Geschrumpfte Osmanen

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Wiesbaden/Darmstadt/Gießen (dpa). Die als türkisch-nationalistisch eingestuften Osmanen Germania galten noch vor nicht allzu langer Zeit als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppierung. Neben organisierter Kriminalität befürchteten die Ermittler auch Auseinandersetzungen mit den kurdisch geprägten Bahoz. Vorausgegangen waren ein Handgranatenanschlag auf ein Shisha-Café in Saarbrücken vor rund zwei Jahren und mehrere Provokationen der Gruppen in Hessen. Die Bahoz lösten sich jedoch vor knapp einem Jahr auf. Und die Osmanen waren nach mehreren Razzien und Festnahmen geschrumpft. Ihre einst mächtigsten Mitglieder stehen in Stuttgart vor Gericht. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wiesbaden/Darmstadt/Gießen (dpa). Die als türkisch-nationalistisch eingestuften Osmanen Germania galten noch vor nicht allzu langer Zeit als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppierung. Neben organisierter Kriminalität befürchteten die Ermittler auch Auseinandersetzungen mit den kurdisch geprägten Bahoz. Vorausgegangen waren ein Handgranatenanschlag auf ein Shisha-Café in Saarbrücken vor rund zwei Jahren und mehrere Provokationen der Gruppen in Hessen. Die Bahoz lösten sich jedoch vor knapp einem Jahr auf. Und die Osmanen waren nach mehreren Razzien und Festnahmen geschrumpft. Ihre einst mächtigsten Mitglieder stehen in Stuttgart vor Gericht. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

? Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt auch gegen Osmanen – warum?

Gegen 25 Männer wird ermittelt. Es geht um den Verdacht der Verabredung zu einem Verbrechen, um räuberische Erpressung und Raub sowie um Verstöße gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz, wie Oberstaatsanwalt Robert Hartmann berichtet. Die komplexen Verfahren könnten im Herbst abgeschlossen sein. Das Vereinsverbot beeinflusst die Ermittlungen nicht.

? Warum hat Innenminister Seehofer die Osmanen verboten?

"Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums in Berlin. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sowie die Oppositionsparteien SPD und FDP loben das Verbot; SPD und FDP werfen Beuth aber vor, zu zögerlich gewesen zu sein.

? Was hat die hessische Polizei nach dem bundesweiten Verbot unternommen?

Die Verbotsverfügungen wurden am Dienstag in Dietzenbach (Kreis Offenbach), dem ehemaligen Sitz des sogenannten World Chapters der Osmanen, und in Rodenbach (Main-Kinzig-Kreis) zugestellt. In Hirzenhain (Wetteraukreis) seien zudem Räume durchsucht worden. Welche und mit welchem Ergebnis war zunächst unklar. 24 Kräfte waren insgesamt im Einsatz.

? Warum werden die Osmanen als rockerähnliche Gruppierung bezeichnet?

Wie die Hells Angels oder Banditos tragen sie Kutten, sind autoritär strukturiert und folgen eigenen Regeln. Motorräder spielen jedoch keine Rolle. Sie bezeichnen sich auch selbst nicht als Motorradclub (MC), sondern als Boxclub (BC) oder gelegentlich auch als Streetgang. Im bislang letzten veröffentlichen hessischen Verfassungsschutzbericht (2016) ist daher von rockerähnlichen Boxerclubs mit Migrationshintergrund die Rede. Viele Mitglieder haben türkische Wurzeln. Die Verfassungsschützer bezeichnen es zudem als schwierig, diese Clubs eindeutig dem Bereich der Organisierten Kriminalität zuzuordnen – anders als etwa die Hells Angels oder die Bandidos MC.

? Wie gefährlich sind die Osmanen in Hessen?

Seit der Festnahme des selbst ernannten Weltpräsidenten und seines Vizes sowie zahlreicher Razzien gelten die Osmanen in Hessen als weitgehend zerschlagen. Dennoch gehe von ihnen nach wie vor eine Gefahr aus, heißt es beim Landeskriminalamt. Innenminister Beuth hatte im März gesagt: Der Verein behaupte, Jugendliche von der Straße holen zu wollen, falle aber durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe auf.

? Was macht die Suche nach dem Mörder des Gießener Hells-Angels-Boss?

Aygün Mucuk wurde am frühen 7. Oktober 2016 von einem oder mehreren Unbekannten mit mindestens 16 Schüssen umgebracht. Den Tatort, das Clubhaus des türkisch geprägten Charters im mittelhessischen Wettenberg, haben die Hells Angels aufgegeben. Die Ermittler haben nach wie vor keine heiße Spur von den oder dem Schützen und bislang auch noch niemanden festgenommen. "Das ist völlig offen", sagte der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger.

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