Freude und Skepsis

Wiesbaden/Frankfurt/Main/Darmstadt (dpa/lhe). Große Freude in Hessen über die Papstwahl: Mit den Gratulationen für Franziskus verbinden kirchliche Würdenträger und Politiker aber auch große Hoffnungen.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst freut sich, dass der neue Papst aus Lateinamerika stammt. Dort lebe die Hälfte aller Katholiken. Mit der Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio werde die weltweite Verantwortung der katholischen Kirche noch deutlicher. "Ich bin von seinen Worten, von seiner ausstrahlenden Bescheidenheit und von seinem Glaubenszeugnis, das er uns in den ersten Minuten gibt, tief bewegt."

Tebartz-van Elst erfuhr von der Nachricht bei der Rückkehr von einer Pilgerreise. Der Flugkapitän habe die gute Nachricht überbracht.

Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen bekam die frohe Kunde per Kurznachricht von seinem Bistumssprecher übermittelt. Er war überrascht über den Wahlausgang: "Mit ihm habe ich nicht gerechnet." Algermissen schätzt die Bescheidenheit des neuen Pontifex und verspricht sich frische Impulse vom Papst: "Ich vermute, dass die Kardinäle ihn gewählt haben, weil sie wissen, dass notwendige Reformen bald angepackt werden müssen."

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte: "Ich wünsche ihm Kraft und Mut für diese Aufgabe und auch die Kraft, den Erwartungen, die die Weltkirche an ihn stellt, gerecht zu werden." Er sei gespannt auf die Impulse des Papstes. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel verspricht sich Beiträge für eine gerechtere Gestaltung der Globalisierung und den Einsatz gegen Armut.

Kardinal Bergoglio ist in Hessen nicht unbekannt. Er hat Mitte der 1980er Jahre wenige Monate an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt verbracht. Der Argentinier habe an der kirchlichen und staatlich anerkannten Hochschule aber weder studiert noch promoviert, sagte eine Sprecherin. Er habe sich dort mit Professoren über ein mögliches Dissertationsthema beraten. Zu einem Abschluss kam es aber nicht.

Der Präsident der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, zeigte sich skeptisch. Er erwartet vom neuen Papst zwar starke gesellschaftliche Impulse, aber wenig Neues in ökumenischen und theologischen Fragen. Jung schätzt den neuen Pontifex eher als konservativ ein.

Der Frankfurter Fundamentaltheologe Knut Wenzel riet dem Papst, schnell mit nötigen Reformen zu beginnen. "Er muss schnell handeln, er muss heute anfangen, sonst wird ihn der Sog der Kurie unversehens absorbieren", sagte der Professor der Nachrichtenagentur dpa. Wenzel zeigte sich aber ebenfalls skeptisch. Der Reformbedarf in der katholischen Kirche gehe weit über den Rahmen einer Verwaltungsreform hinaus und berühre das dogmatische Selbstverständnis der Kirche. "Hier scheint der neue Papst nicht unbedingt als liberal zu gelten", sagte er.

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