Coronavirus-Karnevalsumz_4c
+
Leidenschaftliche Bastler des Offenbacher Karnevalvereins haben in wochenlanger Kleinarbeit eine Miniaturausgabe des Umzugs nachgebaut, der vergangenes Jahr durch die Frankfurter Nachbarstadt rollte. Felix Schwenke (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, ist begeistert.

Große Umzüge im Miniformat

  • vonDPA
    schließen

Schunkeln, Verkleiden, Motivwagen bejubeln - die Pandemie durchkreuzt in diesem Jahr alle Fastnachtspläne. Oder doch nicht? Mit kreativen Ideen machen Narren in Hessen das Beste aus der Situation.

Die Kontaktbeschränkungen drücken aufs Gemüt, und dann macht das Coronavirus auch noch das sonst so bunte Fastnachtstreiben unmöglich. Allerdings nicht ganz: Um trotzdem für Spaß und Ausgelassenheit zu sorgen, haben Vereine Kostümwettbewerbe in den sozialen Medien organisiert, bieten Büttenreden und Tanzeinlagen online an. Dank des Basteltalents hessischer Narren gibt es in den kommenden Tagen mancherorts sogar eine Art Straßenfastnacht.

In Spielzeugkisten gekramt

In wochenlanger Kleinarbeit ist etwa in Offenbach eine Miniaturausgabe des Umzugs entstanden, der vergangenes Jahr durch die Frankfurter Nachbarstadt rollte. Die Protagonisten wurden mit Spielzeugfiguren ersetzt, auch ein Quietsche-Entchen kommt zum Einsatz. Insgesamt 77 Zugnummern sind zusammengekommen, Prinzen- und Prunkwagen natürlich inklusive. Gebastelt wurden die Mini-wagen von den einzelnen Gruppen und Vereinen, die 2020 dabei waren.

Der Aufruf des Offenbacher Karneval-Vereins (OKV) zum Mitmachen kam Anfang des Jahres und damit mitten im Lockdown, alle Bastelgeschäfte waren zu. Und so wurde in den Spielzeugkisten der Kinder gekramt, im Keller und im Nähkästchen. Zum Einsatz kamen Pappe, Papier, Filz, Stoff, Kork, Glitter und Flitter und in einem Fall auch eine Gipsbinde, um einen Drachen nachzubauen. Herausgekommen sind quietschbunte, lustige und teils erstaunlich originalgetreue Wagen. Auch die Pandemie wird thematisiert und etwa eine Impfung mit Humor und Eierlikör empfohlen.

»Es ging auch um die soziale Komponente, dass alle mitmachen konnten«, sagt Bernd Meuer, zweiter OKV-Vorsitzender, von dem die Idee stammt. Der Fahrzeugbauer brachte die Wagen buchstäblich ins Rollen, unter anderem mithilfe des Motors eines Spanferkelgrills. So konnte der Zug gefilmt werden, wie er sich durch die nachgebaute Kulisse der Offenbacher Innenstadt bewegt, vorbei an einem verkleideten Publikum. Das Ergebnis ist am morgigen Sonntag unter anderem auf Facebook und YouTube zu sehen, fast eineinhalb Stunden lang. Inklusive Kommentar, Audio-beiträgen der Musikgruppen und Publikumsgeräuschen.

Auch andernorts setzen Karnevalisten auf Nachbauten: In Heuchelheim im Kreis Gießen etwa, wo auch aktuelle Motive gezeigt werden, wie der Wechsel an der US-Staatsspitze. Die Live-Ausstrahlung des Minia-turumzugs ist nachmittags am Faschingsdienstag bei YouTube geplant. Selbst der sonst riesige Kölner Rosenmontagszug wurde ins Format eines Stockpuppentheaters versetzt und wird am Montag vom WDR ausgestrahlt.

Weitere kreative und zugleich karitative Ideen kommen aus Hessen: In Fulda gehen Narren unter dem Motto »Einkauf statt Einmarsch« auf Bestellung verkleidet in den Supermarkt. Sie wollen es sich nicht nehmen lassen, auch unter Corona-Bedingungen den Menschen eine Freude zu bereiten, heißt es zu der Aktion auf der Homepage. Der Lorscher Faschingsverein »Rock’n’Rabbits« rief zum Müllsammeln im Kostüm auf.

Andere Vereine haben ein Programm für Online-Sitzungen erdacht, mancherorts verbunden mit einer Weinprobe, wie in der Landeshauptstadt Wiesbaden. In Dieburg wurde eine ganze Live-Online-Show konzipiert. Es bleibt zudem die Fernsehfastnacht. Das HR-Fernsehen zeigt mehrere Sendungen, darunter am Sonntag das Schönste vom großen Frankfurter Fastnachtszug aus den vergangenen Jahren.

Ideenreichtum und soziale Komponente

Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, freut sich über den Ideenreichtum. Der Karneval habe eine große soziale Komponente, die in normalen Jahren manchmal überdeckt werde, wenn es etwa nur um hohen Alkoholkonsum gehe. Nun könne man zeigen, um was es im Kern gehe: »Das Herzliche ist es, was unser Brauchtum ja auch ausmacht.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare