Frost macht Bauern (noch) keinen Frust

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Regenreich, zu warm und mit wenig Sonne gesegnet: Bis Anfang Februar zeigte sich der Winter eher von seiner schmuddeligen Seite. »Januar muss vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken«, sagt eine Bauernregel. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Die Landwirte sehen Nässe und nachfolgenden Frost wesentlich entspannter.

Zu feucht, zu trocken, zu kalt, zu heiß, zu windig – das Wetter macht es nie jedem recht. Besonders Landwirte sind von den Witterungsbedingungen abhängig, die entscheiden, wie die Ernte wird. Das zeigte sich gravierend im vergangenen Jahr: Eine langanhaltende Frühjahrstrockenheit, die schon im Spätsommer 2016 begann, und ein niedriger Grundwasserspiegel, machten den Bauern schon arg zu schaffen. Die zarten Pflänzchen litten erheblich unter der Trockenheit. Und dann der Kälteeinbruch im April: Bei Kirschen und Erdbeeren verzeichneten die Anbauer erheblich Frostschäden und damit wirtschaftliche Einbußen.

»Extrem mild, niederschlagsreich und sonnenscheinarm« beschreiben die Meteorologen den Januar 2018. Nicht anders fällt ihr Urteil über den Dezember 2017 aus. Erst im Februar zeigte sich der Winter mit Schnee und Frost von seiner ureigensten Seite. Gut für die Landwirte?

Ja, meint Bernd Weber, Pressesprecher beim hessischen Bauernverband. »Das viele Wasser hat derzeit keine Nachteile, weil noch keine Feldarbeiten laufen«, sagt Weber. Außerdem sei es gar nicht so verkehrt, dass nach den zu trockenen Jahren 2016 und 2017 im Dezember und Januar so viel Feuchtigkeit auf und in der Erde landete: »Die Vorräte sind wieder aufgefüllt.« Wintergetreide und Raps seien bisher gut über den Winter gekommen, es gebe keine Frostschäden. Auch mit der aktuellen Kälte könnten die Bauern zufrieden sein: »Der Wechsel mit Temperaturen tagsüber über null Grad und nachts darunter kommt der Frostgare zugute«, erklärt Weber. Als Frostgare bezeichnet man in der Landwirtschaft und im Gartenbau den Zustand der Bodenstruktur im Winter. Durch den Frost entstehen im Boden Risse und Hohlräume, die wiederum Wasser aufnehmen können. Das lockert den Boden, er wird krümeliger, weil Schollen zerfallen. Und das erleichtert die Bearbeitung durch den Pflug.

Die Kältewelle macht den Bauern also weniger Sorgen. »Fataler wäre es, wenn jetzt noch Wasser auf den Feldern stehen würde«, meint der Fachmann. Da es noch keine wärmere Phase in den vergangenen drei Wochen gab, befinden sich die klassischen landwirtschaftlichen Pflanzen wie das Wintergetreide noch im Winterschlaf.

Problematisch könnte es allerdings bei extremer Kälte werden, wenn die Felder nicht mit Schnee bedeckt seien. Denn dieser wirke wie eine warme »Bettdecke«. In den letzten Tagen hätten die Landwirte begonnen, Gülle auszubringen, die ein »wertvoller Wirtschaftsdünger ist und nichts mit Entsorgung zu tun hat«, sagt Weber. Gülle helfe, Mineraldünger zu sparen. Außerdem werde vorher von den Landwirten geprüft, wie viele Nährstoffe im Boden sind. Wichtig sei dabei der Stickstoffgehalt. Dafür würden Proben entnommen, und danach richte sich auch der Gülleeinsatz. Aufgrund der guten Bodenstruktur in der Wetterau gebe es dort höhere Erträge. Somit müsse dort mehr Dünger zugeführt werden, da dem Boden ja mehr Nährstoffe entzogen werden.

Auch wenn die Landwirte mit der aktuellen Wetterentwicklung ganz zufrieden sein können – so langsam könnte es doch wärmer werden, meint Weber und hofft auf »wüchsiges Wetter« ab zehn Grad aufwärts im März. Der tendenziell frühere Beginn der Vegetation in den vergangenen Jahren sei für den Bauern aber auch ein Lotteriespiel: Sät er zu früh aus, kann ihm ein später Kälteeinbruch alles zunichtemachen – wie beim »Märzwinter« 2013, als die Aussat vielerorts erneut erfolgen musste.

Denn im März geht es eigentlich so richtig los: Sommergetreide und Hafer müssen in den Boden, und auch die Wärme liebende Zuckerrübe steht dann auf dem Plan. »Je früher die Saat in die Erde kommt, umso mehr Ertrag kann die Frucht ausbilden«, erklärt Weber.

Deshalb fürchtet der Bauer nichts mehr als die zunehmenden Wetterextreme wie Starkregen, Orkane oder lang anhaltende Trockenheit. Diese Veränderungen beobachteten die Landwirte, die ja ständig in der Natur arbeiten, schon seit Längerem. »Den Klimawandel kann man nicht leugnen. Wir fallen von einem Extrem ins andere. Wir müssen uns mehr und mehr damit auseinandersetzen«, unterstreicht Weber. (Foto: dpa)

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