Roland Ullmann (rechts) - hier mit Innenminister Peter Beuth (CDU) - ist der neue hessische Landespolizeipräsident. FOTO: DPA
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Roland Ullmann (rechts) - hier mit Innenminister Peter Beuth (CDU) - ist der neue hessische Landespolizeipräsident. FOTO: DPA

"Fehlverhalten vorbehaltlos nachgehen"

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Wiesbaden- Der neue hessische Landespolizeipräsident Roland Ullmann will verloren gegangenes Vertrauen in die Polizei wiederherstellen. Er betonte am Freitag in Wiesbaden, als er von Innenminister Peter Beuth (CDU) vorgestellt wurde, die hessische Polizei leiste herausragende Arbeit für die Sicherheit der Bürger.

Zugleich müsse "jeglichem Fehlverhalten und Verdachtsmomenten unvoreingenommen, vorbehaltlos und vollumfänglich nachgegangen" werden, sagte er mit Blick auf die Droh-E-Mail-Affäre im Land. "Das sind wir den Bürgern schuldig und das werde ich gemeinsam mit der gesamten hessischen Polizei mit Nachdruck verfolgen." Ullmann sei ein Mann, der "alle Facetten des Polizeiberufs kennt", erklärte Beuth.

Nach dem Abfragen von persönlichen Daten unter anderem der Linke-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Janine Wissler, und der Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz von hessischen Polizeirechnern seien bereits erste Maßnahmen eingeleitet worden. Beide Frauen hatten nach den Datenabfragen Drohschreiben mit der Unterschrift "NSU 2.0" erhalten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt in diesen und weiteren Fällen von rechtsextremistischen Drohschreiben.

Er habe dem Sonderermittler Hanspeter Mener volle Unterstützung bei seinen Ermittlungen zugesagt, sagte Ullmann. Für "sämtliche Ermittlungen von herausragender Bedeutung" werde im Landespolizeipräsidium die neue Position eines Verfahrensreferenten geschaffen, der unmittelbarer Ansprechpartner in seinem Führungsstab für diese Ermittlungen sei. Dadurch solle gewährleistet werden, dass wichtige Informationen sofort weitergeleitet werden.

Ullmanns vor wenigen Tagen in den einstweiligen Ruhestand geschickter Vorgänger Udo Münch hatte eingeräumt, dass bereits vor Monaten die Abfrage von Wisslers Daten auf einer Sitzung zur Sprache gekommen sei. Er habe das aber nicht bewusst vermerkt.

Der heute 62 Jahre alte Ullmann, der aus dem Main-Kinzig-Kreis stammt, ist seit 1973 bei der Polizei - zuerst als Schutzmann bei der Polizeidirektion Hanau, dann als Sachbearbeiter bei der Kriminalpolizei. "Die Polizei als Freund und Helfer, das ist mein Leitbild seit 47 Jahren", sagt der schlanke Mann mit dem agilen Auftreten am Freitag.

Mit dem Aufstieg in den gehobenen Dienst kam 1984 auch der Wechsel zur Kriminalpolizei, wo er zwei Jahre lang dem mobilen Einsatzkommando angehörte und die Führungsgruppe für die Bekämpfung von Raub und Rauschgiftdelikten leitete.

Nach einem Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei baute Ullmann als Kriminalrat im Polizeipräsidium Frankfurt die bundesweit erste Kriminalinspektion für organisierte Kriminalität aus. Das Landespolizeipräsidium, an dessen Spitze er nun steht, ist ihm nicht fremd: Nach mehrjähriger Arbeit als Dozent an der Deutschen Hochschule der Polizei war er hier Referatsleiter für strategische Aufgaben.

Die Leitung der hessischen Polizei übernimmt Ullmann zu einem schwierigen Zeitpunkt. Der Verdacht, dass in den Reihen der Polizei ein rechtes Netzwerk existiert, wiegt schwer. Seine erste Ankündigung ist: "Ich werde dafür arbeiten, dass Vertrauen, das offensichtlich schaden genommen hat, wiederhergestellt wird." dpa

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