Freie Fahrt

  • Rüdiger Geis
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"Wir sind hier nicht in Afrika!" – Die Ansage des völlig unbeteiligt wirkenden jugoslawischen Zöllners am Straßenrand, den ich nach der Passkontrolle auf dem Loiblpass schlicht übersehen hatte, war unmissverständlich. "Wir haben nur normales Reisegepäck dabei." – "Dann weiter!" Das war im Juli 1987.

"Wir sind hier nicht in Afrika!" – Die Ansage des völlig unbeteiligt wirkenden jugoslawischen Zöllners am Straßenrand, den ich nach der Passkontrolle auf dem Loiblpass schlicht übersehen hatte, war unmissverständlich. "Wir haben nur normales Reisegepäck dabei." – "Dann weiter!" Das war im Juli 1987.

Vier Jahre später versank das Land in einem blutigen Bürgerkrieg. Er gebar neue Grenzen und mittlerweile sieben neue Staaten, in denen fast überall die gleiche Sprache gesprochen wird. In den folgenden Jahren überfuhr man dann nicht nur die deutsch-österreichische Grenze und die zu Jugoslawien, sondern auch die von Österreich nach Slowenien und von dort nach Kroatien. Dreimal Grenzkontrolle.

Dann traten Österreich 1997 und Neumitglied Slowenien 2007 dem Schengen-Raum bei, der die Grenzbäume fallen ließ. Die einzig verbliebene Kontrolle auf der Fahrt in den Urlaub und zurück findet nur noch an der Grenze zu EU-Mitglied Kroatien statt – sieht man einmal von den neuerlichen Kontrollen im Zuge der Asyl- und Flüchtlingsdiskussion ab.

Beinahe grenzenlos ist Europa und hat eine fast überall gültige Währung, die das lästige Geldtauschen überflüssig macht. Auch wenn es nur unbedeutend scheint, aber das ist für mich ein wichtiger Aspekt der europäischen Gemeinschaft und ein Ausdruck von Frieden und Freiheit. Es ist seltsam, dass ausgerechnet die AfD, die am liebsten die nationalen Grenzen wieder hochziehen und Deutschland einigeln möchte, zur Europawahl mit dem Slogan wirbt: "Für ein Europa der Freiheit". Welcher Freiheit denn?

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