Mundart

Fasse dich kurz

  • Burkhard Bräuning
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Mundart war schon immer der Zeit voraus. Also zumindest das "Platt", das in der ehemaligen Provinz Oberhessen (umfasste das komplette Verbreitungsgebiet unserer Tageszeitungen) gesprochen wurde und Gott sei Dank auch immer noch gesprochen wird. Manche sagen ja, Dialekt sei die Sprache der Ungebildeten. Das ist nicht nur falsch, es ist auch noch eine anmaßende, ja unverschämte Behauptung. In Wahrheit ist Mundart eine elegante Sprache mit einer langen und wechselhaften Geschichte - und ist immer ihrer Zeit voraus. Heute fasst man sich ja gerne kurz, schreibt, oder besser schrieb SMS, kürzt dabei Wörter ab - und Smileys ersetzen ganze Sätze. WhatsApp, Telegram, Threema, Kik sind angesagte Messenger-Dienste. Auch beim Sprechen verwendet man Abkürzungen wie BSE, HIV und DRK (siehe auch Lied von "Fanta 4" - Die Fantastischen Vier - mit dem Titel "MfG"). In der Mundart fassen wir uns schon lange kurz. Ich erläutere das mal anhand des Wortes "he", gesprochen mit einem kurzen e, das tief unten in der Kehle sitzt. Im Hochdeutschen kennen wir das dem "he" ähnelnde "hä", das aber eben nicht diese Vielfalt an Bedeutungen hat wie "he". Es sind nur zwei Buchstaben, aber mit denen kann man viel sagen. Natürlich steht "he", genau wie "hä", für "Wie bitte?". Oder: "Ich habe das nicht verstanden". "He" geht aber weiter, damit drückt man generell Verständnislosigkeit aus, nach dem Motto: "Ich fasse es nicht, was ist hier eigentlich los?". Aber man nutzt "he" auch für "Sag mal, geht’s noch?". Oder spiegelt dem Gegenüber: "Was bist du denn für eine/einer?" Wenn der Oberhesse sich wieder gefasst und seine Sprachlosigkeit überwunden hat, dann sagt er: "Uijuijui". Oder es kommt ein bärig-brummiges "Mmmmmmmhhhh" aus dem Mund. bb

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