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Am 26. Mai steht für insgesamt 30 300 Erstwähler in Hessen der Gang zur Wahlurne an. (Symbolfoto: dpa)

Ja zu Europa?

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Junge Menschen wissen nicht, was sie wollen? Von wegen! Kurz vor der Europawahl wird es für zahlreiche Erstwähler ernst. Sie dürfen zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. Und sie haben sich dazu Gedanken gemacht. Doch neben Positivem äußern sie auch Kritik gegenüber der EU.

Auf geht es zur nächsten Schule oder zum nächsten Bürgerhaus. In einem Klassenraum sitzen drei freundliche Helfer und reichen lange Zettel. Mit den Wahlunterlagen gehts in die freie Wahlkabine. Doch wohin das Kreuz setzen? Diese Frage stellen sich auch zahlreiche junge Menschen. Für viele gerade erst volljährig gewordene, ist die Europawahl am 26. Mai ihre erste Wahl. Was denken Erstwähler über die EU und die bevorstehende Abstimmung?

"Nein, ich habe mich entschlossen, nicht wählen zu gehen", macht Avija aus Ilbenstadt deutlich. "Ich fühle mich schulisch nicht gut genug darauf vorbereitet, bei so einer großen Wahl wie der Europawahl zu wählen." Ihre Freundin Leana aus Butzbach sieht das etwas anders: "Meine Eltern haben mich so erzogen, dass ich von meinem Wahlrecht Gebrauch machen soll. Wir können froh sein, dass wir wählen dürfen, gerade auch als Frau." Auch Leah aus Karben will bei der Europawahl ihre Stimme abgeben. "Ich finde es dämlich, wenn man nicht wählen geht", sagt sie. "Jeder hat das Recht, zu wählen, also sollte man es auch tun." "Ich bin der Meinung, dass jeder mitbestimmen sollte, wie die Zukunft in Europa aussieht", sagt Patrick aus Ober-Erlenbach. "Ich hoffe, dass viele wählen gehen."

Leah erhofft sich von der Wahl, dass ein Europa geschaffen wird, mit dem alle in der EU zufrieden sind. "Ich denke, es ist ein gutes System, das noch viel Potenzial hat." So wünsche sie sich, dass starke und schwache Länder auf ein Niveau gebracht werden, dass der Lebensstandard und der Wohlstand überall in der EU gleich seien. Auch Patrick befürwortet den Zusammenschluss der einzelnen Länder zur EU. "Ich finde so ein Bündnis gut, damit schwächere Länder unterstützt werden." Allerdings ist er der Meinung, dass die Förderung, gerade bei Naturkatas-trophen, noch weiter ausgebaut werden könnte.

"Ich finde es gut, so viele Menschen aus verschiedenen Kulturen zu treffen und einen Austausch machen zu können", erklärt Avija. "Ländern, die in die EU aufgenommen werden, bietet die EU viele Vorteile", sagt Leah. Für Patrick ist es von Vorteil, dass Meinungen und Macht durch den Zusammenschluss der Länder besser eingebracht werden könnten. So könnte die europäische Meinung besser gegenüber anderen Nationen vertreten werden. Allerdings führe die Findung zu einer einheitlichen Meinung oder Lösung auch dazu, dass zu langsam gehandelt werde. "Wenn es darauf ankommt, kann es manchmal etwas länger dauern", sagt Patrick.

Für Avija und Leana ist in der EU aber nicht alles positiv: Gerade den Umgang mit der "Fridays for Future"-Bewegung sehen die Schülerinnen kritisch. Avija findet es nicht gut, dass demonstrierende Schüler als Schulschwänzer abgestempelt werden. "Wenn wir uns engagieren, wollen wir auch ernst genommen werden." Leana ergänzt: "In der Vergangenheit hat sich nichts am Klimawandel geändert - auch nicht, obwohl Schüler freitags in der Schule saßen."

Avija kritisiert außerdem, dass die EU nicht konsequent sei und bei einer Entscheidung bleibe. Das ständige Hin und Her beispielsweise beim Brexit, verwirre die Menschen: "Da steigt man nicht mehr durch." Patrick erhofft sich, dass mit der bevorstehenden Wahl auch die Frage um den Brexit geklärt wird. Gibt es einen Ausstieg - und wenn ja, wann?

Avija und Leana finden es schwierig zu entscheiden, wem sie ihre Stimme geben sollen. Eins wird aber deutlich: Sie wünschen sich Veränderung. "Ich möchte, dass bestimmte Parteien, die seit Jahren entscheiden, nicht mehr die hohe Zahl an Stimmen bekommen", erklärt Leana. "Ich weiß, wen ich nicht wählen möchte, aber ich habe auch keine wirklichen Alternativen."

Avija denkt, dass es vielen Menschen ähnlich geht, dass sie sich nicht mit den Parteien identifizieren könnten. "Ich denk, das Prob-lem ist, dass die Parteien im Laufe der Jahre den Zugang zu den Menschen verloren haben", sagt die Schülerin. "Dass die Menschen nicht wissen, wen sie wählen sollen, zeigt doch, dass ihre Interessen von den Parteien nicht vertreten werden." Für Leah ist diese Unentschlossenheit schwierig: "Ich sehe es kritisch, dass bei Wahlen Leute aus Unzufriedenheit Parteien wählen, die nicht gut für die EU sind." Patrick ist der Meinung, dass es fraglich sei, ob ein Führungswechsel in der EU eine Besserung bringe.

"Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sind von der EU geregelt", sagt Patrick. "Sie setzt vieles um, das uns zugutekommt." Zum Beispiel die vereinfachten Reisebedingungen oder die Regelung der Roaming-Gebühren innerhalb der EU. "Es gibt immer Sachen, die man besser machen kann", sagt Patrick "aber im großen und Ganzen ist die Arbeit der EU gut." (Foto: mmf)

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