"Falscher Eindruck in der Öffentlichkeit"

Wetzlar (ür). Die Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar hat sich von der Segnung eines homosexuellen Paares im Wetzlarer Dom distanziert.

Wetzlar (ür). Die Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar hat sich von der Segnung eines homosexuellen Paares im Wetzlarer Dom distanziert. Am 15. August hatte der katholische Bezirksdekan Peter Kollas die Segnung durchgeführt, an der auch der evangelische Gefängnisseelsorger Arnulf Linden aus Euskirchen bei Bonn mitgewirkt und ein Grußwort gesprochen hatte. Bischof Tebartz-van Elst hatte Kollas daraufhin vom Amt des Bezirksdekans entbunden (die AZ berichtete).

Der Dom dient sowohl der evangelischen wie der katholischen Gemeinde als Gottesdienstraum. Der Presbyteriumsvorsitzende der Ev. Kirchengemeinde Wetzlar, Pfarrer Jörg Süß sagte der in Wetzlar ansässigen Ev. Nachrichtenagentur "idea", er sei nicht von Anfang an über die Segnung informiert worden, sondern habe im Vorfeld lediglich gerüchteweise davon gehört. Er habe dann den kath. Bezirksdekan darauf hingewiesen, dass die Ev. Gemeinde laut Beschluss des Presbyteriums Segenshandlungen an Homosexuellen grundsätzlich ablehnt. Eine Mitwirkung ev. Geistlicher komme daher nicht in Frage. Aus "ökumenischer Rücksichtnahme" habe Kollas den Segensakt daraufhin als interne Veranstaltung der kath. Domgemeinde deklariert, mit der die evangelische Domgemeinde nichts zu tun habe.

Da die Einladungen schon gedruckt gewesen seien, habe die Segnung selbst nicht mehr gestoppt werden können, so Süß. Um den Schaden zu begrenzen, habe er mit Pfarrer Linden, der ebenso wie Süß der Ev. Kirche im Rheinland angehört, verabredet, dass dieser bei der Zeremonie nicht als Pfarrer im Talar, sondern in bürgerlicher Kleidung als Privatmann auftritt. Dennoch sei in der Öffentlichkeit der falsche Eindruck entstanden, die Ev. Domgemeinde stehe hinter der Segensaktion oder toleriere sie wohlwollend. Linden sagte der Nachrichtenagentur, er habe im Rahmen dessen gehandelt, was vereinbart gewesen sei. Er bedaure es, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden sei, er habe als evangelischer Geistlicher und im Namen der evangelischen Kirche an der Segnung mitgewirkt. Dies sei aber nicht zutreffend. In der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu der die Wetzlarer Kirchengemeinde gehört, ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nur dort möglich, wo das örtliche Presbyterium zuvor zugestimmt hat.

(dpa). Für die Segnung eines homosexuellen Paares haben führende Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) dem entlassenen katholischen Bezirksdekan Kollas Respekt gezollt. Hingegen hoffen die drei Kandidaten für das Amt des EKHN-Kirchenpräsidenten auf ein Umdenken bei der katholischen Kirche, nachdem der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Kollas wegen der Segnung sein Amt entzogen hat. "Ich finde es mutig, das zeigt Zivilcourage, und es ist ein bisschen protestantisch", sagte der Propst für Süd-Nassau, Sigurd Rink, am Donnerstagabend in Frankfurt über die Segnung. Der Dekan im Vogelsberg, Volker Jung, sagte: "Er (Kollas) hätte Dekan in der EKHN sein sollen."

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