höhe von 135 Millionen Euro, wobei diese durch die längere Planungszeit gestiegen sein dürften. Fertig sein will die Bahn Ende 2024. Erst dann kann die Stadt Frankfurt damit beginnen, den Vorplatz umzubauen. Während die Bahn die Verteilerebene erweitert, dient der Vorplatz unter anderem auch dem Abstellen von Fahrzeugen und Geräten und der Lagerung von Bauschutt.

Im Anschluss soll der Vorplatz ausgebaut werden. Die Straßenbahnen sollen künftig auf vier statt auf zwei Gleisen fahren. Die Haltestelle bekommt zwei Bahnsteige, wird länger und kann verlegt werden, nicht aber direkt vors Eingangsportal des Bahnhofs. Die Busse, die bislang an der Südseite des Hauptbahnhofs halten, sollen die neue Haltestelle gemeinsam mit den Straßenbahnen anfahren.

Dies sind nur einige Details, die aus einer öffentlichen Leistungsvergabe hervorgehen, welche die lokale Nahverkehrsgesellschaft Traffiq veröffentlicht hat. Traffiq plant im Auftrag der Stadt den Umbau des Bahnhofsvorplatzes inklusive der Verkehrssituation und lobt nun Firmenentwürfe aus.

Die Stadt kann den Vorplatz erst 2025 umbauen, wenn die Deutsche Bahn mit den Arbeiten für die neue Verteilerebene im Hauptbahnhof fertig ist.

Es wird zu massiven Veränderungen kommen, wie aus der Leistungsbeschreibung hervorgeht. So sollen Autos am Hauptbahnhof künftig nur noch auf zwei Spuren pro Richtung fahren dürfen. Die Einfädelspuren für Taxis fallen weg, ebenso die zentralen Taxi-Stellplätze auf dem Vorplatz. Diese sollen auf die Nord- und Südseite des Bahnhofs verlegt werden, wo auch Stellplätze für Mietwagen und Car-Sharing-Fahrzeuge geplant sind. Auf der Nordseite ist eine Anlieferungszone mit Lastenaufzug für die Versorgung der Geschäfte geplant. Möglich ist auch ein Parkhaus für Fahrräder und Autos an der Nordseite.

"Eingangstor zur Stadt"

Der Ausbau der Straßenbahngleise wird damit begründet, dass es bei den bislang sechs Linien aufgrund der überlasteten Infrastruktur schon jetzt zu Verspätungen im Betrieb kommt.

Für Fahrradfahrer sind baulich getrennte Radwege auf beiden Seiten der Straße am Hauptbahnhof vorgesehen. Geprüft werden soll, ob ein Zweirichtungsradweg zwischen Mannheimer Straße und Poststraße gebaut werden kann, um den Bahnhof zu umfahren.

Der Vorplatz soll ein "städtebaulich erlebbarer Platz" und "Eingangstor zur Stadt" werden. Geplant sind Außengastronomie, Aufenthalts- und Ruhezonen, eine Event-Fläche zur Vermarktung durch die DB Station & Service, aber kein Einzelhandel.

Die Stadt wünscht eine Erinnerung an die Zuwanderung von ausländischen Gastarbeitern in Form eines Gastarbeiterdenkmals. Bike- und E-Scooter-Sharing soll es nahe am Hauptportal und weiteren Eingängen geben; außerdem Kurzzeitparkplätze für Kiss & Ride. Die Baumreihe östlich der Straße am Hauptbahnhof soll dabei erhalten bleiben.

Die Firmen können bis 23. Oktober die Anträge zur Teilnahme einreichen. Für die Entwürfe erhalten sie je 20 000 Euro.

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