Krebs

Genuss trotz Krebs

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Appetitlosigkeit belastet viele Krebspatienten zusätzlich. Einige Kräuter schmecken ihnen aber besonders gut, weiß Mirko Reeh. In seinem Kochkurs gibt er Erkrankten und Angehörigen Tipps.

Von den elf Kräutern in Mirko Reehs Küche kommen Estragon und Zitronenmelisse am besten an. Diese Vorliebe berücksichtigt der prominente Koch bei seinen Rezepten. Denn über die Kräuter will er den zwölf Teilnehmern seines Workshops wieder den Genuss am Essen näher bringen.

Die meisten der zwölf Frauen und Männer sind an Krebs erkrankt, die anderen sind ihre Lebenspartner oder Mütter. Viele der Patienten haben ihren Appetit verloren, finden ihre alten Lieblingsgerichte plötzlich ekelhaft oder haben wegen der Medikamente beim Essen einen metallischen Geschmack im Mund. Initiator des in Deutschland noch einzigartigen Selbsthilfepilotprojekts in Reehs Kochschule "Genussvoll essen – gestärkt gegen Krebs" ist die Hessische Krebsgesellschaft.

Rund 35 000 Menschen in Hessen erkranken nach Angaben des Gesundheitsministeriums jedes Jahr an Krebs. Ganz viele von ihnen fragten in der Beratung danach, wie sie sich jetzt ernähren könnten, berichtet Christina Berg von der Krebsgesellschaft. Die veränderten Geschmackssinne führten häufig auch zu Konflikten mit dem Partner oder der Familie. Sie wollten dem Erkrankten etwas Gutes tun und bereiteten die alten Lieblingsgerichte zu. Wenn dem Erkrankten selbst diese plötzlich nicht mehr schmeckten, reagierten die Angehörigen oft enttäuscht oder hilflos.

So wie eine 51 Jahre alte Frankfurterin, die zusammen mit ihrer 78 Jahre alten Mutter in die Kochschule von Mirko Reeh gekommen ist. Sie habe oft ohne jeden Appetit gegessen, nur um zu essen, weil sie kein Gewicht mehr verlieren durfte und zwischenzeitlich künstlich ernährt werden musste, erzählt die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Frau. "Wenn man das Essen dann wieder rausgeben muss, war die Stunde, in der man es sich vorher reingequält hat, umsonst", beschreibt sie den Kampf mit dem Essen. Inzwischen durchlebe sie unterschiedliche Phasen. "Jetzt kann ich alles essen. Allerdings habe ich manchmal gar keinen Geschmack."

Der Kochkurs setze nicht am Mangel an, sondern solle helfen, "Genussmöglichkeiten in den Alltag einzubauen", betont Rötzer. Zimt oder Vanille etwa könnten den metallischen Geschmack überlagern. Auch Minze und Rosmarin, weiche Speisen, Suppen und Soßen machten das Essen oft genussvoller. Und Fisch werde oft besser vertragen als Fleisch. Zwischen Kräutertöpfen, Schneidebrettern, Herd und Ofen tauschen sich die Teilnehmer aus und suchen die richtigen Tipps und Rezepte für sich.

Einer beruflich sehr engagierten Sozialwissenschaftlerin half der auf drei Termine angelegte Workshop dabei, "ein Kochfan zu werden" und "aus meiner Küche meinen neuen Arbeitsplatz zu machen". "Ich habe immer gerne gegessen, aber nie gerne gekocht", beschreibt die 52-Jährige ihr Leben vor dem Krebs. "Jetzt habe ich keinen Magen mehr und muss dessen Funktion durch gründliches Kauen über den Mund kompensieren und mich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen", sagt die 1,68 Meter große Frau, die nur noch 44 Kilo wiegt.

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