Gauck zu Gast

Wiesbaden/Frankfurt (dpa/lhe). Ein Jahr nach seiner Wahl hat Bundespräsident Joachim Gauck Hessen seinen offiziellen Antrittsbesuch abgestattet. "Daniela Schadt und ich, wir sind glücklich, heute in Hessen zu sein", sagte Gauck, der bei dem eintägigen Besuch von seiner Lebensgefährtin begleitet wurde.

Bei der Begrüßung durch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der Wiesbadener Staatskanzlei rief Gauck zu bürgerschaftlichem Engagement auf: "Das Land lebt nicht nur von Institutionen, sondern von gelebtem Bürgersinn", so Gauck, der gestern insgesamt vier hessische Städte besuchte.

Das Programm seines Tages im Land, das ihn neben Wiesbaden auch nach Darmstadt, Frankfurt und abschließend nach Hanau führte, sei keineswegs selbstverständlich, betonte Gauck. Er habe auf die großen Unternehmen, einen Besuch beim Flughafen oder eine Visite in die Bankenwelt absichtlich verzichtet, weil er sich ein Bild von den Menschen in Hessen machen wolle, sagte der Bundespräsident. "Nicht die Institutionen machen die Demokratie aus, sondern der aktive Bürger", warb Gauck um das Engagement.

Nach dem Treffen mit Vertretern von Regierung, Landtag und Staatsgerichtshof trug sich Gauck im Wiesbadener Kurhaus in das Goldene Buch der Stadt ein. Regierungschef Bouffier stellte in einer kurzen Ansprache die zentrale Rolle Hessens in Deutschland heraus: "Herr Bundespräsident, wir sind mittendrin", sagte er. "Wir sind eine starke Region, wir sind selbstbewusst, aber nicht überheblich." Hessen stelle sich dem Wettbewerb mit anderen Ländern.

Weniger formell, vielmehr stürmisch wurde Gauck auf seiner nächsten Station begrüßt: "Das war ein überwältigendes und eingehendes Erlebnis", sagte er nach dem Empfang durch Schüler des Lichtenberg-Gymnasiums in Darmstadt. Eine "Autogrammstunde" stand ungeplant auf dem Programm, die Jungen und Mädchen ließen sich vom Bundespräsidenten in den Arm nehmen und machten Erinnerungsfotos. "Ich habe das schon ein paar Mal erlebt, aber hier ist es besonders herzlich", sagte Gauck, der in der Schulkantine die typisch hessische Grüne Soße aß.

Der Bundespräsident sprach mit Schülern der elften Klasse über Engagement und Demokratie und regte sie an, Verantwortung zu tragen: "Das kommt nicht vom Zugucken, sondern vom Mitreden." Junge Menschen würden leicht unterschätzt. "Aber im Alter von 17 oder 18 Jahren werden viele Weichen gestellt, da braucht es auch die Hilfe und Erfahrung der Älteren", mahnte Gauck.

Nächste Stadt, nächste Station, nächster Empfang: Frankfurt. Auch hier drehte sich alles um das Thema Engagement. Die Landesstiftung "Miteinander in Hessen" präsentierte sich dem Bundespräsidenten als motiviertes Netzwerk, das durch seine Projekte private Initiativen fördert, darunter ein Mehrgenerationenhospiz und Lesepaten für Kinder.

Gauck rief dazu auf, die rund zwei Millionen freiwillig und ehrenamtlich engagierten Hessen zum Vorbild zu nehmen. Und er forderte: "Wir brauchen neue Ressourcen aus dem Bereich derer, die bislang zugeschaut haben." Zu viele Menschen hätten sich zur Ruhe gesetzt und überließen die Arbeit und Hilfe den anderen.

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