Hallo Mädels! Ein Goldammer-Männchen auf seiner Singwarte. FOTO: JENS FREITAG
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Hallo Mädels! Ein Goldammer-Männchen auf seiner Singwarte. FOTO: JENS FREITAG

Fleißiger Sänger in goldenem Kleid

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"Zizizizizizi-düh". Exponiert von einem herausragenden Zweig einer Hecke oder von einem Zaunpfahl herab lässt das Goldammer-Männchen seinen unverwechselbaren Gesang ertönen. Damit und mit seinem goldgelben Prachtkleid lockt es sein Weibchen an.

Ein einprägsamer Gesang. Das unverwechselbare immer höher werdende, lang gezogene Lied der Goldammer ist in unserer mit Hecken bestandenen Kulturlandschaft oft bis in den Spätsommer zu hören. Andere Vogelarten haben zu diesem Zeitpunkt längst die Lust am Singen und Imponieren vor den Weibchen verloren.

Der Volksmund umschreibt das Lied der Goldammer mit "wie, wie, wie hab ich dich lieb". Mit dieser "Eselsbrücke" kann man sich den schönen und charakteristischen Gesang sehr gut merken.

Selbst der Pianist und Komponist Ludwig van Beethoven hat sich auf seinen Wanderungen durch die Natur vom Gesang der Goldammer inspirieren lassen. Sie war offenbar für die weltberühmte 5. Symphonie, die zu seinen populärsten Stücken gehört, taktgebend. Hört man das Lied der Goldammer, so ist der gut sperlingsgroße Vogel meist leicht auszumachen, denn er sitzt in der Regel auf einer erhöhten Singwarte.

Farbtupfer am Wegesrand

Die Goldammer war und ist teilweise auch heute noch einer der besonders charakteristischen Brutvögel unserer mittelhessischen Kulturlandschaft. Sie bewohnt bei uns offene bis halb offene Heckenlandschaften mit strukturreichen Saumbiotopen. Sie bevorzugt Agrarlandschaften mit Büschen, Hecken, Alleen und Feldgehölzen. Auch auf Streuobstwiesen, an Waldrändern, Bahndämmen und älteren Brachflächen ist sie zu Hause; Hauptsache, sie findet dort Einzelbäume oder Büsche als Singwarten. Der Name Ammer wird vom althochdeutschen "amaro" abgeleitet, was so viel bedeutet wie "Emmer" (= Sommerdinkel) also eine Getreideart. Im Volksmund kennt man sie deshalb auch unter dem Namen Kornvogel oder Gerstammer. Alles Namen, die auf ihr Vorkommen in Feldfluren mit Getreide hindeuten.

Nicht nur zum Nestbau und als Gesangsempore benötigt die Goldammer Hecken oder Gebüsche, auch im Winter hält sie sich dort gerne zur Nahrungssuche auf, da meist nur dort die lebenswichtigen Samen von Kräutern und Stauden zu finden sind. Insgesamt konzentriert sich das Vorkommen dieser Feldvogelart somit zu jeder Jahreszeit an Hecken und Säumen.

Indikator für Landschaftsqualität

Mit etwa 200 000 Brutpaaren gehört die Goldammer in Hessen zwar noch zu den häufigen Arten der Agrarlandschaft, dennoch hat ihr Bestand in den letzten Jahrzehnten sehr deutlich abgenommen. Allein in den letzten 20 Jahren ist fast die Hälfte des Brutpopulation verschwunden. Sicher ist daran die Intensivierung der Landnutzung schuld, die auch bei anderen Ammerarten (Grauammer, Ortolan) und einigen weiteren Bewohnern der Feldflur eine entscheidende Rolle spielt.

Als typischer Feldvogel ist die Goldammer Teil des "Agrarland"-Indikators für Artenvielfalt und Landschaftsqualität, der dabei helfen soll, den Zustand der biologischen Vielfalt in Deutschland zu erfassen und zu verbessern. Zum Glück gibt es den letzten Jahren, vielleicht angeregt durch die Diskussion um das Insektensterben, zahlreiche Initiativen zur Aufwertung unserer Feldfluren.

In Mittelhessen beteili- gen sich viele Landwirte an den Agrarumweltprogrammen (HALM) des Landes. In deren Folge wurden, in einem Netzwerk von Förderkulissen, Blühflächen und -streifen angelegt, die der gesamten Lebensgemeinschaft der offenen Feldflur zugutekommen. Der Naturliebhaber wird feststellen, dass unsere Landschaft wieder etwas bunter geworden ist. Getreideschläge mit Klatschmohn und Kornblumen finden sich wieder zwischen Friedberg und Marburg. Sie sind nicht nur für unser Auge wohltuend. Bedrohte Arten der Feldfluren wie Goldammer, Feldlerche, Rebhuhn, Wachtel und Co. fühlen sich hier wohl.

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