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Zwischen dem hessischen Ort Gewissenruh und dem niedersächsischen Ort Wahmbeck ist Fährfrau Petra Ilsemann mit der Gierseilfähre unterwegs.

Ein Fluss, eine Fähre, eine Fährfrau

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Wahmbeck/Oberweser (dpa/lhe). Bewaldete Steilhänge. Der gleichmäßig strömende Fluss. Schwäne, die neugierig die Hälse recken. Saftige Uferwiesen, auf denen Kühe und Pferde grasen. Sitzbänke unter schattigen Bäumen. Und dann die alte Fähre, die nur vom Wasser getrieben Niedersachsen und Hessen verbindet: Als Petra Ilsemann vor ein paar Jahren bei einem Motorradausflug zum ersten Mal nach Wahmbeck an die Oberweser kam, habe sie sich sofort in den Ort verliebt, sagt die 52-Jährige. "Und als ich dem Fährmann stundenlang zugeguckt hatte, wusste ich: Das ist es. Das will ich machen."

Heute macht sie es. Ihren letzten Wohnort Salzgitter und ihre bisherige Tätigkeit hat die Altenpflegerin aufgegeben. Stattdessen schippert sie seit Mitte März die historische Wahmbecker Fähre über den Fluss - als weit und breit einzige Fährfrau. Auf der hessischen Seite heißt das nächste Örtchen Gewissenruh - ein Ortsteil der Gemeinde Oberweser im nordhessischen Landkreis Kassel.

An diesem Vormittag herrscht auf der Fähre reger Betrieb. Ein Handwerker im Kombi, Radler aus Schwaben, die auf dem Weserradweg unterwegs sind, ein Rentner aus dem Nachbarort, der "mal eben einen kleinen Ausflug" unternimmt. Eine ältere Autofahrerin, die sich freut: "Gut, dass wir die Fähre haben. Sonst müsste ich weite Umwege machen." Petra Ilsemann kassiert: Pkw einschließlich Fahrer 2,50 Euro, Erwachsene einen Euro, mit Fahrrad einen halben Euro extra. Dann löst die 52-Jährige die Sicherungshaken von den Uferketten und kurbelt die Rampe hoch. "Das macht dicke Oberarme", scherzt Ilsemann.

Jetzt packt die Fährfrau einen stabilen Stecken und schiebt das Gefährt mit kraftvollen Stößen weiter ins Wasser. Es plätschert an der Bordwand. Dann erfasst die Strömung die Fähre - Baujahr 1937 - und schiebt sie gemächlich dem anderen Weserufer zu. Weil sie an einem über den Fluss gespannten Stahlseil hängt, kann die Fähre nicht abtreiben. Nach gut einer Minute ist die hessische Seite erreicht. Ilsemann kurbelt die Rampe runter: "Tschüss, bis bald."

"Wir sind sehr froh, dass Petra Ilsemann unsere Fährfrau geworden ist", sagt Mirko von Pietrowski, der Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Bodenfelde, zu der das Dörfchen Wahmbeck gehört. Weil die Fährverbindung zwischen dem südniedersächsischen Kreis Northeim und der Bundesstraße 80 am hessischen Ufer für den Tourismus und die Wirtschaft der Region wichtig sei, habe die Kommune dringend eine Nachfolge für den langjährigen Fährmann Wolfgang Borchardt gesucht. Lange Zeit war die Suche erfolglos. Jetzt hat sie feste Fahrzeiten: Von Mitte März bis Ende Oktober täglich. Eine Stunde Mittagspause.

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