Problemvögel

Gänse verscheuchen mit System

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Nil- und Graugänse werden vor allem im Süden Hessens durch ihre schiere Masse zum Problem. Sie verschmutzen Parks, Seen und Strände, fressen Felder ab. Hilfe kommt jetzt aus Nordhessen.

Ein Projekt testet einen neuen Ansatz, um den Konflikt zwischen Mensch und Tier zu entschärfen. Abschießen, vertreiben, weglocken – diese Mittel werden im nordhessischen Werratal gegen Wildgänse eingesetzt. Das ist nicht revolutionär. Trotzdem haben Biologen die Hoffnung, dass das Projekt "Wildgansmanagement im Werratal" die Konflikte mit den wachsenden Gänsepopulationen in Hessen lösen könnte. Denn ein Ansatz ist neu: Ein Mix verschiedener Methoden, genau aufeinander abgestimmt, soll den Durchbruch bringen.

"Auf die Idee zu kommen, ist nicht das Problem. Das Schwierige ist die Umsetzung", sagt Johann David Lanz von der Universität Gießen. Deshalb hat es die mittelhessischen Wildbiologen gestern nach Eschwege verschlagen. Im Werra-Meißner-Kreis nutzen die Forscher eine besondere Konstellation: Umweltschützer, Landwirte, Kommunen und Jäger sind bereit, an einem Strang zu ziehen.

Dabei geht es im Wesentlichen um zwei Gänsearten: Grau- und Nilgänse. Sie verkoten Strände und Parks, Bakterien aus ihren Hinterlassenschaften sollen auch für ein Badeverbot im örtlichen See mitverantwortlich gewesen sein. "Die Tiere haben einen sehr hohen Nahrungsbedarf und treten bei der Futtersuche in größeren Gruppen von bis zu Hunderten Vögeln auf", sagt Lanz. Jetzt im Winter fressen sie gern jungen Raps und Wintergetreide. Darunter leiden die Bauern.

"Das ist in der Tat ein Problem", sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands. Wenn Nilgänse ganze Pflanzen aus der Erde zögen, entstehe ein enormer Schaden. Solche Probleme gibt es auch im Werratal.

"Als zentrales Werkzeug zur Problemlösung dient ein Konzept aus Meidungs- und Vergrämungsflächen, in dem auch die Jagd eine wichtige Funktion hat", sagt Lanz. So hätten Landwirte die Bewirtschaftung ihrer Felder angepasst. Wo vorher Raps und Getreide stand, pflanzten sie Mais – Nilgänse mögen solche hohen Pflanzen nicht. An anderer Stelle werden Zwischenfrüchte wie Weißklee gesät – dort können die Gänse fressen, ohne Schaden anzurichten. Jäger vertreiben die Tiere mit gezielten Abschüssen. Das hilft zumindest ein paar Wochen. "Wir haben es geschafft, eine revierübergreifende Jagd zu organisieren", erklärt Lanz.

Ob das Projekt in Nordhessen Erfolg hat, muss sich bis 2020 zeigen. So lange läuft das "Wildgansmanagement im Werratal". Laut Lanz kostet es 100 000 Euro.

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