Frankfurt erwartet China-Rückkehrer

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Frankfurt/Marburg- Auf dem Frankfurter Flughafen wird am heutigen Samstag eine Sondermaschine der Luftwaffe mit Passagieren aus dem Coronavirus-Kerngebiet in China erwartet. Nach dpa-Informationen sollen rund 130 Menschen zurückgeholt werden - rund 90 deutsche Staatsbürger und etwa 40 Angehörige mit anderer Staatsangehörigkeit. Nach Angaben der hessischen Behörden wie auch der Bundesregierung sind weder Erkrankte noch Verdachtsfälle an Bord.

Unterdessen betonte der Marburger Virologe Stephan Becker am gestrigen Freitag die Bedeutung der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff - auch wenn dieser für den aktuellen Ausbruch nicht genutzt werden kann. "Wir wissen nicht, wie dieser Ausbruch weitergeht", sagte der Direktor des Instituts für Virologie der Uni Marburg anlässlich eines Besuches von Sozialminister Kai Klose und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (beide Grüne). Es könne sein, dass der "Spuk" nach zwei Monaten vorbei sei. Es könne aber auch sein, dass das Virus uns für mehrere Jahre begleite. "Für so einen Fall ist man natürlich froh, wenn man dann einen Impfstoff hat."

Nach eineinhalb Jahren einsatzfähig

Weltweit wird an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht, auch in Marburg. Becker zufolge kann es eineinhalb Jahre dauern, bis dieser einsatzfähig ist. Die Virologen in Marburg sind außerdem damit beschäftigt, die Diagnostik bei Coronavirus-Verdachtsfällen durchzuführen. Bislang seien etwa 20 Proben getestet worden. Der Erreger wurde jeweils nicht nachgewiesen. Becker zufolge dauert es drei Stunden, bis ein Ergebnis vorliegt. Das Institut sei "bundesweit eine wichtige Ins-tanz, um einen Impfstoff zu entwickeln", sagte Sozialminister Klose. Kollegin Dorn lobte die Einrichtung als "Kompetenzzentrum, das national wie international eine Ausnahmestellung in der Diagnostik und Erforschung hochinfektiöser Erkrankungen innehat".

Die Maschine für die Rückkehrer aus China hob am Freitagmittag vom Flughafen Köln-Wahn ab. Sie wird am Samstagmittag in Frankfurt erwartet. "Die hessischen Gesundheitsbehörden und der Flughafen Frankfurt am Main sind auf die Ankunft von Patienten mit neu aufgetretenen oder hochansteckenden Krankheiten wie dem neuen Coronavirus gut vorbereitet", sagte Sozialminister Klose. "In Hessen sind bereits belastbare und erprobte Mechanismen und Abläufe umgesetzt, um eine weitere Ausbreitung bestmöglich zu verhindern."

Nach der Landung würden die Ankommenden noch vor dem Aussteigen an Bord von Medizinern angeschaut und befragt, berichtete der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk. "Wenn jemand über Symptome klagt, werden wir ihn rausnehmen und direkt in die Universitätsklinik fahren." Dort gibt es eine Isolierstation.

Feldbetten in Sporthalle

Der logistische Aufwand ist enorm: 20 bis 25 Mitarbeiter des Gesundheitsamts sind vor Ort, 15 vom Roten Kreuz und mehr als 100 Beschäftige des Flughafenbetreibers Fraport, vom Busfahrer bis zur Reinigungskraft.

Alle unauffälligen Passagiere werden in ein sogenanntes Medical Assessment Center gebracht. In der umgewidmeten Sporthalle standen schon am Freitag Feldbetten und Untersuchungsräume bereit. Dort sollen die Ankommenden untersucht und betreut werden.

Gedanken machen müssen sie sich nicht, sagt Gesundheitsamtschef Gottschalk: Ansteckend sei nur, wer Symptome zeige. Wenn im Flieger, in den Betreuungsräumen oder später in Quarantäne jemand krank würde, "dann können wir ihn rechtzeitig rausnehmen".

Der Zwischenstopp soll nur wenige Stunden dauern. Danach sollen sie gemeinsam zu einem Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht werden. Dort müssen sie für zwei Wochen in Quarantäne.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Coronavirus als weltweiten Notfall eingestuft. dpa

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