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Expertin: Müssen bei Wolf-Rückkehr beobachten und abwarten

Ein Wolf tappt in die Fotofalle. Doch wo steckt er jetzt? Unklar ist auch, ob ihm Artgenossen folgen. Denn den Tieren stehen viele Hindernisse im Weg.

Gießen (dpa/lhe) - Ein vor wenigen Wochen in Nordhessen fotografierter Wolf erlaubt nach Expertenansicht keine Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung dieser Tiere im Land. "Da müssen wir abwarten und die Lage beobachten", sagt Hessens Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch in Gießen. "Wir können nicht sagen, ob es zur Zeit einen oder mehrere Wölfe in Hessen gibt", erläutert sie.

Am 3. März war ein Tier in der Gemeinde Söhrewald (Kreis Kassel) in eine Fotofalle getappt - es war der seltene Nachweis eines lebenden Wolfes in Hessen. Zuletzt gelang das 2011. "Woher der Wolf kam und wo er jetzt ist, das wissen wir nicht", sagt die Expertin.

Derzeit breiten sich in Deutschland nach ihren Worten die Tiere von Osten in Richtung Nordwesten aus. "Deshalb kommt er auch früher oder später in Hessen an." Bundesweit gebe es etwa 150 Wölfe, die für Nachwuchs sorgten. "Wir wissen, dass jedes Jahr in Deutschland Wölfe geboren werden. Das ist aber kein linearer Prozess." Dass sich die Population erhole, sei eine Folge der Naturschutzgesetzgebung. Der Wolf habe aber auch große Probleme, etwa den Verkehr.

So wurde im vergangenen Jahr ein Tier tot an der Autobahn 66 bei Bad Soden-Salmüster (Main-Kinzig-Kreis) entdeckt, ein anderes am Preungesheimer Dreieck in Frankfurt. Der wohl bekannteste hessische Wolf lebte dem hessischen Naturschutzbund (Nabu) zufolge von 2006 bis 2011 im Reinhardswald bei Kassel und starb vermutlich eines natürlichen Todes.

Für die Naturschützer ist klar: "Der Wolf bräuchte mehr Rückzugsräume, in denen es nicht so viele Straßen gibt", sagt Nabu-Sprecher Berthold Langenhorst. "Und er braucht auf jeden Fall Akzeptanz." Bei den Bürgern, aber auch bei den Jägern. Bei einem Aktionstag zum "Tag des Wolfes" will der Nabu heute in Wetzlar über die Tiere und ihre Rückkehr informieren.

Dabei kommt es auch zu Konflikten zwischen Mensch und Wolf, zuletzt in Niedersachsen. Dort wurde vor wenigen Tagen ein "Kurti" genanntes Tier abgeschossen, das zu wenig Scheu vor dem Menschen gezeigt hatte. "Kurti" hatte sich Menschen mehrfach bis auf wenige Meter genähert und soll zudem einen Hund gebissen haben.

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