Mundart

Gemoije

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Wer gerade frisch nach Mittelhessen gezogen ist, der wird mit "Gemoije" oder einem knappen "Moije" seine Probleme haben. Eigentliche müsste es ja so geschrieben werden: G Moije. Das "G" steht für Guten und "Moije" für Morgen. "G Moije" ist eines der schönsten Wörter "ean ihser Sproch". Es hat einen edlen Klang, ist nicht so derb wie viele andere Wörter. Das "Guden Dach", also Guten Tag, ist irgendwie weniger melodisch. Man stolpert nach dem "Guden". Das "Dach" fällt dann so hinten runter.

Früher musste man als Kind definitiv jeden Erwachsenen grüßen, dem man im Dorf begegnete. War man in Gedanken und vergaß es mal, konnte man sicher sein, dass der "Ungegrüßte" sich bei den Eltern des "ungezäjenen" (ungezogenen) Kindes beschwerte. Erwachsene mussten freilich uns Kinder nicht grüßen. Viele taten es aber, weil sie höfliche und einfach nette Menschen waren. Es gab aber auch viele Griesgrame, die im Dorf schon mal "Muffelkopp" genannt wurden. Wenn man so einen "Muffelkopp" nicht grüßte, dann konnte es gut sein, dass der hinter einem herrief: "Dou gewirrerscher Saujung, dir muss mer emol Mores beibreange." Und wir dachten uns: "Dou ahler Durmelskopp, haal doch efach emol deu Maul." Gesagt hätten wir sowas aber nie. Wir waren ja gut erzogen… bb

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