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Gegner setzen Pegida in Frankfurt matt

Stell Dir vor, Pegida ruft - und kaum einer geht hin. In Frankfurt findet die erste Kundgebung der islamkritischen Bewegung nur wenig Zulauf. Die Demonstrationen der Gegner dafür umso mehr.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Größenverhältnisse sind eindeutig: Rund 70 Anhänger hat die islamkritische Pegida-Bewegung bei ihrer erste Kundgebung am Montagabend in Frankfurt mobilisieren können. Die Gegenseite bringt insgesamt laut Polizei über 15 000 Menschen auf die Straße. Darunter sind 4500 Demonstranten, die sich in der Innenstadt an der Hauptwache den Islamkritikern in den Weg stellen. Sie lassen der kleinen Gruppe kaum Platz, deren ursprünglich geplanter Schweigemarsch fällt aus. Die Pegida-Ansprachen gehen im Pfeifkonzert und "Nazis raus"-Rufen unter.

Bei Pegida wehen deutsche, aber auch französische, österreichische und deutsch-israelische Fahnen. Viel ist von der umringten Schar nicht zu sehen. Die Slogans auf den Transparenten sind von den Demonstrationen in Dresden bekannt: "Gewaltfrei und vereint gegen den Glaubenskrieg auf deutschem Boden" ist zu lesen, oder "Scharia - nein Danke", "Eine Religion, die weltweit Konflikte verursacht, ist keine kulturelle Bereicherung", "Dialog mit Russland" und "Wir sind das Volk".

"Wirr ist das Volk", kontern ihre Gegner. "Pegida in Ffm? Läuft nicht", steht auf einem anderen Transparent. Das stimmt: Pegida läuft nicht, die Gruppe ist umringt - zu stark ist die Gruppe der Gegner. Eier, Flaschen und Rauchbomben fliegen in ihre Richtung. Mit der Polizei liefern sich die meist linken Gegendemonstranten Rangeleien - die Situation ist angespannt. Gegen 19.30 Uhr löst sich die Kundgebung auf. Doch die Pegida-Anhänger wollen sich nicht unterkriegen lassen, fassen sich bei den Händen. "Wir sind die Guten", rufen sie zum Abschied und kündigen an: "Wir kommen wieder."

Nur wenige hundert Meter trennt die Hauptwache vom Römerberg. Dort bietet sich ein völlig anderes Bild. Rund 10 000 Menschen demonstrieren dort laut Polizei gegen Rassismus, auf dem nahe gelegenen Platz an der Paulskirche sind es noch einmal etwa 1000. Unter den Demonstranten für "Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit" sind auch viele Familien, selbst kleine Kinder sind in den Abendstunden dabei.

"Ich bin hier, um ein Zeichen zu setzen für Toleranz und gegen Pegida", sagt eine Demonstrantin auf dem Römerberg. "Ich habe heute die Möglichkeit, Flagge zu zeigen."

Ähnlich sieht es ein Demonstrant mit Migrationshintergrund, den es ebenfalls zum Römer gezogen hat. "Es ist sehr wichtig, dass es Kundgebungen wie heute in Frankfurt gibt und die Leute Solidarität zeigen", sagt er. "Es lag mir sehr am Herzen, heute mit meinen Kindern auf den Römerberg zu kommen."

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