"Getunte" Bürostühle auf abschüssiger Strecke

Wetzlar (chl). Henner Seibert vom Team "Freeride Wetzlar" ist der Sieger der 2. Hessischen Meisterschaft im Bürostuhlrennen. Bei diesem vom Service-Club Round Table 86 Wetzlar ausgerichteten Spaßturnier hatten sich 25 Fahrer auf der rund 200 Meter langen und abschüssigen Rennstrecke in der Frankfurter Straße zwischen Lotteschule und Goldfischteich rasante, spektakuläre und witzige Duelle am laufenden Band geliefert.

Im Finale setzte sich Seibert gegen Cornelius Becher aus Michelstadt durch.

Dabei hatte der Südhesse durchaus gute Chancen auf den Titel, weil er in den Vorrunden stets mit sicherem Fahrstil überzeugen konnte. Doch beim Finallauf touchierten sich beide Fahrer während Bechers Überholphase kurz vor dem Ziel, sodass Becher gegen die Bande gedrängt wurde, stürzte und somit ins Hintertreffen geriet.

Es war gar nicht so einfach, einen Bürostuhl als Renngefährt bei Höchstgeschwindigkeiten von 25 bis 30 Kilometern pro Stunde zu kontrollieren. Das Reglement sah vor, dass die Stühle vier bis fünf Rollen und ein Maximalgewicht von 20 Kilogramm haben sowie die freie Drehbarkeit der Rollen und des Sitzes garantiert sein muss. Da waren häufig kreisende Sitze nicht zu vermeiden. Eine kleine, zehn Zentimeter hohe Sprungrampe als Schikane auf halber Strecke galt es nach dem Start von einer 1,50 Meter hohen Rampe ebenfalls sicher zu meistern.

Strohballen als Polsterung

Manche Fahrer erreichten mitunter rückwärts rollend das Ziel, andere stolpernd oder gar stürzend. Gut, dass Helm, Knie- und Ellenbogenschoner dafür unerlässlich waren. Strohballen an riskanten Stellen und Turnmatten als Polsterung hinter der Ziellinie ermöglichten weiche Landungen. Die einzige Möglichkeit, sich einen Vorteil zu verschaffen, war, den Rennstuhl über die geforderten Mindestanforderungen hinaus zu modifizieren. Das schlug sich unter anderem in der Verlängerung der Rollenarme, der Anbringung von Haltestangen an der Rückenlehne oder dem Austausch der Rollen nieder.

So hatte Kai Gerlach, bekannt als Spieler des Rollstuhlbasketball-Bundesligisten RSV Lahn-Dill, die normalen Bürostuhlrollen durch Skaterrollen ersetzt. Er nahm zum ersten Mal am Rennen teil. "Hier muss ich viel mehr die Füße einsetzen als beim Rollstuhlbasketball", sagte Gerlach. "Dafür habe ich aber mehr Kontrolle über den Rollstuhl als über so einen Bürostuhl."

Andere Teilnehmer hatten sich optisch-kurios aufgewertet: Der Michelstädter René Pausar vom "Black Spider Racing Team" sorgte mit seinem Stilmix aus "Captain America" und Elvis Presley samt weißem Amerika-Sternen-Anzug, Sonnenbrille, Umhang und bemaltem Stuhl für Aufsehen. Hingucker waren auch die riesigen Straußenvogelkostüme, mit denen Bozena Galgon und Eva Düring aus Wetzlar als Team "The Ostrichs" die Piste hinuntersausten. Dafür erhielten die beiden Frauen den Pokal für den originellsten Stuhl/Outfit. Bei einigen "Freeriders" zierte ein schwarzes Plüschtier die Stuhllehne.

Spärliche Besucherzahl

Das Rennen um Platz drei entschied Martin Dondorf gegen Steffen Seibert (beide Freeride Wetzlar) für sich. Die schnellste Abfahrt des Tages gelang Sieger Henner Seibert mit einer Zeit von 25,1 Sekunden.

In der Teamwertung lagen die "Freerider" (Wetzlar) vor dem "Black Spider Racing Team" (Michelstadt) und dem "Chaos-Team" (Wetzlar). Mit Ausnahme der beiden Michelstädter kamen alle Teilnehmer aus Wetzlar und Umgebung. Die Teilnehmerzahl war trotz des sonnigen Wetters geringer als bei der Erstauflage im Vorjahr. Auch die Besucherzahl war eher spärlich.

Ergänzt wurde das Programm von einer Autogrammstunde mit Bundesligahandballern der HSG Wetzlar; die Spieler Peter Jungwirth und Christian Rompf testeten auch einmal in einem Duell die Rennstrecke. Bâton-Tänzer der Majonetten Leun-Stockhausen und eine Hip-Hop-Tanzgruppe des Vereins Funtastic Sports Wetzlar traten auf, für die jüngsten Zuschauer gab es Bobbycarrennen. Der Erlös der Veranstaltung ist für einen guten Zweck bestimmt: Begünstigt wird das Familienzentrum Wetzlar.

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