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Die "Amerikanische Siedlung" als "Selbstbedienungsladen"? Unser Stadler-Archivbild zeigt das Baugebiet im April 2012.

Ex-Wobau-Chef droht Haftstrafe

Bad Nauheim (bk). Jetzt herrscht Klarheit: Hans-Peter Schäfer, Ex-Chef der Bad Nauheimer Wohnungsbau-Gesellschaft, muss sich im Frühjahr vor dem Landgericht verantworten. Laut Anklageschrift soll er sich des gewerbsmäßigen Betrugs und der Untreue schuldig gemacht haben. Vor drei Jahren hatten die Ermittlungen begonnen.

Vielen Bad Nauheimern dürfte der Fall, der im Frühjahr 2012 das Wobau-Team und die städtische Politik geschockt hatte, gar nicht mehr in Erinnerung sein. Damals wurde die Geschäftsstelle der Gesellschaft von Staatsanwaltschaft und Polizei durchsucht, Schäfer einem Verhör unterzogen. Schon wenige Tage danach hatte Bürgermeister Armin Häuser in seiner Funktion als Wobau-Aufsichtsratsvorsitzender reagiert und den Geschäftsführer nach 32-jähriger Tätigkeit für das Unternehmen fristlos entlassen.

In den Monaten danach kamen immer mehr Einzelheiten der Vorwürfe ans Licht, die Schäfer vonseiten der Ermittler gemacht werden. Mit dubiosen Grundstücksgeschäften im Neubaugebiet "Amerikanische Siedlung" soll Schäfer das städtische Unternehmen um rund 270 000 Euro geschädigt haben. Ob die Staatsanwaltschaft diese Anschuldigung glaubhaft belegen kann, wird sich in einem Prozess vor der Zweiten Strafkammer des Gießener Landgerichts erweisen. "Das Hauptverfahren wird eröffnet. Es wurden Prozesstermine für März und April beantragt", sagte Beate Bremer, stellvertretende Pressesprecherin des Gerichts, auf WZ-Anfrage.

Die Kammer habe die im Sommer 2013 vorgelegte Anklageschrift geprüft und zugelassen. Neben Schäfer müssen sich dessen Lebensgefährtin und ein Makler verantworten. Den beiden wird Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug und Untreue zur Last gelegt. "Bei Wirtschaftsdelikten benötigen die Ermittlungen und Prüfungen mehr Zeit als etwa bei einem Bankraub", erklärte Bremer die lange Vorlaufzeit.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist es bei der Vermarktung der Baugrundstücke in der "Amerikanischen Siedlung" in 32 Fällen zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Als Tatzeitpunkt werden die Jahre 2009 und 2010 genannt. Der Ex-Wobau-Chef habe einem Makler einen Alleinauftrag für die Veräußerung der Parzellen erteilt, wobei die Käufer die Provision gezahlt hätten. Mindestens die Hälfte dieser Provision soll an eine Firma geflossen sein, die Schäfers Lebensgefährtin gegründet habe. Dieses Unternehmen habe aber gar keine Gegenleistung erbracht, es seien lediglich "Scheinrechnungen" ausgestellt worden.

Ruchbar wurden die Vorgänge nach Angaben der Staatsanwaltschaft durch die Mitteilung eines Finanzbeamten. Die Lebensgefährtin Schäfers hatte die Einnahmen nämlich ordnungsgemäß versteuern wollen, dem Finanzamtmitarbeiter war die Sache merkwürdig vorgekommen.

Der Termin des Prozessauftakts steht noch nicht fest. Gleiches gilt für die Zahl der Verhandlungstage. "Solche Wirtschaftssachen können sich schon mal über ein Jahr hinziehen", sagte die stellvertretende Pressesprecherin des Landgerichts.

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