Fall von Selbstjustiz

Mit dem mutmaßlichen Doppelmord wollte der Frankfurter Täter seinen getöteten Bruder rächen. Nun wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen.

Frankfurt (dpa/lhe). Rache für den toten Bruder – der mutmaßliche Doppelmörder aus dem Frankfurter Gerichtsviertel hat seine Opfer nach eigenen Angaben in Selbstjustiz getötet. Er habe von den Gerichten keine Gerechtigkeit erwartet, sagte der mutmaßliche Täter laut Staatsanwaltschaft nach der Attacke. Ein Richter erließ am Samstag Haftbefehl wegen zweifachen Mordes gegen den 47-Jährigen. Er habe aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen gehandelt, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde. Täter wie Opfer sind nach Angaben der Behörden Autohändler afghanischer Herkunft.

Der Mann hatte am Freitagvormittag im Frankfurter Gerichtsviertel auf einen 45-Jährigen und seinen 50 Jahre alten Begleiter geschossen. Der jüngere Mann brach am Eingang eines Gerichtsgebäudes zusammen, der ältere floh ins Innere. Der Angreifer durchbrach die Sicherheitsschleuse, schoss um sich und streckte auch den 50-Jährigen nieder. Dann stach er auf ihn ein. Wie am Samstag bekannt wurde, attackierte er auf dem Weg nach draußen auch den zuerst Getroffenen noch mit einem Messer. Danach flüchtete er und wurde nach wenigen Hundert Metern gefasst.

Die Tat geht den Ermittlern zufolge offenbar auf eine alte Fehde zurück. Der Angreifer ist der Bruder eines Autohändlers aus dem Hochtaunus, der 2007 im Streit um einen Parkplatz erstochen wurde. Beschuldigte waren damals die jetzigen Opfer. Sie mussten sich seit Mittwoch in einem Revisionsprozess erneut für die Tat verantworten. 2008 waren sie freigesprochen worden, weil das Gericht Notwehr nicht ausschließen konnte.

Dem Frankfurter Polizeivizepräsidenten Gerhard Bereswill zufolge spielte die Herkunft und die Kultur der afghanischen Männer bei der Tat eine Rolle. Um weitere Taten zu vermeiden, will die Polizei nun ein Schutzkonzept für die Familien von Täter und Opfern erarbeiten, hatte er am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz gesagt.

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