Die Zunahme der Fälle von Corona-Erkrankungen in den Alten- und Pflegeheimen des Landes machen nun noch strengere Einschränkungen für Besuche nötig. Das Verbot mit nur wenigen Ausnahmen gilt auch für Kliniken. FOTO: DPA
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Die Zunahme der Fälle von Corona-Erkrankungen in den Alten- und Pflegeheimen des Landes machen nun noch strengere Einschränkungen für Besuche nötig. Das Verbot mit nur wenigen Ausnahmen gilt auch für Kliniken. FOTO: DPA

Generelles Besuchsverbot

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Auch in Hessen gilt das weitgehende Kontakt- verbot wegen der Corona-Krise über die Osterfeier- tage hinaus. Das sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gestern nach einer Telefonschalte zwischen Bund und Ländern. Derweil setzt sich die Ausbreitung des Corona virus auch in hessischen Pflegeheimen fort. Besuchsregeln werden daher verschärft.

In den Pflegeheimen des Landes greift die Corona-Krise um sich und hat Todesopfer gefordert. Ministerpräsident Volker Bouffier warb gestern um Verständnis, dass künftig - bis auf wenige Ausnahmen - ein generelles Besuchsverbot in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Altenheimen gilt. "Das ist schwer, das ist auch etwas, was ans Herz geht, denn man möchte ja gerne diesen Kontakt gerade mit den älteren Menschen aufrechterhalten. Aber wir dürfen sie nicht gefährden." Bislang galt - zumindest formal - ein Besuchsrecht für eine Person von einer Stunde pro Tag. Viele Einrichtungen hatten auch dies bereits unterbunden.

Tote zu beklagen haben unter anderem Einrichtungen im Odenwaldkreis und in Niederaula (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), wie die Landkreise gestern bestätigten. Dem Sozialministerium in Wiesbaden lagen keine gesammelten Erkenntnisse dazu vor, wo und wie viele Heime in Hessen vom Coronavirus betroffen sind.

Gespräche vor Ostern über Schule

Bis auf Weiteres sollen die Menschen in Hessen grundsätzlich weiterhin nur alleine oder zu zweit aus dem Haus gehen dürfen. Ausgenommen sind Familien und häusliche Gemeinschaften. "Die Entwicklung in den letzten Tagen ist eher moderat, aber sie lässt noch keine generelle Einschätzung zu", betonte Bouffier. Entscheidend sei, dass die Ausbreitung immer noch viel zu rasch voranschreite. Daher sollte weiter jeder Kontakt außerhalb der Familie gemieden werden - so weit das irgendwie möglich sei. Eine Pflicht zum Tragen von Masken für die Bevölkerung soll es in Deutschland und Hessen nicht geben. Bund und Länder wollen nach den Osterferien erneut gemeinsam beraten, wie es weitergehen soll.

Die Osterferien in Hessen enden am Wochenende 18./19. April, der erste Schultag wäre am Montag, dem 20. April. In der Woche vor Ostern wolle Hessen mit dem Rat von Experten entscheiden, ob die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen können, sagte Bouffier. Nach den aktuellen Planungen seien die zentralen Abschlussprüfungen für den Hauptschul- und den Realschulbildungsgang für Mitte Mai angesetzt. "Wir gehen derzeit davon aus, dass die Prüfungen wie geplant stattfinden können", erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums. Die schriftlichen Abiturprüfungen enden in Hessen heute mit Arbeiten in den Leistungs- und Grundkursen im Fach Biologie. Am gestrigen Mittwoch standen unter anderem Prüfungen im Grundkurs Geschichte sowie in Politik und Wirtschaft auf dem Plan.

Weitere Aspekte in der Corona-Krise im Überblick:

Sonntagsfahrverbot aufgehoben:Damit sich während der Corona-Krise die Regale der Supermärkte rasch wieder füllen können, lockert Hessen die Vorgaben für den Lkw-Verkehr noch weiter. Um Lieferengpässen entgegenzuwirken, dürfen ab sofort alle Transporte mit Warenlieferungen für den Einzelhandel auch ohne eine gesonderte Ausnahmegenehmigung an Sonn- und Feiertagen unterwegs sein. Das teilte das Wirtschaftsministerium gestern in Wiesbaden mit. Bisher galt die Lockerung nur für Lieferungen mit Waren des Trockensortiments, also etwa haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel. Die noch weitergehende Aufhebung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots gilt zunächst bis Ende Juni 2020.

Neue Regelungen beim Pannendienst:Es gibt neue Regeln beim Pannendienst. Künftig dürfen Autofahrer, die mit ihrem Fahrzeug auf einer Autobahn liegen geblieben sind, im eigenen Wagen sitzen bleiben. Zumindest dann, wenn sie und die anderen Verkehrsteilnehmer dadurch nicht gefährdet werden. Bislang mussten sie in der Kabine des Abschleppfahrzeugs mitfahren. "Damit sollen sowohl die Verkehrsteilnehmer als auch die Mitarbeiter der Abschleppunternehmen vor einer Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus geschützt werden", teilte das Ministerium mit.

Sperrungen am Edersee?Die Gemeinde Edertal ruft wegen der Corona-Krise zum Verzicht auf Ausflüge zum beliebten Edersee auf. "Wir müssen gemeinsam schlicht und einfach die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen und die Infektionsgefahr für Risikopersonen minimieren", sagte Bürgermeister Klaus Gier (FWG) gestern. Grund für den Aufruf sei der vergangene Samstag, an dem Tausende Besucher bei strahlendem Sonnenschein insbesondere die Edertal-Talsperre und das Umfeld für Ausflüge nutzten. Unter Umständen sei man dazu gezwungen, noch vor Ostern den kompletten Bereich des Sperrmauervorplatzes und die Talsperre zum Sperrgebiet zu erklären. Da auch viele Wohnmobilisten die Kontaktbeschränkungen ignoriert hätten, habe die Gemeinde Edertal bereits alle Wohnmobilstellplätze gesperrt.

Verstöße bei Shisha-Bars:Bei den neuen Regelungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise hat das Frankfurter Ordnungsamt vor allem an Kiosken und in Shisha-Bars Verstöße festgestellt. An Kiosken hätten sich bis zu 40 Personen versammelt, die den Sicherheitsabstand nicht eingehalten hätten, erklärte Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) am Mittwoch. Zudem hätten einzelne Shisha-Bars trotz des Verbots Gäste bewirtet. Im Großen und Ganzen akzeptiere die Bevölkerung offensichtlich aber die präventiven Schutzmaßnahmen.

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