Joachim Breckow Professor an der THM
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Joachim Breckow Professor an der THM

Geboren am 29. Februar

  • Burkhard Bräuning
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Mit den Geburtstagen ist das so eine Sache. Die der eigenen Kinder und des Ehepartners kann man sich ja noch merken. Aber dann lässt es schnell nach. Hat aber ein Verwandter oder ein Freund am 29. Februar das Licht der Welt erblickt, vergisst das niemand. Aber wie genau kommt es denn zu diesem zusätzlichen Tag im Kalender?

Vier Jahre hat’s gedauert, heute haben wir endlich mal wieder einen Schalttag. Der Februar, der kürzeste Monat im Jahreslauf, bekommt 24 Stunden obendrauf und hat dann 29 Tage. Und das führt zu mancherlei Besonderheiten, zum Beispiel auch zu der Tatsache, dass manche Menschen, streng genommen, nur alle vier Jahre Geburtstag haben. Das regeln die Betroffenen damit, dass sie schon am 28. Februar oder am 1. März feiern. Der 29. Februar wird auch gerne als Tag zum Heiraten gewählt. Und für andere Anlässe. Dieser Schalttag ist viel älter als man vielleicht gemeinhin denkt. Er hat etwas mit Julius Cäsar zu tun. Professor Dr. Joachim Breckow weiß Antworten auf unsere Fragen.

Herr Professor Breckow, warum heißt das Schaltjahr Schaltjahr?

Weil es ein Jahr ist, in das ein zusätzlicher Tag hineingeschaltet wird.

Wer hat’s erfunden?

In den verschiedenen menschlichen Kulturen hat es schon viele Kalender gegeben. Dabei war es stets der Wunsch, den periodischen Lauf von Sonne, Mond und Erde irgendwie miteinander zu verknüpfen und damit vorhersagbar zu machen. Da sich ein Jahr nicht genau in eine ganze Zahl von Tagen einteilen lässt, war man gezwungen, bestimmte Anpassungen vorzunehmen. Das Schaltjahr, so wie wir es benutzen, geht auf eine Kalenderreform von Julius Cäsar im Jahr 46 vor Christus zurück.

Ist der Name Julianischer Kalender dann Julius Cäsar gewidmet?

Ja, daher der Name. Später im Mittelalter stellte man jedoch fest, dass diese Korrektur mittels eines "Schaltjahrs" immer noch nicht exakt genug ist, und es wurde eine "Feinjustierung" notwendig. Das wird erreicht, indem manchmal ein eigentlich fälliges Schaltjahr einfach ausgelassen wird. Diese Verfeinerung des Kalenders geht auf Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 zurück. Damals war seit Cäsars Zeiten immerhin ein "Fehler" von zwei Wochen aufgelaufen, der behoben werden sollte. Auf den 4. Oktober 1582 folgte direkt der 15. Oktober. Den sogenannten Gregorianischen Kalender verwenden wir heute noch.

Wie kommen wir denn in diesem Jahr wieder zu dem Vergnügen, einen Tag mehr Lebenszeit zu bekommen, oder ist das gar nicht so?

Das Jahr 2020 bekommt einen zusätzlichen Tag geschenkt. Ein Tag zusätzliche Lebenszeit ist das aber leider nicht.

Was genau ist denn nun der Schalttag?

Wenn die Erde sich um die Sonne dreht, dauert das genau 365,243 Tage. Das wäre dann genau ein Jahr. Wenn wir also schon nach 365 Tagen kalendarisch ein neues Jahr beginnen lassen, fängt jedes Jahr etwa einen Vierteltag zu früh an, das heißt nach vier Jahren wäre das schon ein ganzer Tag. Um das wieder auszugleichen, fügt man alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag in das Jahr ein. Ein solches Schaltjahr hat dann also 366 Tage.

Es gab wohl auch mal einen 30. Februar. Was hat es denn damit auf sich?

Das Schaltjahr, das Cäsar eingeführt hatte, hatte sechs Monate mit 31 Tagen und sechs Monate mit 30 Tagen (=366 Tage). Also hatte auch der Februar, der sonst 29 Tage hatte, im Schaltjahr 30 Tage. Der Legende nach wollte Kaiser Augustus, dass - wie der Juli zu Ehren Cäsars - auch ein Monat seinen Namen erhalten sollte, nämlich der August. Doch dieser Monat durfte keinesfalls kürzer sein als der Juli, was ja eine Herabsetzung gegenüber Cäsar bedeutet hätte. Also hat sowohl der Juli als auch der August 31 Tage. Um das wieder auszugleichen, musste der arme Februar noch einen Tag abgeben. Aber ob diese Anekdote wirklich stimmt …

In Europa und vielen anderen Teilen der Welt richten sich alle nach dem gregorianischen Kalender. Aber es gibt viele andere. Warum lässt sich das nicht harmonisieren?

Das hat vor allem historische und machtpolitische Gründe. Selbst in Europa wurde der Gregorianische Kalender zunächst nur in den katholischen Ländern durchgesetzt. Die protestantischen Länder widersetzten sich lange Zeit. Im orthodoxen Russland wurde der Gregorianische Kalender erst nach der "Oktoberrevolution" eingeführt, die nach diesem neuen Kalender am 7. November 1917 stattfand.

Gibt es denn eine Statistik, die besagt, wie viele Menschen heute Geburtstag haben?

Die wird es vermutlich geben. Aber man kann auch leicht selbst nachrechen: In Deutschland werden pro Jahr knapp 800 000 Kinder geboren. Also jeden Tag etwa 2200. Das wird am 29. Februar auch nicht anders sein.

Gibt es beispielsweise im jüdischen Kalender, im islamischen oder im chinesischen Kalender auch so etwas wie ein Schaltjahr?

Ja, die meisten Kalender funktionieren so. Der islamische Kalender beispielsweise ist ein reiner Mondkalender. Ein Jahr besteht aus zwölf Monaten zu 29 oder 30 Tagen, ist also gut zehn Tage zu kurz. Das führt dazu, dass der Fastenmonat Ramadan sich von Jahr zu Jahr verschiebt und somit auch zu verschiedenen Jahreszeiten stattfindet. Der islamische Kalender kennt auch alle zwei Jahre einen Schalttag. Der jüdische Kalender ist ein gemischter Sonnen- und Mondkalender. Auch er wird in einem recht komplizierten Verfahren durch sieben Schaltmonate in jeweils 19 Jahren "synchronisiert". Auch im chinesischen Kalender gibt es zum Ausgleich und zur Anpassung an Sonnen- und Mondlauf Schaltmonate.

Was fangen Sie persönlich mit diesem Samstag an? Haben Sie etwas Besonderes vor?

Ja, Sonne, Mond und Sterne gucken. Und den Anblick genießen.

Der Interviewpartner

Dr. Joachim Breckow ist Professor an der Technischen Hochschule Mittelhessen und war einige Jahre Vorsitzender der Deutschen Strahlenschutzkommission (SSK). Er ist Geschäftsführer des "Ins-tituts für Medizinische Physik und Strahlenschutz (IMPS)" der THM.

Foto: dpa

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