Geliebtes Verkehrsmittel und leichtes Diebesgut

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Der Tatort kann überall in Frankfurt liegen: Hinterhöfe und Keller, aber auch direkt auf der Straße. Die Opfer: Es kann alle treffen. Johannes Krimm traf es gleich doppelt. Unbekannte brachen die Schlösser zu seinem Keller auf. Der Dieb oder die Diebe verschwanden spurlos mit den beiden Rädern Krimms. Beide waren teuer, eines ist sogar selbst gebaut und damit eigentlich unbezahlbar. Gerade ein halbes Jahr war er mit dem selbst geschweißten Rahmen mit teurem Zubehör auf den Straßen unterwegs gewesen. Jetzt aber sind beide Räder weg.

Doch Fahrraddiebstähle sind nicht ungewöhnlich, vor allem nicht in Frankfurt. Hier wurden 2019 nach Angaben der Polizei etwa 4000 Räder gestohlen, fast ein Drittel aller Fahrraddiebstähle in Hessen. Während die Zahl im ganzen Bundesland von 2018 auf 2019 zurückgegangen ist, stiegen die Raddiebstähle in der Rhein-Main-Metropole sogar um etwa sieben Prozent. Vor allem in Hausfluren, Hinterhöfen oder Kellern schlagen die Langfinger zu. "Täter können den Moment abpassen, wenn Bewohner das Haus verlassen, oder sie können sich als Postboten ausgeben", so ein Sprecher der Polizei in Frankfurt. So könnte es auch bei Johannes Krimm gewesen sein.

Wahrscheinlich sind die Diebe durch die offene Vordertür ins Mehrfamilienhaus gelangt. Die Riegelschlösser mit Vorhängeschloss könnten schnell geknackt werden, erklärt die Polizei. Sie rät daher, zu einer zusätzlichen Sicherung der Räder in den Kellern oder Hinterhöfen.

Denn auch das 23 Jahre alte Mountainbike von Jan Töllner aus Frankfurt wurde aus dem Hinterhof gestohlen. Er hatte das Fahrrad zwar ab- aber nirgends angeschlossen - es sei ja auch schon alt gewesen. Doch dann war es plötzlich weg. "Es war mein erstes richtig gutes Mountainbike und auch teurer", erzählt er. "Mit vielen schönen Erinnerungen." Deswegen versuchte der 51-Jährige sein Glück und erstattete Anzeige gegen Unbekannt, genau wie Johannes Krimm.

"Die Polizei hat mir allerdings relativ wenig Hoffnung gemacht", berichtet Krimm. Die Chance, dass ein geklautes Fahrrad wieder gefunden wird, habe 2019 in Frankfurt bei rund fünf Prozent gelegen, einen Versuch wollten die beiden Diebstahlopfer trotzdem starten. "Die Hoffnung stirbt zuletzt, man weiß es ja nie", sagt Töllner.

Jedes Detail wichtig

Ein Vorteil für Johannes Krimm könnte das selbst gebaute Fahrrad sein. Denn je individueller das Rad, desto besser kann es bei einem Fund oder einer Fahndung zugeordnet werden, so die Polizei. Jedes Detail sei wichtig: Marke, Gangschaltung, aber vor allem auch Veränderungen wie Aufkleber oder Kratzer. "Und das Allerwichtigste ist die Rahmennummer", erklärt eine Sprecherin der Polizei. "Die ist individuell vergeben." Mit dieser werde das Fahrrad zur Fahndung ausgeschrieben. Die Polizisten würden bei allgemeinen Kontrollen von Fahrradfahrern teilweise die Nummern überprüfen oder diese könnten herrenlosen Fahrrädern besser zugeordnet werden. "Generell gilt: Die Polizei ist auch immer auf die Hilfsbereitschaft aufmerksamer Zeugen angewiesen."

Das Landeskriminalamt in Hessen (HLKA) ermittelte, dass vor allem Räder mit geringem Wert gestohlen werden. Hier gelte ganz das Motto: Gelegenheit macht Diebe. "Höherwertige Fahrräder ... werden von ihren Besitzern in der Regel besser gesichert und beaufsichtigt, sodass Diebe es schwerer haben", erläuterte ein Sprecher des HLKA. Außerdem nehme das Landeskriminalamt an, dass Fahrräder vor allem für eine kurzzeitige Nutzung gestohlen und nicht unbedingt verkauft würden.

Teilweise werde es den Dieben auch besonders leicht gemacht. Etwa zehn Prozent der gestohlenen Fahrräder in Frankfurt seien gar nicht abgesperrt, so die Polizei. dpa

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