Volker Bouffier (CDU) gestern im Gespräch mit Schülern. Der Ministerpräsident von Hessen will sich bei der Tour "EinBlick" ein Bild machen wie Hessen bislang durch die Corona-Krise gekommen ist. Auftakt ist der Besuch der Martin-Niemöller-Schule in Riedstadt. FOTO: DPA
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Volker Bouffier (CDU) gestern im Gespräch mit Schülern. Der Ministerpräsident von Hessen will sich bei der Tour "EinBlick" ein Bild machen wie Hessen bislang durch die Corona-Krise gekommen ist. Auftakt ist der Besuch der Martin-Niemöller-Schule in Riedstadt. FOTO: DPA

Erneut Lockerungen in Hessen

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Die Hessen können sich auf weitere Lockerungen pandemiebedingter Einschränkungen einstellen. Derweil rückt eine Umfrage die Gemütslage der Menschen in den Blick.

Erneut soll es in Hessen Lockerungen von Beschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie geben. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warnte aber eindringlich davor, im Land zu früh die Hygiene- und Abstandsregeln in der Corona-Krise zu lockern. Es gebe keinen Anlass, die Grundlinie nicht weiter zu verfolgen. Mittlerweile gibt es in Hessen 10 440 bestätigte Infektionen, das waren laut Sozialministerium 54 mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle stieg um zwei auf 498. Die Nachrichten von Donnerstag im Überblick:

Neue Lockerungen:Hessen lockert unter anderem die Corona-Regeln für Besuche in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie für Veranstaltungen und den Einzelhandel. Bouffier begründete die Maßnahmen mit den derzeitig niedrigen Infektionszahlen. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen können künftig dreimal in der Woche besucht werden. Menschen mit Behinderung, die stationär betreut werden, sollen jeden Tag eine Person empfangen dürfen. Diese Regelungen sollen ab 22. Juni gelten.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) bezeichnete die Lockerung als wichtigen Schritt für die Betroffenen, um aus der teils entstandenen sozialen Isolation herauszukommen, die die Maßnahmen zu ihrem Schutz vor dem Virus ausgelöst hatten. Das Virus sei aber weiterhin aktiv und gefährlich. Dies gelte besonders für die in diesen Einrichtungen betreuten Menschen, die häufig ein erhöhtes Infektionsrisiko sowie ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben.

Für den Einzelhandel wurde nach Angaben des Regierungschefs beschlossen, dass künftig ein Kunde pro zehn statt wie bisher pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche in die Geschäfte gelassen werden kann. Es müssten aber weiterhin eine Alltagsmaske getragen und ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Außerdem müssen Veranstaltungen wie Theatervorstellungen, Konzerte und Feste mit bis zu 250 Teilnehmern nicht mehr extra genehmigt und überwacht werden. Voraussetzung bleibe aber ein Hygienekonzept. Bouffier warnte eindringlich davor, im Land zu früh die Hygiene- und Abstandsregeln in der Corona-Krise zu lockern. Es gebe keinen Anlass, die Grundlinie nicht weiter zu verfolgen. Es bleibe beim hessischen Weg, besonnen vorzugehen, versicherte der Ministerpräsident.

Bouffier auf Schulbesuch:In einer Schule in Riedstadt hat sich Ministerpräsident Bouffier erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise ein Bild von der Situation und Problemen vor Ort gemacht. In der Martin-Niemöller-Schule ließ er sich das Hygienekonzepte erläutern und sprach mit Lehrern, Eltern und Schülern. Er machte auch Hoffnung, dass nach den Sommerferien im August an den Schulen wieder ganz normal Unterricht angeboten werden kann, in vollen Klassenzimmern mit der regulären Stundenzahl. Eine Garantie dafür könne es aber nicht geben, sagte er.

Corona-Umfrage:Die Mehrheit der Hessen rechnet einer Umfrage zufolge mit einer zweiten Welle der Corona-Pandemie in Deutschland. Das sagten 63 Prozent der Befragten, wie aus der von der Krankenkasse AOK Hessen in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung von 1000 Personen hervorgeht. 18 Prozent waren dagegen der Ansicht, dass es bei der ersten Welle bleiben wird.

Für viele Hessen waren oder sind die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie demnach eine Belastung: "Die Einschränkungen der sozialen Kontakte empfinden 19 Prozent - vor allem Frauen - als sehr belastend, weitere 38 Prozent als eher belastend", so die AOK.

Erfolg mit Krebsmedikament:Forscher der Universität Marburg sehen vielversprechende Ansätze für den Einsatz des Krebsmedikaments Ruxolitinib bei schweren Corona-Erkrankungen. Sie berichteten von der erfolgreichen Behandlung einer 65-jährigen Patientin, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an akutem Lungenversagen und weiteren Organschädigungen litt.

Nach der Gabe des Krebsmedikaments besserte sich der Zustand der Marburger Patientin. Atmung und Herzfunktion verbesserten sich rasch. Vom zehnten Tag ihres Klinikaufenthalts an konnte die Patientin demnach schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Auch die Virusvermehrung reduzierte sich. Die Forscher nannten den Verlauf "bemerkenswert".

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte genehmigte mittlerweile eine klinische Studie, in der die Wissenschaftler den Einsatz von Ruxolitinib gegen Covid-19-assoziiertes Lungenversagen weiter untersuchen wollen.

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