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Für neun Euro durch die Republik

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Veränderungen auch an Fahrkartenautomaten geplant: Derzeit bereiten sich die Verkehrsverbünde auf das 9-Euro-Ticket vor, das ab 1. Juni gelten soll. © DPA Deutsche Presseagentur

Ab dem 1. Juni soll das 9-Euro-Ticket bundesweit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten. Auch in Hessen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Im Mai soll das Ticket erhältlich sein, erklärte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf Anfrage. Der RMV wolle das Ticket über möglichst viele Vertriebswege anbieten, auch an den Fahrkartenautomaten.

Das sei wegen der knappen Zeit nicht einfach umzusetzen. Zudem werde mit Engpässen wegen der erwarteten hohen Nachfrage gerechnet.

Ob es zumindest im digitalen Verkauf einen regionsübergreifenden Verkaufsstart für das 9-Euro-Ticket geben wird, werde aktuell abgestimmt. Die neue Programmierung der Fahrkartenautomaten sei in der gegebenen Zeit allerdings herausfordernd. »Im Sinne eines deutschlandweiten Angebots halten wir möglichst einheitliche Regeln und Abläufe bei Kauf und Nutzung für sehr wichtig«, erklärte ein RMV-Sprecher. Zusammen mit anderen Verkehrsunternehmen und -verbünden und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) seien in den vergangenen Tagen wesentliche Eckpunkte festgelegt worden. Hierzu gehöre, dass alle Zeitkarteninhaberinnern und -inhaber von der Aktion profitierten, dass das Ticket deutschlandweit gelte und jeweils bis zum Ende des Monats, erklärte der RMV. Wer also am 8. Juni ein 9-Euro-Ticket kauft, könne dieses bis zum 30. Juni nutzen.

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) verwies auf Anfrage auf noch offene Fragen, auch der nötige Gesetzgebungsprozess stehe noch aus. Sobald dies geklärt sei, werde man über das weitere Vorgehen informieren, sagte eine Sprecherin. Der Aufwand für die Umsetzung des Tickets sei für die Verbünde sehr hoch: »Zum einen muss das 9-Euro-Ticket kurzfristig in die Vertriebskanäle eingepflegt werden, zum anderen verursacht das 9-Euro-Ticket Abrechnungskorrekturen bei den (Abo-)Bestandskunden.« Die Verkehrsbranche war von den Plänen aus Berlin zu dem Ticket überrascht worden.

Weil mit mehr Fahrgästen gerechnet wird, kann es laut RMV auf einigen Strecken zu Engpässen kommen. Mehr Fahrzeuge einzusetzen, sei wegen des geringen zeitlichen Vorlaufs nur extrem eingeschränkt möglich: »Insbesondere Fahrgäste mit Fahrrad am Wochenende in touristisch beliebten Regionen werden wir bitten, möglichst frühe Fahrten zu nutzen beziehungsweise später als üblich aufzubrechen oder den Heimweg anzutreten.« Im Sommer fänden auch etliche Bauarbeiten statt.

Das 9-Euro-Ticket soll laut Verkehrsverband VDV nicht im Fernverkehr wie ICE, IC oder EC gelten und nur jeweils für eine Person. Abonnenten sollen automatisch benachrichtigt werden, wie das Ticket mit ihren Zahlungen verrechnet wird. Der Gesamtbetriebsrat DB Regio Schiene/Bus forderte gerade in der Anfangszeit zusätzliches Personal bei den Ein- und Ausstiegshilfen sowie für die Sicherheit in den Zügen und auf den Bahnsteigen. Auch müsse es Regeln zum Gesundheitsschutz der Kundenbetreuer mit Blick auf Ansteckung mit dem Coronavirus bei vollen Zügen geben.

Al-Wazir will mehr Investitionen

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mahnte derweil, dass der Ticketpreis nicht das einzige Argument für die Fahrt mit Bus oder Bahn sein dürfe. Es müsse neben guten Verbindungen und einer hohen Taktung auch in moderne Züge und Bahnhöfe sowie den Ausbau der Schiene investiert werden. Von der Bundesregierung sollten daher nicht nur die Kosten für das 9-Euro-Ticket übernommen werden. Die Länder erwarteten vom Bundesverkehrsminister auch die Erhöhung der Regionalisierungsmittel, auf die sich die Ampel-Koalition im Koalitionsvertrag verständigt habe.

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