Wieder im Dienst. FOTO: PI
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Wieder im Dienst. FOTO: PI

Der Füller

  • Annette Spiller
    vonAnnette Spiller
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Ich bin nicht eitel. Nein, das nicht. Aber exklusiv. Das schon. Mich gibt es zwar nicht nur einmal, aber dennoch gehe ich als seltenes Exemplar durch. Und weil ich etwas Besonderes bin, wurde ich verschenkt. Ein rundes Dienstjubiläum nahm der Chef meines zukünftigen Besitzers zum Anlass, mich in würdigem Rahmen zu überreichen. Es gab Sekt. Und Häppchen. Und mich, den hübsch verpackten Füllfederhalter zum Aufziehen. Der Geehrte freute sich sehr und gab mir und meinem Tintenfass einen Ehrenplatz auf seinem Schreibtisch in der Firma.

Dort arbeiteten wir beide fortan zusammen, denn mein Besitzer schrieb viel. Etliche Reden wurden mit mir entworfen, Mitschriften angefertigt und - ganz wichtig! - Verträge unterzeichnet. Irgendwann gingen wir beide samt Tintenfass in Rente. Auch zu Hause gab es ein Arbeitszimmer mit Schreibtisch und gut zu tun für uns zwei.

Irgendwann jedoch legte mich mein Besitzer beiseite. Schade fand ich das - und langweilte mich ein bisschen. Zudem trocknete meine Tinte ein. Ob das schon alles war, fragte ich mich, und war ein wenig traurig. Bis mich die Tochter meines Besitzers aus dem Ruhestand zurückholte und mir Arbeit gab. Zunächst hat sie mich fachfrauisch gesäubert, mich mit nachtblauer Tinte gefüllt - und los ging’s. Seitdem schreiben wir wieder: Briefe, Zettel, Karten und vieles mehr. Ich kann es noch! Wir sind ein gutes Team. Meinetwegen kann das noch sehr lange so bleiben. Und ein exponiertes Plätzchen auf dem Schreibtisch habe ich auch. pi

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