_1MANHB7-B_102106_4c_1
+
Für über 359 000 hessischen Schüler der Klassen 1 bis 6 ist ab nächster Woche die Rückkehr in den Unterricht in der Schule möglich - mit Hygieneregeln natürlich.

Essen gibt es im Klassenzimmer

  • vonDPA
    schließen

Klassen- statt Kinderzimmer: Für die Kleinen ist es wenigstens ein Schritt zurück in die Normalität. Wieder auf der Schulbank büffeln statt zu Hause alleine lernen. In Hessen beginnt für die jüngsten Schüler der Wechselunterricht. Die GEW sieht noch Handlungsbedarf.

Viele Kinder freuen sich bereits auf den kommenden Montag. Endlich wieder Freundinnen und Freunde sehen, gemeinsam lernen, wenn auch nicht alle und nicht jeden Tag. Rund die Hälfte der Schüler der Klassen 1 bis 6 kann in Hessen den Schulranzen packen und zurück ins Klassenzimmer. Was die Kleinen freut, stellt Schulen und Lehrer vor große Herausforderungen. »Es sind viele Aufgaben dazugekommen«, sagt die Schulleiterin der Valentin-Senger-Schule in Frankfurt, Martina Braun. Dabei haben Schulen in einem Jahr Corona-Pandemie schon Erfahrungen gesammelt.

Notbetreuung birgt Unsicherheiten

»Bei den Hygienemaßnahmen mussten wir nichts mehr machen«, sagt Braun. Die Abläufe stehen. Das ganze Organisatorische, Stundenpläne, Rückfragen von Eltern müssen bewältigt werden, und auch wenige Tage vor dem Start des Wechselunterrichts ist längst nicht alles in trockenen Tüchern. Unklar ist noch, wie viele Eltern zusätzlich eine Notbetreuung brauchen. »Das kann ich überhaupt nicht abschätzen, das ist das große Warten.«

Mitte Dezember war mit dem Herunterfahren des gesamten öffentlichen Lebens auch der Schul-Lockdown beschlossen worden. Anfang Januar war die Präsenzpflicht für die Schüler der Klassen 1 bis 6 ausgesetzt worden. Sie konnten aber in die Schule gehen, wenn Eltern arbeiten gehen mussten und sich nicht zu Hause um sie kümmern konnten. Für Schüler ab Klasse 7 wurde mit Ausnahme von Abschlussklassen Distanzunterricht angeboten. Hierbei bleibt es auch ab Montag.

Schulleiterin Braun hat mit ihren Mitarbeitern den Eltern ein zweiseitiges Regelwerk zukommen lassen, wie zum kommenden Wochenstart der Schulbesuch für die Grundschüler geregelt ist. Alle Klassen werden in zwei Gruppen eingeteilt, die abwechselnd in der Schule sein werden. »Wir müssen die Kinder regelmäßig sehen«, sagt Braun. An den Tagen in der Schule würden dann die Aufgaben für den Distanzunterricht besprochen.

Der Plan der Schule: Die Kinder bleiben immer in festen Gruppen. Anfangs-, Pausen- und Essenszeiten werden gestaffelt. Die Schule hat zwar eine Mensa, doch jetzt kommen die Mahlzeiten erst mal mit dem Servierwagen ins Klassenzimmer. Das Ziel: kleine feste Gruppen, möglichst keine Kontakte mit anderen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist bei der Schutzausrüstung indes skeptisch. Es fehlten Filter- und Lüftungsanlagen, sagt Roman George, Referent für Bildungspolitik bei der GEW Hessen. Einige Schulträger verweigerten dies grundsätzlich. Dass nun die Klassen 1 bis 6 in einem Wechselmodell Präsenz- und Fernunterricht erhielten, sei zu begrüßen, hätte aber schon viel früher umgesetzt werden sollen. Es fehlten dazu auch weiterhin Personal und klare Regelungen für die Notbetreuung.

Das Land Hessen habe, da es seit Dezember bis zur Klasse 6 lediglich die Präsenzpflicht ausgesetzt habe, den Eltern die Entscheidung überlassen, ob ihre Kinder die Schule besuchen. Viele Grundschulklassen seien deshalb in den vergangenen Wochen trotz Corona-Lockdowns mehr als halb voll gewesen. Im ersten Lockdown sei die Gruppe der berechtigten Eltern dagegen klar eingegrenzt worden. »Das würde helfen, Kontakte zu reduzieren«, sagte George. 20 bis 30 Prozent der Schüler hätten nach Schätzungen inzwischen große Lücken, für sie sei es besonders wichtig, in den Präsenzunterricht zurückzukehren.

Umsetzung bleibt Schulen überlassen

In den vergangenen Wochen kamen zu der Notbetreuung nach Angaben des Kultusministeriums knapp 22 Prozent der Kinder in den Klassen 1 bis 6 in die Schulen. Das entspreche 79 000 Schülern. Nur mit Blick auf die Grundschulen seien es 28 Prozent, rund 64 000 Schüler gewesen. Wie viele ab Montag in den Schulen sein werden, sei noch unklar. »Da sind wir auch gespannt«, sagt ein Ministeriumssprecher. Dies sei die größte Herausforderung. Wie der Wechselunterricht konkret umgesetzt wird, steht laut dem Kultusministerium den Schulen frei. »Es gibt keine Vorgaben von uns.« Das sei Wunsch der Schulen gewesen.

»Die Kinder freuen sich wahnsinnig auf den Unterricht«, sagt Braun. Erst einmal müssten sie wieder behutsam in die Schule zurückgeholt und auf das Erlebte eingegangen werden. Der zweite Schritt sei, nach dem Leistungsstand zu schauen. In den vergangenen Wochen habe es drei Videokonferenzen pro Woche gegeben. Die Kinder hätten anrufen können und ein kontinuierliches Lernen gehabt. Aber: »Alle haben wir sicherlich nicht erreicht.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare