Marco Seidl - mit Goldmedaille der Bundesgartenschau.
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Marco Seidl - mit Goldmedaille der Bundesgartenschau.

Garten als Abbild der Natur

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Marco Seidl ist Experte für Japangärten. Wie es dazu kam und was Japan für ihn bedeutet, das hat er unserem Redakteur erzählt.

Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Marco Seidl hat deutsche und italienische Wurzeln. Sein Herz schlägt aber (auch) für Japan. Und das kam so: Als Auszubildender half er 2004 dabei, eine Fußbodenheizung in einen Koiteich zu bauen. "Ich sah die Fische - und war begeistert." Seidl schnappte sich den Kombi der Mutter, kaufte sich einen kleinen Anhänger und begann, Japangärten zu bauen. "Das war noch nicht professionell, aber ich lernte schnell dazu." Heute hat er eine Gärtnerei mit Pflanzen aus Japan, ist in Hessen der einzige Direktimporteur. "Ich bin damals bald nach Japan geflogen. Seit einigen Jahren reise ich jeden Herbst in dieses wunderbare Land und bestelle meine Ware. Im Frühjahr werden die Pflanzen dann geliefert." Seidl verdient mit seiner Gärtnerei, mit dem Anlegen und Pflegen von Gärten sein Geld. Für ihn steckt aber mehr dahinter: Japanische Lebensart, Kultur, das Wissen um Traditionen. Die Gärten sind ein Ausdruck der japanischen Philosophie und Geschichte. "Japangärten sind ein Abbild der Natur. Da passt dann eben keine in Europa geläufige Dekoration hinein, auch viele Pflanzen stören das Bild, weil es sie in Japan überhaupt nicht gibt."

Ein echter Japangarten sei teuer, sagt Seidl. "Ja, unsere Kunden haben Geld. Aber fast alle kaufen trotzdem nicht das Teuerste oder den größten Baum, den ich in meiner Gärtnerei habe. Diese Kunden wählen mit Stil, mit Kennerblick."

Seidl selbst hat keinen eigenen Garten (mehr). Er wohnt mit seiner Freundin in einer Dachwohnung, hat nur eine kleine Terrasse. "Meine Ausstellung ist für mich wie ein Garten", sagt er. Und da geht er dann sonntags gerne hin, um Ruhe zu finden. Den Bambusrechen hat er immer dabei. Und er benutzt ihn auch.

"Wenn ich einen eigenen Garten hätte, dann wäre er minimalistisch. Und wenn ein Garten ein Abbild der Natur sein soll, dann kann man ihn nicht mit allerlei Dingen vollräumen. Ein Japangarten braucht Bäume, kleinere Pflanzen, Kies, Wasser und Steinlaternen. Und das alles muss möglichst so kombiniert werden, als wäre es ein Teil der Natur."

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