No-go-Area? I n den vergangenen Wochen war es auf der Zeil wiederholt zu Übergriffen gekommen. FOTO: RENATE HOYER
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No-go-Area? I n den vergangenen Wochen war es auf der Zeil wiederholt zu Übergriffen gekommen. FOTO: RENATE HOYER

Wie gefährlich ist es auf der Zeil?

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Die Gewaltausbrüche auf der Zeil seit dem Sommer und zuletzt Mitte November alarmieren die Stadtpolitik. CDU, Grüne, FDP und BFF fordern eine Analyse der enthemmten Kriminalität. Die Stadtverordneten ahnen allerdings: Allein mit mehr Polizeipräsenz ist es bei der speziellen Tätergruppe nicht getan.

Als er sich das Internetvideo vom Angriff auf einen 20-Jährigen vom 14. November angeschaut habe, sei er "einfach sprachlos" gewesen, sagt Christoph Schmitt (CDU). "Das war eine Hetzjagd" von mindestens 20 jungen Männern, die einem Transsexuellen erst in die Kniekehlen getreten hätten, um ihn zu Fall zu bringen. Dann hätten die jungen Männer auf ihn eingetreten. "In einer erschreckenden Brutalität und Planmäßigkeit", so Schmitt.

BFF: Abends eine Gefahrenzone

Den transphoben Angriff hatte BFF-Fraktionschef Mathias Mund (Bürger für Frankfurt) in der Fragestunde der jüngsten Stadtverordnetenversammlung angesprochen. Die Zeil sei "abends zu einer Gefahrenzone" und "einer No-go-Area" geworden, kritisiert er - und erinnert an die Angriffe auf Polizisten erst im Juli, dann in der Nacht zum 2. November. Als sich Anfang und Mitte November junge Menschen "zusammenrotteten", sei die Stadtpolizei nicht da gewesen, kritisiert Mund. "Aber wenn der Omi mal die Maske unter die Nase rutscht, da wird das Ordnungsgeld rigoros abkassiert."

Der BFF-Fraktionschef wertet es als "Offenbarungseid unseres Rechtsstaates", dass der 16 Jahre alte Hauptangreifer von Mitte November ein Mehrfachstraftäter sei, schon bei den Angriffen 14 Tage zuvor auffiel und sogar eine "Gefährderansprache" der Polizei erhielt. Scheinheilig sei die Frage der BFF, geißelt SPD-Stadtverordneter Thomas Bäppler-Wolf. "Ihnen geht es nur darum, Migranten und Jugendliche in ein schlechtes Licht zu rücken."

Natürlich lehne die übergroße Mehrheit der Frankfurter mit Migrationshintergrund solche Gewalt ab, betont CDU-Politiker Schmitt. Die Tatsache aber, dass die Täter oftmals offensichtlich migrantischen Hintergrund hätten, "müssen wir untersuchen, ganz frei von irgendwelchen Ressentiments".

Die Gewaltexzesse seien allein mit Corona-Frust nicht zu erklären, sieht es Uwe Schulz (FDP) ähnlich. "Kein Mensch wird mit sexistischem oder transphobem Gedankengut oder als Polizeihasser geboren." Hier seien Elternhaus und Schule gefragt, findet Schulz: "Grundrechte gehören auf den Lehrplan."

Polizei: Kriminalität geringer als 2019

"Wir brauchen nicht mehr Überwachung und Strafen, sondern gesellschaftliche Veränderung", fordert Pearl Hahn (Linke). "Soziale Sicherheit" für die Menschen sei der einzige Ausweg, findet SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch. "Die gesellschaftliche Stimmung muss sich ändern."

Laut Polizei war die Kriminalität auf der Zeil zwischen März und November ein Viertel geringer als 2019. Das lässt Grünen-Fraktionschefin Jessica Purkhardt nicht gelten: "Nicht die Polizeistatistik entscheidet darüber, ob die Zeil eine No-go-Area ist, sondern die Menschen." Viele mieden gerade abends Zeil und Konstablerwache aus Sorge um ihre Sicherheit.

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