Fortschritte bei Umwandlung von Kasernen

Seit dem weitreichenden Abzug der US-Streitkräfte aus Hessen im Jahr 2008 stehen die Kommunen vor einer Mammutaufgabe: Was wird aus den Kasernen, Militärflächen und Wohngebieten der Amerikaner? Bei der sogenannten Konversion gilt es, die Areale für zivile Zwecke umzuwandeln.

Hessen erzielt dabei nach Einschätzung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) große Fortschritte. "Wir sind mit der Entwicklung in Hessen zufrieden. Weit mehr als die Hälfte der Flächen wurden bereits verwertet", sagte der Leiter der zuständigen Verkaufsstelle BIMA, Claus Niebelschütz. In Hessen ist mittlerweile nur noch in Wiesbaden US-Militär stationiert.

In Deutschland gehören die freiwerdenden militärischen Flächen – egal, ob bisher von der Bundeswehr oder von den US-Streitkräften genutzt – überwiegend dem Bund. Verwaltet und verwertet werden diese Flächen von der BIMA. Das Planungsrecht liegt aber bei den Kommunen.

Hanau gilt als eines der Paradebeispiele bei der Konversion. Rund fünf Jahre nach dem Abzug der US-Armee aus Hanau wird bereits jeder zweite Hektar zivil genutzt. 177 von 340 Hektar wurden bereits auf Hessens größtem Konversionsgebiet umgewandelt. Auf den gut ein Dutzend Kasernengeländen sind 580 neue Wohneinheiten und mehr als 550 neue Arbeitsplätze bei angesiedelten Firmen entstanden. Auch der Umzug von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts auf ein ehemaliges Kasernengelände in Hanau-Wolfgang nimmt Formen an.

Bei einer Sitzung in München stimmte der Vorstand dem Projekt zu, wie eine Institutssprecherin am Dienstag sagte.

Hanau war einst Europas größte US-Garnison mit 30 000 Soldaten, Angestellten und Familienmitgliedern. Ende 2008 zogen die Amerikaner dann nach 53 Jahren Präsenz ab. "Die Konversion ist eine Mammutaufgabe, verbunden mit riesigen Chancen für die Stadt", sagt Martin Bieberle, Leiter für Stadtentwicklung in Hanau.

"Wir sind mit Abstand die schnellsten, wie uns die BIMA bestätigt", sagt Bieberle. BIMA-Vorstand Axel Kunze befand: "Die Stadt Hanau hat hier eine Leuchtturmfunktion für ganz Deutschland übernommen."

Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung kann auf dem Kasernengelände einen Neubau errichten, dort soll die Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie einziehen.

Auch in Gießen zogen nach und nach Bundeswehr und viele US-Soldaten ab. Erste Flächen wurden bereits in den 1990er Jahren frei. Insgesamt machen diese nach Angaben der Kommune 4,5 Prozent des Stadtgebietes aus. In ganz Gießen waren 250 Hektar in der Hand des US-Militärs. 95 Prozent der Militär-Liegenschaften wurden nach Angaben der BIMA bereits veräußert. Die klamme Stadt konnte selbst nur teilweise zugreifen, etwa bei einer früheren US-Grundschule. Eine Wohnbaugenossenschaft kaufte ehemalige Soldatenunterkünfte. In der Nähe der Innenstadt, auf dem Gelände der "Bergkaserne", entsteht ein neues Wohnquartier. Ein Teil des fast 200 Hektar großen früheren Depots der US-Army fand vor Kurzem einen Käufer. Trotz aller Herausforderung sieht die Uni-Stadt die Konversion insgesamt als Vorteil: "Gießen hat sehr, sehr enge räumliche Grenzen", erklärt die Stadtsprecherin. Die Flächen bedeuteten Chancen, für die Gewerbeansiedlung und den Wohnungsbau.

In Darmstadt ist Konversion ein heißes Thema. Es gab Proteste, das dauere zu lange. In der boomenden Stadt ist Wohnraum Mangelware. "Ab dem Frühjahr wird es aber so richtig Bewegung auf den Konversionsflächen geben", sagte Stadtsprecherin Sigrid Dreiseitel. Von den 315 Hektar befinden sich etwa 122 Hektar in der Innenstadt. Laut Plan soll aus den ehemaligen US-Arealen eine sozial ausgewogene Fläche werden. "Nicht, dass wir da Quartiere mit Problemen bekommen". Laut BIMA gestalten sich die Verhandlungen mit der Stadt Darmstadt "sehr schwierig". Deswegen seien bisher nur Teilflächen vermarktet worden. Man befinde sich aber "auf einem guten Weg".

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