Gelebter Blues von wispernd bis dröhnend: Walter Trout

Wetzlar (chl). Dieser Mann spielt nicht nur den Blues, er lebt ihn. Der Kalifornier Walter Trout hat im Wetzlarer Kulturzentrum Franzis nicht nur wieder einmal bewiesen, dass er zu den Koryphäen des Bluesrock gehört, sondern auch, wie sehr er inzwischen mit seiner Musik verwachsen ist.

Die 200 Fans im ausverkauften Saal – Durchschnittsalter von 35 bis 50 Jahren – schienen ihrem Lebensweg begleitenden Idol begegnet zu sein.

Innige "Beziehung" zu Instrument

Seit über drei Jahrzehnten lässt Trout bereits die Seiten seiner Gitarre im Namen des Blues schwingen, erst für John Mayall, John Lee Hooker oder Canned Heat, dann unter eigenem Namen. Bei dem so innigen Spiel auf und einem gefühlsmäßig wahrgenommenen Zwiegespräch mit seinem Instrument lässt sich eine beinahe eheähnliche Beziehung vermuten. Denn die Spuren der Fender-Stratocaster zeugten von ebenfalls über 30-jähriger Verbundenheit. Trouts Gitarrenspiel war es auch, das viele Zuhörer angelockt hat, darunter selbst Musiker und Gitarristen, die den Amerikaner sicherlich als Inspirationsquelle ansehen.

Virtuos und unermüdlich preschte Trout mit wilden Toneskapaden auf dem Griffbrett davon oder ließ zwischendurch behutsam die Bluesakkorde dröhnen. Das geschieht bei Trout mittlerweile auf eine lässige, wenn auch fast schon abgedroschene Weise, aber stets aus lockerer Hüfte. Hinzu kommt sein röhrender, rauer Gesang. Dann plötzlich beginnt er lautlos zu wippen. Er schwingt sich ein – auf der Suche nach dem Blues. Überhaupt scheint das Bluesschema religiöse Züge anzunehmen, denn die Auskostung und Verehrung desselben zieht sich gefühlt ins Unermessliche. "Life in the Jungle" ist so ein klassisches Exemplar. Die langgezogenen "Yeahs" aus dem Publikum stimmten dem "Gesagten" zu. Schließlich fing die Gitarre an zu wispern, zu jammern, ja zu singen, wie im langsamen "Blues for my Baby" aus dem erst ab April erhältlichen neuen Album "Blues for the Modern Daze", um kurz darauf wieder tönend zu explodieren: "Not fade away" kam beispielsweise eine gute Portion rocklastiger daher.

Trouts sicheres Fundament bildet sich aus seiner Begleitband The Radicals. Während Bassist Rick Knapp kaum seine Mine verziehend unentwegt den Groove herausarbeitete, sorgte Sammy Avila mit seinen flächigen Orgelklängen für die harmonische Einbettung oder ließ sich zu einem waberndern-röhrigen Solo auf seiner Hammond hinreißen.

Schlagzeuger Michael Leasure führte konsequent die rhythmischen Zügel – jedoch nicht so extrovertiert und akrobatisch wie sein Vorgänger Joey Pafumi.

Metal-Stimme als Kontrast

Als fünfter Mann gesellte sich der etwas jüngere Andrew Elt gelegentlich hinzu. Dieser ist neben seiner Profession als Musiker (Sänger in der Glam-Metalband "Sleeze Beez" und der Led-Zeppelin-Tributband "Physical Graffiti") eigentlich Tourmanager bei Walter Trout. Doch zur Unterstützung einiger Titel greift er auch schon mal zur Rhythmus-Gitarre, singt die Hintergrundstimme oder rückt sogar selbst als Sänger in den Vordergrund. Mit seiner metal-lastigen Stimme – etwa im Trout-Song "Mercy" – bringt er sich kontrastierend zum schnodderigen Blues, aber auch belebend in das Programm ein.

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