Abgeschottet:
 Gorilla Shira hält in ihrem Gehege im Frankfurter Zoo ihren Sohn Arco in den Armen. 	FOTO: DPA
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Abgeschottet: Gorilla Shira hält in ihrem Gehege im Frankfurter Zoo ihren Sohn Arco in den Armen. FOTO: DPA

Gorillas allein zu Haus

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Im Frankfurter Zoo blickt man besorgt nach Kalifornien. Dort haben sich Gorillas mit dem Coronavirus infiziert. Doch für die eigenen Tiere sehen die Verantwortlichen keine große Gefahr. Schon seit März sind die Menschenaffen in Frankfurt komplett von der Außenwelt abgetrennt.

Es war eine Meldung, auf die eigentlich alle schon bang gewartet hatten: In einem kalifornischen Safaripark haben sich Gorillas mit dem Coronavirus angesteckt. Mehrere Tiere in San Diego seien positiv getestet worden, meldete die Nachrichtenagentur AP dieser Tage. Ein Pfleger, bei dem der Erreger ebenfalls festgestellt worden sei, habe die Tiere vermutlich infiziert.

Der kalifornische Tierpark ist seit Dezember für Besucher geschlossen. Schon viel länger darf niemand mehr in den Frankfurter Zoo. Er schloss in der ersten Corona-Welle am 16. März und dann wieder Anfang November - doch während der gesamten zurückliegenden zehn Monate war eine Tiergruppe komplett von der Außenwelt abgetrennt: Die Menschenaffen in ihrem Haus, dem Borgori-Wald.

»Es geht ihnen gut, zum Glück - keiner hustet«, sagt Christine Kurrle, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im Zoo. »In Kalifornien ist jetzt der Fall eingetreten, den wir die ganze Zeit im Bewusstsein hatten. Deshalb haben wir die Gorillas, Bonobos und Orang-Utans von Beginn der Pandemie an konsequent separiert.«

Auch die insgesamt neun Pfleger, die für den Borgori-Wald zuständig sind, hätten keinen Kontakt zu den anderen Abteilungen. Im Frühjahr hatte der Zoo überdies seine Belegschaft in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine gleichzeitige Infektion des gesamten Personals hätte schlimme Folgen für die Versorgung der vielen Hundert Tiere.

Gorillas teilen sich 98 Prozent ihres Erbguts mit uns Menschen. »Das muss uns bewusst sein«, sagt Christine Kurrle. »Deshalb wird es auch noch lang dauern, bis wir wieder Besuch bei den Menschenaffen zulassen können.« Schon im Sommer waren Verhaltensänderungen bei den Primaten beobachtet worden. Ihnen fehlte die Unterhaltung durch Menschen, die von außen kamen, um sie anzuschauen.

Insgesamt kämen die Tiere aber mit der Situation zurecht. Der kleine Arco, im September geborenes Nesthäkchen der Gorillasippe, kennt die Welt gar nicht anders als unter Corona-Bedingungen. Kurrle: »Er wird sich wundern, wenn irgendwann plötzlich viele Leute hier auftauchen.«

Die Tierrechtsorganisation PETA appellierte an alle deutschen Zoos, beim notwendigen Kontakt mit Menschenaffen »schärfste Hygienemaßnahmen umzusetzen, um die Tiere zu schützen«. Fachreferentin Yvonne Würz betonte, es gelte, die Ansteckungsgefahr für die Wildtiere zu minimieren. Viele Menschen könnten durch die Corona-Quarantäne vielleicht nachempfinden, was es bedeute, ständig eingesperrt zu sein, sagte sie. Ob auch Menschenaffen gegen Corona geimpft werden sollten, sei derzeit nicht in der Diskussion, sagt Zoo-Sprecherin Kurrle. Erstens sei der Impfstoff dafür zu knapp; es gelte selbstverständlich, erst Menschen zu impfen. Zweitens fehlten Erkenntnisse, wie sich das Vakzin auf Menschenaffen auswirke.

In den USA waren auch Tiger und Löwen im vergangenen Jahr positiv auf Corona getestet worden. In Frankfurt blieben Infektionen aus. Alle Tiere seien wohlauf, sagt die Sprecherin, bei einigen sei in nächster Zeit auch Nachwuchs zu erwarten.

Finanziell gestalte sich die Lage dagegen schwierig. Der Betrieb sei zwar nicht gefährdet, aber was aus den geplanten Großprojekten werde, müssten die nächsten Monate zeigen. Ob die ausgerufene »Zookunft2030+« mit neuen Hallen und Anlagen zur »Zookunft 2040+« mutieren könnte? »Wir planen die Umbauten nicht, weil sie so schön sind, sondern weil sie dringend benötigt werden«, sagt Christine Kurrle. »Wenn wir nicht grundlegend sanieren, kriegen wir ganz andere Probleme.«

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