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Goethestadt im Umbruch

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Die vierspurige Bundesstraße quer durch die City ist für Wetzlar sicher stadtbildprägend. Noch, denn ihre Jahre sind gezählt. Was an ihre Stelle tritt, ist noch unklar. Doch auch an anderen Orten in der Goethe- und Optikstadt tut sich einiges, was ihr Erscheinungsbild gravierend verändert.

Ein Ersatz für die veralteten Brückenbauwerke der B49, moderne Wohnquartiere an der Lahn und eine neue Kreisverwaltung - in Wetzlar stehen in den nächsten Jahren millionenschwere, stadtbildoprägende Projekte privater oder öffentlicher Investoren auf dem Plan oder sind schon im Entstehen.

Hochstraße B49:Das einst futuristisch anmutende Bauwerk aus Stahl, Beton und Asphalt ist in die Jahre gekommen. Ende 2027 ist Schluss, denn aufgrund statischer und konstruktiver Defizite muss die rund einen Kilometer lange Hochstraße (B49) außer Betrieb genommen und ersetzt werden. Mit dem Ersatz der Hochstraße sowie weiterer Brücken der B49 kommt ein Großprojekt mit zahlreichen Baumaßnahmen auf Wetzlar und die Region um Aßlar, Solms und Lahnau zu. Auf einer virtuellen Info-Messe gibt Hessen Mobil als zuständige Straßenbaubehörde noch bis zum 18. Mai Auskunft über den aktuellen Planungsstand und beantwortet Fragen der Bürger zum Projekt.

Vier Varianten sind im Gespräch. Ein Neubau mit Verbreiterung von 18 auf 33 Meter, eine Umfahrung Wetzlars durch das Dillfeld mit Anschluss an die A480, eine Umfahrung des Stadtteils Dahlheim ebenfalls mit A480-Anschluss oder alternativ die Umfahrung Dahlheims in Verbindung mit einem 1,7 Kilometer langen Tunnel. Hessen Mobil ebenso wie eine Mehrheit im Stadtparlament sieht diese Variante als die "optimale Lösung auch für den Lärmschutz der Anwohner von Dalheim" an. Erste geologische Untersuchungen und zwischen Oktober 2019 und März dieses Jahres vorgenommene Erkundungsbohrungen von bis zu 77 Meter Tiefe ergaben: Ein Tunnel als Umfahrung ist machbar - wenn auch aufwendig und teuer. Weiteres Erschwernis der Planungen: Keine der Varianten ist unumstritten. Zwei Bürgerinitiativen haben sich gegründet. Die eine mit Sitz in Dahlheim befürwortet den Neubau der Hochstraße an gleicher Stelle. Die andere mit Sitz in Garbenheim fordert die Tunnellösung.

Kreishaus:Zu den stadtbildprägenden Gebäuden der Optik- und Goethestadt zählt auch die Kreisverwaltung am Karl-Kellner-Ring. Vor gut zweieinhalb Jahren hatte der Lahn-Dill-Kreistag den Abriss des alten Sparkassenrundbaus am Buderusplatz sowie des direkt angrenzenden alten Verwaltungsgebäudes am Karl-Kellner-Ring und einen Neubau beschlossen. Entstehen soll dort außerdem ein neues Parkhaus mit 220 Stellplätzen.

12,5 Millionen Euro waren für dieses Projekt an Kosten errechnet worden. Nun aber schauen Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den kommenden Montag. Dann nämlich soll das Kreisparlament erneut entscheiden, und zwar über die mittlerweile festgestellten Mehrkosten in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Die wesentlichen Gründe der Kostenerhöhung sind notwendige Änderungen im Bereich der Gründung und Fundamentierung, die allgemeine Kostenentwicklung im Baugewerbe sowie ergänzende erforderliche Maßnahmen zur Freianlagengestaltung und Nutzung einer Projektsteuerung, teilt der Kreis mit.

"Modus 3.0":"Modus 3.0" heißt das Wohnbauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Wetzlarer Kaufhauses KaWe zwischen Karl-Kellner-Ring und Bahnhofsareal. Federführend für die Umsetzung ist die Helm Holding in Aßlar. Rund 22 Millionen Euro werden hier investiert. Bis 2021 sollen auf 6500 Quadratmetern Fläche insgesamt 75 Wohnungen entstehen - allesamt barrierefrei und ausschließlich mit ökologischen Materialien errichtet, verspricht Helm. Hinzukommen im Erdgeschoss noch einmal gut 700 Quadratmeter Verkaufsfläche. Markant ins Auge sticht der siebenstöckige Turm an der Einmündung der Eduard-Kaiser-Straße als Eckteil des lang gestreckten Baus in Ziegelsteinoptik.

Der Rohbau steht, der Innenausbau ist derzeit im Gang, berichtet Unternehmenssprecher Sebastian Bonrath. Mit der Fertigstellung sei im ersten oder zweiten Quartal nächsten Jahres zu rechnen.

Lahnhof:Ein weiteres Projekt der Helm-Gruppe ist der Lahnhof zwischen Bahnhofsgelände mit Forum und Rittal-Arena, Seniorenpflegeheim und Lahn. Hier sollen bis zu 275 neue Wohnungen für gemischte Nutzergruppen und -schichten entstehen. Rund 60 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen. Geplant sind fünf- bis achtgeschossige Gebäude mit unterschiedlichen modernen Wohnstrukturen und Wohngruppen.

Helm wartet nun auf die Genehmigung der Bauanträge. Die Erdarbeiten sollen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres starten. Die alte Mall soll im Juli abgebrochen werden; die Fläche kann dann übergangsweise als Parkplatz genutzt werden. Ziel der Projekte "Modus 3.0" und Lahnhof ist es, die Wetzlarer Innenstadt auch über die Geschäftszeiten hinaus zu beleben.

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