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Flüchtlinge fragen Bouffier: Wie geht es weiter mit uns?

Der Ministerpräsident besucht in der Hessentags-Stadt Herborn eine Unterkunft für Asylsuchende. Er sucht das Gespräch mit den Bewohnern. Die Menschen beschäftigt vor allem eine Frage.

Herborn (dpa/lhe) - Unweit des Hessentags-Trubels leben in Herborn rund 200 Flüchtlinge auf dem Gelände eines früheren Supermarktes. Weil in der Stadt gerade das Landesfest gefeiert wird, das seit seiner Gründung ein Fest für alle Menschen in Hessen sein soll, bekommen die Bewohner am Mittwoch Besuch aus Wiesbaden: Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) lässt sich von den Mitarbeitern das Betreuungskonzept in der Einrichtung erklären und will mit den Asylsuchenden ins Gespräch kommen.

Seit November gibt es in Herborn die Notunterkunft für Flüchtlinge, die maximal 1000 Menschen aufnehmen kann. Betreiber ist das Deutsche Rote Kreuz. Die Flüchtlinge können sich nach Angaben von Einrichtungsleiter Stefan Thielmann 24 Stunden am Tag an Mitarbeiter wenden. Ein Team von 30 haupt- und nebenberuflichen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern kümmert sich um die soziale Betreuung der Bewohner. Für Bouffier eine mit "viel Herzblut und Empathie" ausgeführte Arbeit, die größte Anerkennung verdiene.

Auf dem Hof der Unterkunft stehen Container mit Sanitäreinrichtungen und mobile Toiletten. In einer großen Halle sind die Wohneinheiten untergebracht, die aber für Medienvertreter tabu sind. Ein weiteres Gebäude dient als Mehrzweck- und Aufenthaltshalle, hier trifft der Ministerpräsident auf die Mitarbeiter und Bewohner.

Der Hessentag sei gegründet worden, um Menschen zusammenzuführen, sagt der Regierungschef zu Beginn seines Besuchs. Das sei auch heute wieder ein Thema. Angesichts der Flüchtlingskrise soll bei diesem Hessentag stärker daran erinnert werden, dass dieser 1961 als Integrationsfest ins Leben gerufen wurde, um Vertriebene und Hessen zusammenzubringen.

Die Flüchtlinge in Herborn wollen vor allem eines wissen: Wann erfahren wir endlich, ob wir in Deutschland bleiben können, wann haben wir endlich den Termin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge? Diese Fragen richtet ein Mann aus dem Irak an Ministerpräsident Bouffier. "Ich wollte ein komplett neues Leben beginnen", sagt der Mann. Doch weil das Bundesamt so lange brauche, "kann ich nur schlafen, essen und trinken". Sie alle hier könnten immer nur warten.

Keine Frage, diese langen Verfahren seien eine Belastung für die Menschen, antwortet Bouffier. Es sei wichtig, dass diese beschleunigt würden. Er hoffe, dass das mit einer vor kurzem eröffneten Einrichtung des Bundesamtes in Gießen gelinge.

Für den Regierungschef ist auch klar: Die Gründe, weswegen die Menschen aus Ländern wie Afghanistan nach Deutschland kommen, seien verständlich. Allerdings, so schränkt er ein, erfüllten nicht alle die Voraussetzungen, um hier am Ende auch Asyl zu bekommen.

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