Gericht: 19-Jähriger muss in die Psychiatrie

Wetzlar/Gießen (dfl). Wäre er nicht geisteskrank, hätte ein 19-Jähriger aus Wetzlar mit einer hohen Haftstrafe wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung rechnen müssen. Ein Facharzt hat ihm jedoch eine Schizophrenie attestiert und dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt habe. Deshalb konnte der junge Mann nicht verurteilt werden. Das Limburger Landgericht hat seine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

"Er hat Halluzinationen, hört Geräusche und ist nicht Herr seiner Sinne. Er glaubt, dass er für Ruhe sorgen müsse, auch in seinem Kopf", fasste Staatsanwalt Frank Späth die Diagnose des psychiatrischen Gutachters zusammen. Als Verursacher der Geräusche hatte er die Mieter über seiner elterlichen Wohnung ausgemacht und geglaubt, dem Treiben dieser Leute mit tätlichen Übergriffen ein Ende setzen zu müssen.

Einmal stand er mit einem Messer vor dem Sohn der benachbarten Familie und stach ihm in die Hand; ein andermal trat er deren Wohnungstür ein. "Das erste, was er in der Psychiatrie gemacht hat: er hat ein Messer entwendet und wollte sich wieder bewaffnen, weil er sich von Lärm belästigt fühlte", führte Späth aus. Die Taten an der Nachbarsfamilie waren gegen andere Vorwürfe eher harmlos. Da gab es beispielsweise den Angriff auf einen Busfahrer in Gießen, dem er mit der Faust ins Gesicht schlug und ihn derart zurichtete, dass dieser sechs Wochen unter den Folgeschäden litt. Da gab es den Angriff in einer Berliner S-Bahn, als er einem völlig unbekannten Fahrgast eine 18 Zentimeter lange Messerklinge an den Hals hielt und aufforderte, sich ruhig zu verhalten. Der Fahrer hatte den Angreifer mit Pfefferspray verjagt. "Aus Berlin ist bei uns eine ganze Masse von Verfahren wegen Körperverletzungen, Belästigungen, Bedrohungen und Beleidigungen anhängig", berichtete Späth.

Unbekanntem Mann von hinten ein Messer in die Schulter gerammt

Seinen Höhepunkt habe das Treiben des 19-Jährigen am 7. September vorigen Jahres erreicht, als er auf dem Buderus-Parkplatz in Wetzlar von hinten mit dem Messer auf einen Mann einstach, den er fälschlicherweise als Sohn jener Nachbarsfamilie hielt, von der er sich gemobbt fühlte. Ihm rammte er ein Messer zehn Zentimeter tief in die linke Schulter. Nach Auffassung von Staatsanwalt und Gericht stach er in seinem psychischen Ausnahmezustand mit Tötungsvorsatz zu, der klassische Fall von Heimtücke, weil sein Opfer arg- und wehrlos war. Zu seinen Gunsten gingen die Juristen davon aus, dass beim Täter kein Ausnutzungsbewusstsein vorlag, so dass kein versuchter Mord, sondern ein versuchter Totschlag mit der Chance einer abgemilderten Strafe in Betracht gekommen wäre. Staatsanwalt und Richter waren sich einig: Seine Unterbringung in der Psychiatrie und Behandlung sei der einzig richtige Weg, ihm zu helfen.

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