Platz 1: Die Lebensgeschichte von Erika Weimer ist eng mit ihrem Nutzgarten verbunden. Auch wenn der Garten heute kleiner ist - die Jury setzte Frau Weimer auf Platz 1.
+
Platz 1: Die Lebensgeschichte von Erika Weimer ist eng mit ihrem Nutzgarten verbunden. Auch wenn der Garten heute kleiner ist - die Jury setzte Frau Weimer auf Platz 1.

Ein Garten - gut für die Seele

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
    schließen

Es war ein Versuch, und er ist geglückt. Vor ein paar Tagen wurden die Preise an die Sieger unseres Gartenwettbewerbs überreicht. Die Beteiligung war enorm, und die Gewinner waren sichtlich erfreut. Heute stellen wir die Preisträger "Nutzgärten" vor.

Für die Jury war es harte Arbeit: Mehr als 1000 Fotos mussten gesichtet und die dazugehörigen Texte gelesen werden. Das kostet Zeit. Die haben die Juroren Christine Schwarzer, Marco Seidl und Walter Reber aber gerne gegeben. Sie lobten die "grünen Paradiese" aller Teilnehmer.

Zu den Preisträgern im Bereich Nutzgärten gehört Rita Pink aus der Wetterau. Sie schrieb: "In unserem Garten, den wir im ›Mehrgenerationenteam‹ (Mutter und Tochter) bewirtschaften, wachsen Blumen und Gemüse bunt miteinander." Frau Pink belegte Platz 3.

Auf Platz 2 kamen Sabine Meißner und Jürgen Rahn. Ihre Tochter Naomi hatte heimlich eine Bewerbung geschrieben. Und die zeigte bei der Jury Wirkung. Ein Ausschnitt: "Am östlichsten Rand des Landkreises Gießen im kleinen Dörfchen Altenhain, ein Ortsteil der Stadt Laubach, liegt der rund 120 Quadratmeter große Nutzgarten inklusive Gewächshaus von meinen Eltern. Beide hegen und pflegen ihren Garten, natürlich am liebsten gemeinsam. Angebaut wird da so allerlei: Von Kartoffeln, Salat, Karotten und Zwiebeln über Lauch, (Stangen-) Bohnen, Rote Bete bis zu diversen Kohlsorten, Mangold, Pastinaken und Schwarzwurzeln. Rhabarber und Beerensträucher, aus denen Marmelade oder Kuchen gemacht wird, gedeihen dort auch. Erdbee-ren dürfen selbstverständlich nicht fehlen, denn die klaue ich besonders gerne - ›von der Hand in den Mund‹. Auch finden sich an manchen Stellen ein paar schöne Blümchen im Garten. Im Herbst wird mit Mist vom Schafsbauern aus dem Dorf gedüngt.

Getreu dem Motto ›Back to the roots‹ lassen meine Eltern das Gras im Sommer wachsen, damit das ebenfalls bei uns im Garten beheimatete Bienenvolk auch ordentlich zu tun hat. Gemäht wird das dann mit der Sense. An den Bäumen werden ganzjährig Futterstationen und selbst gebaute Vogelhäuser aufgehängt. Was den Vögeln herunterfällt, lädt die Igel zum Nachtschmaus ein. Mama und Papa kommen mit ihrem Nutzgarten als Selbstversorger sehr gut übers Jahr. Obst und Gemüse wird verarbeitet und/oder eingekocht. Ein vorbildlicher ökologischer Fußabdruck!" Das fand auch die Jury.

Der Bewerbungstext gab den Ausschlag dafür, dass Erika Weimer aus Wettenberg-Wißmar auf Platz 1 gesetzt wurde. Ein Auszug aus ihrem Text:

"Mein Garten und ich: Dass mir ein Garten einmal kostbar und wichtig sein würde - ich hätte es in meinen jungen Jahren nicht für möglich gehalten. Als Kind sah ich meinen späteren Garten, wenn ich über unseren Zaun in den Nachbargarten schaute. Dreierlei Mieter machten sich darin, mehr oder weniger intensiv, zu schaffen. Mich interessierte das nicht. Meine Oma und meine Mutter waren da anders. Sie sorgten mit Hingabe dafür, dass es vom Sommer bis zum Herbst immer etwas zu ernten gab.

Einen Mann fürs Grobe gab es in unserer Familie nicht. Mein Opa war jung gestorben und mein Vater war eines der vielen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Es war also ein Vier-Frauen-Haushalt, in dem ich aufgewachsen bin, in dem ich lernte, als Frau meinen Mann zu stehen. Bis zu meinem 23. Lebensjahr wurde ich von dieser Sichtweise geprägt. Dann aber kam Karl, er wurde mein Ehemann, der Vater meiner beiden Kinder und der Opa unserer vier Enkelkinder.

Im dritten Jahr unserer Ehe stand das Nachbarhaus mit dem großen Garten zum Verkauf. Wir scheuten uns nicht, das heruntergekommene Haus mit dem verwahrlosten Garten zu kaufen. Viel Arbeit und Schweiß hat es in den folgenden Jahren gekostet, bis das Anwesen so wurde, wie es sich heute darstellt. Viele Jahre verlief alles in gewohnter Weise. Dann starb meine Mutter. Die Kinder hatten längst ihre eigenen Familien gegründet, doch noch immer blieb in unserem großen Garten kein Fleckchen ungenutzt. Dann wurde Karl krank, er konnte im Garten nicht mehr mitarbeiten. Ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis wir uns dazu durchgerungen haben, unseren Garten altersgerecht und pflegeleichter zu machen. Zwei Drittel unseres Anbaugebietes strahlen inzwischen in sattem Grün. Im Rest des Gartens wachsen nun noch ausgewählte Gartenfrüchte wie Kartoffeln, Möhren, Erbsen, Bohnen, Salat, Erdbeeren, Zucchini, Tomaten, Rettich, Rote Bete und diverse Kräuter.

Mit der verkleinerten Anbaufläche in unserem Garten habe ich mich nun angefreundet, ich möchte sie auf keinen Fall missen. Sie tut meiner Seele und meiner Gesundheit gut."

Zum Abschluss der Sommeraktion stellen wir nächste Woche die Gewinner im Bereich Ziergärten vor.

Unterstützt von:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare